Beiträge mit Schlagwort ‘Politik’
Die Angst vor dem Sündigen auf Zürichs Bänken
«Das ist ein Erlebnis fürs Tagebuch», meint Al Imfeld, als der Doppelgelenk-Trolleybus am Hegibachplatz wendet, so dass man von den vorderen Plätzen aus dem Fenster schauen und das hintere Ende einschwenken sehen kann. Oder fürs Weblog, denke ich.
Auf den Züri-Streifzügen
der VBZ sitzen die Zuhörer im langen Doppelgelenk-Trolleybus, der in Zürich auf Probefahrt ist. Al Imfeld, Priester, ehemaliger Afrika-Korrespondent, Journalist und Schriftsteller, erzählt Geschichten. Sie handeln vom Langstrassenquartier und von Schlieren – den Gebieten, durch die die Buslinie 31 führt.
Al Imfeld nimmt Anekdoten aus der Kirchengeschichte, aus Afrika und aus dem Milieu. Die Mischung ist zuweilen eine Zumutung. Die Deutungen Imfelds erheben den Blick weit über Tragödien, Besitz und Politik hinaus.
Den Zürcher Politikern hält Imfeld vor, wie Zwingli dauernd von der Angst besessen zu sein, die Leute könnten sündigen. Der Zürcher Reformator wollte deshalb keine Bänke in der Stadt. Nicht viel anders machte es die Regierung heute. Eine andere Blockade sieht Al Imfeld im «ewigen Pessimismus».
Ein Gedankenanstoss auf einer Fahrt im Bus – am Tag der historischen Regierungs- und Parlamentswahlen in Zürich.
Die nächsten zwei Sonntage gibt es noch weitere Streifzüge.
Nicht bloss Meinung – mehr noch Argumente
Deutschsprachige Blogger sollten mehr ihre politische Meinung sagen, findet Nico Lumma. «Versteckt Euch nicht hinter Zitate, sagt Eure Meinungen zu den Themen der Zeit!» Es geht um die Mitgestaltung unserer Demokratien. In Weblogs haben wir ausgezeichnete Mittel, unsere Meinung in Freiheit zu äussern. Wir nehmen damit aktiv an Wahl- oder Abstimmungskampf teil (siehe auch bei Tim Bruysten).
Ich finde: Mehr noch als an Meinung mangelt es an Argumenten. Meinung kann man da und dort doch immer wieder lesen. Zudem drängt uns via Medien auch die Cervelatprominenz seine Meinung auf. Strassenumfragen fangen die Meinung von Menschen wie du und ich ein. Was aber sollen uns diese unkontrollierten Meinungsäusserungen nützen?
Für die eigene Meinungsbildung braucht es Argumente. Doch die sind leider nicht so leicht zu formulieren. Sie erfordern Hintergrundwissen, Detailkenntnisse. Wir – wohl die meisten Teilnehmer an unseren modernen Demokratien – sind aber zumeist nicht in der Lage, Argumente zu liefern. Weil das Argumentieren zu den höheren publizistischen Künsten gehört, sind wirklich hilfreiche Meinungstexte selten. Wer sollte diese schreiben? In den Verlagen wird gespart. Politiker profilieren sich öfter durch Polemik.
Für Blogger ist es umso schwieriger, gute Meinungstexte zu schreiben. Der Anspruch ist sehr hoch. Wenn wir es jedoch versuchen, zu unserer Meinung jeweils ein Argument zu nennen, leisten wir schon einen wesentlichen Beitrag zur Meinungsbildung anderer.
Autofreie Stadt
Diese Woche ist die Europäische Mobilitätswoche, die Autofahrer dazu aufruft, ihr Wagen mal zu Hause zu lassen und ohne Auto in die Stadt zu fahren. In Zürich findet am Sonntag ein Aktionstag statt.
Zürich autofrei – ich halte an dem Traum fest. Wenigstens das autofreie Limmatquai dürfte bald Realität werden. Weiter wünsche ich mir autoberuhigte Wohnquartiere – für unsere Gesundheit, Sichherheit und für unsere Kinder.Die Stadt Zürich macht Werbung für den Multimobil-Tag mit Bildern, auf denen alle Verkehrsschilder schneeweiss sind. Ich habe selber auch so ein Bild gemacht: