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Der Weg zur Grossformat-Lochkamera
Hier ist ein Bild aus der selbstgebauten Lochkamera mit 4×5-Inch-Filmhalter.
Damit habe ich erstmals in der dritten der gängigen Formatfamilien fotografiert: neben Kleinbild und Mittelformat jetzt auch im Grossformat. Die Vorbereitungen darauf führten mich über folgende Stationen:
- Anregung für das Fotografieren im Grossformat durch Eposode 17 des Film Photography Podcasts und Episode 46 von Art of Photography Video-Podcast. Und schliesslich auch noch durch die Marquardt International Pinhole.
- Kauf eines 4×5-Inch-Filmhalters auf Ebay.
- Kartonschachtel in der passenden Grösse finden und Löscher ausschneiden: eines, für das Bildfenster, eines, für die «Linse».
- In ein Stück Aluminium aus einer Getränkedose ein kleines Loch stechen und in die Schachtel in die «Linsen»-Öffnung kleben.
- Schachtelinnenseite mit schwarzem Papier auskleiden.
- Samt kaufen und Rückseite überziehen, festkleben mit Teppichklebeband.
- In einem Handwerksgeschäft nach starken Gummibändern fragen mit der Idee, den Filmhalter später damit an der Kamera zu befestigen. Der Verkäufer hat selber schon Lochkameras gebaut und rät mir eher zu Aluminiumprofilen.
- Aluminiumprofile kaufen, auf die passende Grösse zusägen und jetzt alles zusammenfügen und mit starkem schwarzen Klebeband befestigen.
- Feststellen, dass im gelieferten Filmhalter zwei Blatt Film eingelegt sind, eines dabei allerdings gleich voll belichten. Das andere für eine erste Testaufnahme vormerken.
- Eine Schachtel 4×5-Inch-Schwarzweissfilm und Entwicklungsschalen bestellen bei Ars-Imago.
- Testbelichtung machen und Film in der abgedunkelten Waschküche in der Schale entwickeln und feststellen, dass ich während der gesamten Entwicklungszeit hätte schaukeln sollen. Das Resultat.
- Herausfinden, wie ich ein 4×5-Inch-Negativ scannen kann, mit meinem Epson 4490, dessen Durchsichteinheit nur bis Mittelformat abtasten kann. Die Lösung: in zwei Teilen scannen und im Photoshop mit Photomerge zusammensetzen.
- Filmhalter mit zwei neuen Blatt Film laden und damit in den nahen Wald.
- Belichten, entwickeln, scannen. Fertig.
Die Kamera ist keine Schönheit.
Die Aluminiumprofile dienen als Einschub für den Filmhalter. Samt kleidet den Rückteil aus und soll Licht schlucken.
Schärfe, Abbildungswinkel, Bildkreis – sieht alles super aus. Und ich habe nichts vermessen oder berechnet. Ich bin zufrieden.
Lochkamera-Bildpaare
Nicht viele Worte hier. Nur so viel:
Am diesjährigen Welt-Lochkamera-Tag machte ich Fotos mit einer Streichholzschachtel und zwei der Bilder nehme ich in mein Portfolio Lochkamera-Bildpaare auf.
Die übrigen Fotos auf Flickr.
Leider habe ich mein Ziel, mit der selbstgebastelten 4×5-Inch-Lochkamera zu fotografieren, nicht erreicht. Aber das kommt schon noch.
Am Sonntag 27. April 2008 ist Welt-Lochkamera-Tag [Update]
Heute in einer Woche ist «Weltweiter Tag der Lochkamera-Fotografie». Mitmachen kann jeder: Teilnehmer können ein Foto einreichen, das sie an diesem Tag mit irgend einer Lochkamera gemacht haben.
Ich werde sicher mit meiner Lochkamera Bilder machen. Der Zirkus Knie wird auf dem Zürcher Sechseläutenplatz sein und vermutlich werde ich dort versuchen, mit der Pinhole-Kamera etwas Zirkus-Stimmung einzufangen.
Ich bin jetzt schon gespannt auf die (Schweizer) Beteiligung und die Resultate …
[Update, 27. April 2008]
Hier sind die Bilder aller Schweizer Teilnehmer am Worldwide Pinhole Photographie Day 2008.
Und hier ist mein eingereichtes Bild:
Alle meine Lochkamera-Fotos von heute.
Meinen Film habe ich gleich im Stundenservice entwickeln lassen und konnte so am Abend die Bilder scannen.
Ich freue mich über die Resultate.
Link:
www.pinholeday.org
Lochkamera-Bausatz: Wunderbare Fotos aus der schwarzen Box
Am letzten Samstag habe ich im Arslonga eine zusammensteckbare Lochkamera gekauft. Der Bausatz «Pinhole Camera» von 4M wird unter dem Label «Kidz Labs» verkauft und verspricht ein inspiring optical science kit for both kids and adults
(Text auf der Schachtel) zu sein.
