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Mehr schreiben über meine Foto-Projekte
Dieses Bild mit der Aufschrift «I don’t seem to easily find words that go with my photography» entstand einmal als Protest gegen Begleittexte, Projektbeschreibungen oder Ortsangaben zu meinen Fotos. Nach einigen Rückmeldungen zu meinen Buch-Versuchen, dem Onlineportfolio und den Postkarten, wurde für mich deutlich, dass Betrachter Text zu den Bildern erwarten. Offenbar ist es ein Bedürfnis, etwas über das Wo, Wann und Warum zu erfahren, damit ein Kontext entsteht. Das hilft beim Einordnen und Interpretieren und wohl auch dabei, sich besser in die Fotografien hinein zu versetzen.
Eigentlich ist es einfach: Fotografen erzählen Geschichten – mit den Bildern und mit etwas Text dazu.
Dagegen habe ich mich lange gewehrt. Ich hätte keine Geschichte zu erzählen, sagte ich. Dabei übersah ich, dass meine Fotos schon die ganze Zeit Geschichten in sich enthielten.
Und dann erschien kürzlich dieser Imperativ im Reader mit den Fotografie-Blogs: Photographers should write more, schrieb Bryan Formhals in seinem LPV Magazine.
They [photographers] should focus on communicating their ideas and telling their stories. That’s what I want to read from photographers.
In den vergangen Wochen gab es dann auch zwei Gelegenheiten, meine Geschichte zu erzählen: einmal im Feature auf dem EYE’EM-Blog und einmal für eine Publikation einiger meiner Fotos, die Ende Juli erscheinen wird, und über die ich sicher noch berichten werde. Schliesslich überarbeitete ich mein Onlineportfolio und schrieb zu den Serien etwas Text. Über das Projekt «Nacht im Quartier» schrieb ich auch auf Tumblr.
Das Schreiben über meine Fotografie scheint für mich zudem folgende Nutzen zu haben:
- Ich kann selber meine Projekte/Serien besser fassen und ich erkenne, welche Serien überhaupt funktionieren, welche fertig sind und wo noch Fotos fehlen. Denn eine abgeschlossene Serie muss eine Geschichte haben, die am Ende aufgeht.
- Die Geschichte hilft auch, unpassende Bilder aus einer Serie zu entfernen oder neue dazu zu nehmen: also beim Editieren der eigenen Arbeit.
- Eine Geschichte hilft beim Heraustragen der eigenen Arbeit, also so zu sagen beim Marketing, beim Verkaufen.
Ich blogge ja schon lange für das Fotografieren, aber ich schrieb nicht über meine Projekte und Bilder. Das hatte gefehlt. «Not blogging. But writing», unterscheidet auch Bryan Formhals.
Ich denke, da ist bei mir ein Licht aufgegangen. Wie immer bleibt es offen, wie sich das auf dem weiteren Weg entwickeln wird.
Fotopräsentation im Magazinstil mit Issuu.com
Was du hier siehst, ist ein Web-Magazin auf Issuu.com, das ich mit meinen Fotos und Blogtexten gestaltet habe. Man kann darin blättern, wie in einem «Heftli».
Mich hat diese Art der Präsentation meiner Fotos angesprochen, und ich habe gleich drei unterschiedliche Issues
erstellt. Ich stelle mir vor, wie meine Fotografien in einem Magazin wirken könnten. Und ich gestalte kleine redaktionelle Arbeiten – Bild und Text kombiniert.
Was mir dabei auffällt: Blogtexte sind keine Magazintexte. Verweise durch Links und durch den Zeitpunkt, an dem ein Eintrag im Blog publiziert wurde, fallen im Magazin weg. Die Texte müssten für das Magazin ganz anders angegangen werden. Als Experiment genügten mir aber meine Blogtexte.
Auf Issuu kann man sein selbstgemachtes Magazin als PDF hochladen. Erstellt habe ich die Seiten in Apples Pages.
