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Schweizer Mundarten und deutsche Standardsprache
Zum Verhältnis der Schweizer Mundarten und dem Hochdeutschen macht so mancher seine Beobachtungen und immer wieder tauchen Fragen auf. Der Beitrag «Deutsch: ja – aber welches?» von Peter Rütsche legt die Deutschschweizer Sprachsituation wissenschaftlich dar und blickt auf aktuelle sprachpolitische Herausforderungen.
Für mich die interessantesten Auszüge:
LinguistInnen bezeichnen Deutsch als «plurizentrische» Sprache, das heisst eine Sprache mit mehreren «nationalen Zentren» (Deutschland, Österreich, Schweiz). Entsprechend stehen «(bundes)deutsches », österreichisches und schweizerisches Hochdeutsch als gleichwertige Varietäten nebeneinander.
Auf empirischer Basis hat jüngst Joachim Scharloth nachgewiesen, «dass es in der Deutschschweiz in standardsprachlichen Fragen eine tiefe Kluft zwischen den kollektiven Vorstellungen von Richtigkeit und Vorbildlichkeit und den kodifizierten Sprachnormen gibt.Während die Kodizes schweizerische und deutschländische Varianten häufig als gleichberechtigt aufführen, empfinden viele Sprecherinnen und Sprecher diese Varianten als «schlechtes» oder gar als fehlerhaftes Standarddeutsch.»
Deutschschweizer können nicht mehr oder weniger Standard sprechen, sie müssen «switchen». Ein solcher diglossiebedingter «Entweder-oder-Zwang» wirkt sich immer zuungunsten der «fremderen»,unvertrauteren Sprachform (also der Hochsprache) aus und verstärkt die Wertschätzung der Mundart.
Helvetismen sind teilweise in den anderen deutschen Sprachgebieten unbekannt, teilweise nur nicht gebräuchlich (aber verständlich).
Immer wieder betont wurde – und wird – die Rolle, die das Schweizer Schulsystem bei der Verfestigung der negativen Einstellungen gegenüber dem Hochdeutschen spielt.Offenbar gelingt es ihm nicht, die Vorbehalte gegenüber der Standardsprache abzubauen (oder gar eine positive Einstellung zu fördern).
Angesichts des Domänengewinns der Mundart geht zudem gern vergessen,dass die Mediengesellschaft von heute auch hochdeutschfördernde Wirkungen zeitigt.
Der Artikel ist im Semestermagazin «Semikolon» der Schule für Angewandte Linguistik (SAL), Zürich, erschienen. Die «höhere Fachschule für Sprachberufe» hatte im November 2006 eine Tagung unter dem Titel «Füdliblutt oder spliternackt?» veranstaltet.
Auch an dieser Tagung sprach der Schweizer Schriftsteller Hugo Loetscher. In seinem Referat «Unser klassisches Deutsch» betrachtet er die Beziehung von Dialekt und Hochdeutsch aus literarischer Sicht.
(An der SAL habe ich mein Journalismusdiplom gemacht.)
Oder schreibst du schon?
Kommunizieren Sie noch mit groben Zeichen? Einer Kerbe im Holz? Einem Kreuz an der Decke? Mit willkürlich zusammengesetzten Buchstaben?
Oder schreiben Sie in menschlicher Sprache?
Wenn Sie wollen, dass Ihre Sprache verstanden wird, ist es ein guter Rat, sich an die Regeln zu halten. Es ist die Sprache, die wir miteinander Teilen, die Vertrauen schafft.
Meine Reaktion auf eine Diskussion um die korrekte Schreibweise eines Wortes. Es war ursprünglich so komplett falsch, dass es alles hätte heissen können.
Erkläre es für Vater Boris!

Kampf den Buzzwords. Experten pflegen oft eine Sprache, die Nichteingeweihte kaum noch verstehen.
Einen selbstironischen Umgang mit den Modewörtern pflegt Geek Entertainment TV
. In die Videobeiträge wird jeweils ein Zähler eingeblendet, immer wenn ein Buzzword fällt. Um den Wert klein zu halten, bittet die Interviewerin Irina Slutsky ihre Gesprächspartner so zu reden, dass es auch ihr Vater Boris verstehe.
Kevin Burton von TailRank.com hat das im abgebildeten Beispiel – wenn auch erst nach entsprechender Aufforderung – sehr gut gemacht.