Ein Spielzeug auch für mich, dachte ich, und kaufte mir diese schwarze Plastik-Lochkamera. (Bilder von der Kamera gibt es auf Flickr.)
Am Sonntag und am Montag, in der Mittagspause bei Sonne am Zürcher Platzspitz, habe ich meinen ersten Film mit der Pinhole durchgelassen.
Der Bausatz ist einfach zusammenzusetzen. Zu erst schneidet man aus der mitgelieferten Alufolie ein Stück aus, das man mit dem auch enthaltenen doppelseitigen Klebeband an die Innenseite der vorderen Abdeckung klebt. Die Beschreibung erklärt dann, wie mit einer Nadel ein Loch in die Folie zu machen ist. Schwierigkeit hier: das Loch sollte in der Mitte und möglichst klein sein. Mir gelang der erste Versuch noch nicht so recht. Zum Glück liegen in der Schachtel genügend Folie und Kleber für mehrere Versuche (oder auch Experimente). Die weiteren Teile sind leicht zusammengesetzt. Für den «Verschluss» muss eine Feder eingesetzt werden. Sie bewegt dann einen Schieber vor das Loch in die Kamera. Mit dem «Auslöser» drückt man den Schieber dann herunter. Im Innern ist alles vorgefertigt, die drei Hauptbauteile und die Spulen müssen nur zusammengefügt werden. Die hintere Abdeckung wir auf beiden Seiten mit Klammern festgemacht. Alles passt und wirkt lichtdicht. Eine sehr komfortable Lochkamera.
Eingelegt wird ein 35mm-Kleinbildfilm. Das Einfädeln ist ein bisschen mühsam, da die Spule locker sitzt und erst mit dem Schliessen der Rückwand fest sitzt. Damit der Film flach liegt, ist es wichtig, mit dem Rückspulknopf den Film zu spannen. Beim ersten Versuch ist mir dabei der Film von der Spule gerutscht und die Lasche wurde in die Dose hineingezogen. Schliesslich stellte sich dies als Glücksfall heraus. Denn jetzt musste ich einen anderen Film nehmen und bei mir lag noch ein Ilford XP2 herum. Der Schwarzweissfilm mit ISO400 lässt sich im Farbprozess und daher im 1-Stundenservice entwickeln. Ausserdem ist er sehr gutmütig bei Über- und Unterbelichtung. Das ist für Lochkameraexperimente eine sehr gute Voraussetzung.
Ich war also bereit zum Fotografieren mit meiner schicken schwarzen Box. Am Sonntag machte ich ein paar Aufnahmen rund um das Haus.
Bei dieser Aufnahme habe ich die Kamera auf ein Stativ gestellt. Nein, die Pinhole hat keine Stativgewinde, aber die Stellfläche an meinem Stativkopf ist genügend gross, um neben der Schraube die Kamera aufzulegen und festzuhalten. Belichtet habe ich rund 3 Sekunden. Ich habe keine grossen Berechnungen angestellt. Ich ging davon aus, dass ich mit ISO400 bei bedecktem Himmel etwa im gleichen Bereich liegen würde wie bei meinen früheren Pinhole-Experimenten mit einer Streichholzschachtel bei Sonne und mit ISO200-Film.
Am Montag in der Mittagspause schien dann die Sonne. Die Fotos sind ausgezeichnet beleuchtet und der Film in der Kamera hat in diesem Licht viele Details aufzeichnen können. Die Bilder werden erstaunlich scharf, wenn die Kamera auf einem festen Untergrund festgehalten wird.
Bei dieser Aufnahme habe ich die Kamera mit dem Rückteil auf eine Mauer gelegt und senkrecht nach oben fotografiert.
Für mich liefert die Kamera wertvolle Bilder – in einer wunderbar unperfekten Bildsprache, die aber genug zeigt, um doch eine Szene beschreiben zu können. Ich würde die Lochkamera gerne auf einer Reise einsetzen, denn sie ist leicht und robust, und sie funktioniert, wie es scheint, verlässlich.
Die Lochgrösse scheint mir gut zu sein. An der Folie ändere ich also vorerst nichts. Wahrscheinlich teste ich die Lochkamera bald einmal auch mit einem Farbfilm. Und vielleicht erstelle ich eine Maske für ein quadratisches Bildformat. Denn für weiteres Modding lässt die Kamera Raum.
Übrigens: Zu dieser Art von langen Berichten hat mich die Lektüre in moominseans Blog angeregt.
Siehe auch: Seite Lochkamera in meinem Wiki.