Issuu.com wir auch von «Blick am Abend» und anderen Schweizer Gratiszeitungen für ihre Webausgabe genutzt. Oder viele Kreative präsentieren ihre Portfolios von Design- und Fotoarbeiten. Darauf gekommen bin ich via den Artikel Two Great Ways to Publish Your Own Magazine
auf Photojojo.com.
Bildlegenden – Ich sehe etwas, was du nicht siehst
In Zeitungen und Zeitschriften kommen Bilder meist nicht ohne Worte aus. Vom Bild geht der Blick häufig auf die Bildlegende – eine der meistgelesenen Textsorten im Journalismus.
Um zu verstehen, was die Bedeutung der Bildlegende ist, hat mir seit der Journalismusausbildung das vielerlei interpretierbare Sprichwort «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte» geholfen. Weil gerade ein Bild viel und für jeden Betrachter etwas anderes sagt, braucht es den Text, der die Bedeutung einschränkt und auf den Sinn der journalistischen Geschichte lenkt.
So erfüllt die Bildlegende die Funktion als Mittler zwischen Bild und Artikel mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen.
Eine andere Redewendung beschreibt die Situation von Bild und Text auch gut: «Ich sehe etwas, was du nicht siehst». Wie im Kinderspiel greift die Bildlegende ein Merkmal des Bildes heraus, das für die Geschichte wichtig ist.
Gefunden habe ich diese Interpretation der Bildlegende Kursausschreibung der MAZ Journalistenschule zu dieser Textsorte.
Selber machen geht einfacher
Es geht leichter, einen guten Text von Anfang an selber zu schreiben, als eine schlechte Vorlage zu überarbeiten.
Für diesen Schluss will ich folgende Gründe nennen:
Als geübter Schreiber habe ich meine ganz eigene Art, wie ich an einen Text herangehe. Noch bevor ich schreibe, beginnt der Text zu entstehen. Ich richte mich schon von Beginn weg nach den Anforderungen:
- Zielgruppe
- Länge
- Wichtigkeit
- Medium
- Ton
Bekomme ich einen vorformulierten Text, kann ich meine Überlegungen nicht mehr anstellen, weil der Text schon in eine feste Form gebracht wurde.
Beim Überarbeiten, wenn ich gemachte Sätze anrühren will, plagen mich immer Fragen.
- Hat der Autor dies mit Absicht so ausgedrückt?
- Ist es ihm wichtig, diese Wörter zu benutzen?
- Muss dieser Ton beibehalten werden?
- Geht ein wesentlicher Gedanke verloren, wenn ich das umformuliere?
- Verletze ich den Autoren, wenn ich seine Stimme abändere?
Dagegen erheben sich meine fachlich begründeten Einwände.
- So verstehen das die Leser nicht.
- Das hier ist eine Wiederholung. Streichen!
- Dieser Absatz sollte aufgeteilt werden.
- Dieser Gedanke wird nicht abgeschlossen.
Es stellt sich dann die Frage ob ich mit viel Aufwand stark eingreife, oder mit wenig Aufwand nur kleine Änderungen vornehme. Das Resultate wäre leichter zu erreichen gewesen, hätte ich von Anfang an alles selber gemacht.
Es lohnt sich in jedem Fall, gute Schreiber die Arbeit machen zu lassen. Denn schlechte Texte kosten am Ende mehrfach.
Oder schreibst du schon?
Kommunizieren Sie noch mit groben Zeichen? Einer Kerbe im Holz? Einem Kreuz an der Decke? Mit willkürlich zusammengesetzten Buchstaben?
Oder schreiben Sie in menschlicher Sprache?
Wenn Sie wollen, dass Ihre Sprache verstanden wird, ist es ein guter Rat, sich an die Regeln zu halten. Es ist die Sprache, die wir miteinander Teilen, die Vertrauen schafft.
Meine Reaktion auf eine Diskussion um die korrekte Schreibweise eines Wortes. Es war ursprünglich so komplett falsch, dass es alles hätte heissen können.
Erkläre es für Vater Boris!

Kampf den Buzzwords. Experten pflegen oft eine Sprache, die Nichteingeweihte kaum noch verstehen.