So reden oder schreiben, dass es alle verstehen, ist eine Anforderung an alle Texte. Damit das leichter gelingt, ist es eine gute Hilfe, wenn man sich den Text so vorspricht, also würde man ihn seinem Vater oder der Grossmutter erzählen. Beim Fernsehen sagten wir jeweils, wir texten für Frau Mörgeli aus Schwamendingen.
Geek Entertainment TV
gibt es via iTunes zu sehen.
Immer wieder diese Leerzeichen
Praktisch in jedem Text, der mir vorgelegt wird, finde ich sie: Leerzeichen zwischen Wörtern, die zusammengeschrieben werden müssten.
Die Website Deppenleerzeichen.de hat diesem Fehler ein Denkmal gesetzt.
Ein Beispiel ist Opel Partner. Korrekt müssten die beiden Wörter zusammengeschrieben werden. Denn orthographisch ist der Opelpartner dasselbe wie der Lebenspartner oder der Tanzpartner. Zur besseren Lesbarkeit darf zwischen den einzelnen Bestandteilen ein Bindestrich gesetzt werden.
Doch wie ist das mit zusammengesetzten Wörtern mit Firmen- oder Produktenamen? Muss «Opel» nicht für sich alleine stehen, damit die Marke besser erkannt wird?
Die Rechtschreibung sagt nein. Deutlich macht das Ania Dornheim in ihrem Weblog Schreiben im Beruf
. Sie zitiert eine Frage aus dem Sprachberatungs-Forum zur Schreibweise von Produktenamen und gibt als Antwort:
Tatsächlich müssen wir sogar Windows-XP-Datenblätter schreiben.
Produktenamen oder Fachausdrücke aus dem Englischen werfen besonders häufig Fragen auf. Matthias Schlecker fasst in seinem Weblog The Exit
die Regeln zusammen, die er von der Bertelsmann-Sprachberatung erfahren hat: «Deutsche Rechtschreibung und englische Fachbegriffe». Darin wird festgehalten:
- Zusammengesetzte Substantive werden in der Regel gross- und zusammengeschrieben.
- Bindestrich zur Verdeutlichung des Schriftbilds sind erlaubt; alle substantivischen Bestandteile der Verbindung werden großgeschrieben.
- Liegt eine mehrteilige Verbindung vor, die verschachtelt ist, gilt allein Bindestrichschreibung.
Ein Leerzeichen ist jedoch möglich in Best Practice, weil ein Adjektiv und ein Substantiv zusammentreffen. Bindestrich wäre hier falsch.
Trotz der hier zusammengetragenen Informationen bleiben häufig Unsicherheiten. Deshalb ist es gut zu wissen, dass es Sprachprofis mit Weblogs, Newslettern oder Foren gibt, die immer neue Tipps parat haben. Ania Dornheim ist eine von ihnen und Susanne Ackstaller mit dem «TextTipp!» eine andere. Und Robert Stark zähle ich hier auch dazu.
Links für das Arbeiten mit Sprache
Wer Rat sucht beim Schreiben am Computer, findet im Internet schnell Hilfe. Sprachwerkzeuge, die Fragen zu Rechtschreibung und Grammatik beantworten.
- LEO.org. Ins Suchfeld ein Wort oder eine Phrase eingeben und LEO zeigt Kombinationen und Verwendungsbeispiele in beiden Sprachen an (Deutsch–Englisch oder Deutsch–Französisch). LEO liefert auch die Resultate, wenn man bei Google beispielsweise «freedom en-de» eingibt. Für Firefox gibt es ein LEO-Such-Plug-in.
- Canoo.net. LEO und Canoo verlinken aufeinander. Canoo liefert die Details zur Deutschen Grammatik. Über die Funktion «Wortbildung» erhält man alle möglichen Ableitungen. Es gibt auch einen Rechtschreibe-Prüfer.
- Wortschatz Lexikon. Ist stark in Synonymen. Die erweiterte «Nachschlagen»-Funktion zeigt auch so genannte signifikante Nachbarn. Das sind Wörter die häufig rechts oder links von dem Suchwort auftreten.
- woerterbuch.info. Aufgeräumter als Google: Ein Textfeld und einen «Suchen»-Knopf. Geliefert wird wahlweise die Übersetzung (Deutsch–Englisch/Englisch–Deutsch) oder Synonyme.
Ausserdem: Für Zitate gehe ich als erstes auf Wikiquote.
Passend: The Word Nerds haben ihre liebsten Quellen (Online und Bücher) zusammengestellt. Die interessantesten Links dort für ein vertiefendes Englischstudium finde ich Bartleby.com und Etymonline.com.