Einen selbstironischen Umgang mit den Modewörtern pflegt Geek Entertainment TV
. In die Videobeiträge wird jeweils ein Zähler eingeblendet, immer wenn ein Buzzword fällt. Um den Wert klein zu halten, bittet die Interviewerin Irina Slutsky ihre Gesprächspartner so zu reden, dass es auch ihr Vater Boris verstehe.
Kevin Burton von TailRank.com hat das im abgebildeten Beispiel – wenn auch erst nach entsprechender Aufforderung – sehr gut gemacht.
So reden oder schreiben, dass es alle verstehen, ist eine Anforderung an alle Texte. Damit das leichter gelingt, ist es eine gute Hilfe, wenn man sich den Text so vorspricht, also würde man ihn seinem Vater oder der Grossmutter erzählen. Beim Fernsehen sagten wir jeweils, wir texten für Frau Mörgeli aus Schwamendingen.
Geek Entertainment TV
gibt es via iTunes zu sehen.
Immer wieder diese Leerzeichen
Praktisch in jedem Text, der mir vorgelegt wird, finde ich sie: Leerzeichen zwischen Wörtern, die zusammengeschrieben werden müssten.
Die Website Deppenleerzeichen.de hat diesem Fehler ein Denkmal gesetzt.
Ein Beispiel ist Opel Partner. Korrekt müssten die beiden Wörter zusammengeschrieben werden. Denn orthographisch ist der Opelpartner dasselbe wie der Lebenspartner oder der Tanzpartner. Zur besseren Lesbarkeit darf zwischen den einzelnen Bestandteilen ein Bindestrich gesetzt werden.
Doch wie ist das mit zusammengesetzten Wörtern mit Firmen- oder Produktenamen? Muss «Opel» nicht für sich alleine stehen, damit die Marke besser erkannt wird?
Die Rechtschreibung sagt nein. Deutlich macht das Ania Dornheim in ihrem Weblog Schreiben im Beruf
. Sie zitiert eine Frage aus dem Sprachberatungs-Forum zur Schreibweise von Produktenamen und gibt als Antwort:
Tatsächlich müssen wir sogar Windows-XP-Datenblätter schreiben.
Produktenamen oder Fachausdrücke aus dem Englischen werfen besonders häufig Fragen auf. Matthias Schlecker fasst in seinem Weblog The Exit
die Regeln zusammen, die er von der Bertelsmann-Sprachberatung erfahren hat: «Deutsche Rechtschreibung und englische Fachbegriffe». Darin wird festgehalten:
- Zusammengesetzte Substantive werden in der Regel gross- und zusammengeschrieben.
- Bindestrich zur Verdeutlichung des Schriftbilds sind erlaubt; alle substantivischen Bestandteile der Verbindung werden großgeschrieben.
- Liegt eine mehrteilige Verbindung vor, die verschachtelt ist, gilt allein Bindestrichschreibung.
Ein Leerzeichen ist jedoch möglich in Best Practice, weil ein Adjektiv und ein Substantiv zusammentreffen. Bindestrich wäre hier falsch.
Trotz der hier zusammengetragenen Informationen bleiben häufig Unsicherheiten. Deshalb ist es gut zu wissen, dass es Sprachprofis mit Weblogs, Newslettern oder Foren gibt, die immer neue Tipps parat haben. Ania Dornheim ist eine von ihnen und Susanne Ackstaller mit dem «TextTipp!» eine andere. Und Robert Stark zähle ich hier auch dazu.
Vor dem Workshop Onlinetexten
textgoeshere ist das Blog, in dem Dave Nolan seine Dienste als Schreibtrainer und Web-Editor und -Designer anpreist. Darauf finden sich montalich Artikel zum Schreiben im Web.
Zum Beispiel:
Ins Auge gestochen ist mir auch:
Nolan gibt einige Notizen zu einer Präsentation wieder.
Das passt zu meinem Workshop Onlinetexten (Wiki), den ich morgen halte.
Eine hilfreiche Vorbereitung für meine Präsentation fand ich auch in Hans J. Walters Podcast Der Ton macht die Musik
. Darin beschreibt er eine Übung zum Finden der optimalen Stimmlage. Dazu summt man ein zustimmendes «Mmm-hmm» und führt den Laut weiter in einen Satz. So trifft man den für die eigene Stimme angenehmsten Ton. Das werde ich jetzt noch üben. «Mmm-hmm»
Vor dem Workshop Onlinetexten habe ich auch diverse Bookmarks zu verwandten Themen in meine Sammlung bei del.icio.us aufgenommen.
Die Entstehung eines Artikels für eine Zeitung/Zeitschrift
Dies ist die Antwort auf eine Anfrage, in der ich um Informationen über die Entstehung eines Artikels für eine Zeitung/Zeitschrift
gebeten werde.
Bevor ich mit dem Schreiben anfange, gehe ich diese Punkte durch.
- Ich muss wissen, was für eine Geschichte ich erzählen werde. Und wie das für jede gute Geschichte gilt, muss ich sie in einem Satz zusammenfassen können.
- Ich muss genügend und das treffende Material vorhanden haben, um die ganze Geschichte erzählen zu können. Ich gehe meine Notizen durch und falls eine Lücke besteht, muss ich weiter recherchieren.
- Ich muss mir überlegen, welche Personen zu welchem Zeitpunkt auftreten. Wie in einer guten Geschichte gibt es Haupt- und Nebenfiguren. Ich skizziere den Aufbau des Artikels.
Jetzt fange ich zu schreiben an.
- «Der erste Satz soll ein Paukenschlag sein.» Er muss möglichst viele Leserinnen und Leser ansprechen können. Deshalb kann es auch eine allgemeine Aussage sein, die danach sofort auf die Geschichte abgelenkt wird.
- Schreiben und Überarbeiten wechseln sich ab. Ich schreibe die Geschichte Stück für Stück. Dazwischen lese und korrigiere ich jeweils den vorhergehenden Abschnitt.
- Am Ende kommt die Abrundung. Mit dem letzten Absatz muss ich versuchen, die Geschichte so abzuschliessen, dass aus dem Text keine Frage übrig bleibt.
Zum Schluss hilft mir der «Partitur-Test» von Daniel Perrin. Ich lese meine Geschichte durch und versuche sie wie ein Musikstück erklingen zu lassen. Stimmt der Einsatz der Stimmen? Kommt keine zu spät? Ist keine zu laut? Sind keine Störstimmen da?
Schreiben filmen
Als ich als Nachrichtenredaktor bei einer TV-Station arbeitete, filmte einmal eine Studentin der Universität Bern wie ich schreibe. Sie tat dies für eine Studie, die das Entstehen von journalistischen Texten untersuchen sollte. Wie texten Profis in der Praxis? Wie entsteht ein journalistischer Text?
Die Forscherin stellte eine Videokamera auf ein Stativ und filmte so den Bildschirm ab. Einfacher geht so etwas mit Programmen, die den Bildschirm und alle Aktivitäten als Film auf die Festplatte aufnehmen.
Und das will ich hier einmal demonstrieren. Zum Einsatz kommt die Mac OS X Shareware Screen Movie Recorder. Der damit aufgezeichnete Bildschirmfilm zeigt das Entstehen des Titels dieses Beitrags.
Film ansehen: Schreiben filmen (QuickTime, 517 KB, 27 Sekunden)
Die Berner «Forschungsstelle für Berufliches Schreiben FBS» führte zwischen 1997 und 1999 Fallstudien auf 17 Schweizer Nachrichtenredaktionen durch und untersuchte, «wie sich die Arbeitssituation, die individuellen Strategien der Kommunikatoren und der Schreibprozess auswirken auf den fertigen Text».
Resultate dieser Forschung sind in das Buch «Schreiben ohne Reibungsverlust: Schreibcoaching für Profis» von Daniel Perrin eingeflossen. Als Beispiel für eine Progressionsanalyse wird gezeigt, wie der Titel einer Zeitungsnachricht entsteht. Dokumentiert sind neun Schritte zur fertigen Überschrift zu einem Tages-Anzeiger-Bericht über die Untersuchungen zum Absturtz einer Swissair-MD-11 (1998).



