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Fotopräsentation im Magazinstil mit Issuu.com
Was du hier siehst, ist ein Web-Magazin auf Issuu.com, das ich mit meinen Fotos und Blogtexten gestaltet habe. Man kann darin blättern, wie in einem «Heftli».
Mich hat diese Art der Präsentation meiner Fotos angesprochen, und ich habe gleich drei unterschiedliche Issues
erstellt. Ich stelle mir vor, wie meine Fotografien in einem Magazin wirken könnten. Und ich gestalte kleine redaktionelle Arbeiten – Bild und Text kombiniert.
Was mir dabei auffällt: Blogtexte sind keine Magazintexte. Verweise durch Links und durch den Zeitpunkt, an dem ein Eintrag im Blog publiziert wurde, fallen im Magazin weg. Die Texte müssten für das Magazin ganz anders angegangen werden. Als Experiment genügten mir aber meine Blogtexte.
Auf Issuu kann man sein selbstgemachtes Magazin als PDF hochladen. Erstellt habe ich die Seiten in Apples Pages.
Issuu.com wir auch von «Blick am Abend» und anderen Schweizer Gratiszeitungen für ihre Webausgabe genutzt. Oder viele Kreative präsentieren ihre Portfolios von Design- und Fotoarbeiten. Darauf gekommen bin ich via den Artikel Two Great Ways to Publish Your Own Magazine
auf Photojojo.com.
Blog-Einträge, für die Besucher hier her kommen
Es scheint, als nehme die Reichweite meines Blogs wieder zu. Einen Schub bringt sicher die Erwähnung in der Zeitschrift «anthrazit», Ausgabe April 2008, zum Thema «Digitale Fotografie».
Dort wird als Link-Tipp unter dem Stichwort «Fotokurse im Web» auf diese Seite verwiesen und speziell der Artikel «Wie halte ich eine Kompaktkamera» hervorgehoben.
Ich dachte mir deshalb, ich sollte diesen und vielleicht einige andere Artikel wieder einmal an die Oberfläche holen.
Beliebteste Einträge (Auswahl)
- Wie halte ich eine Kompaktkamera
- Fotografieren mit Blitz
- Digital fotografieren: Noch mehr Tipps
- EXIF-Daten von Bildern bearbeiten mit Reveal
- PDF auf dem Mac: «Vorschau» macht’s
- Immer wieder diese Leerzeichen
- Favicon erstellen
- Re: Browser für Mac OS 9.2
Diese Liste ist teilweise nach meiner Bewertung und teilweise nach Zugriffstatistik entstanden. Mein Blog ist ja schon über vier Jahre alt, und ich erinnere mich an die eine oder andere Geschichte, die mir damals viel bedeutete oder ein grosses Echo fand.
Die Erwähnung in «anthrazit» hat mich natürlich gefreut. Wäre da nur nicht der blöde Verschreiber in meinem Namen. Ich habe nichts mit einem ehemaligen Schweizer Bundesrat mit Vornamen Christoph aus Meilen zu tun. Mein Name ist Stefan Bucher. (Siehe Bild aus «anthrazit» mit Schreibfehler.)
Spiegelverkehrte Bilder: Krasse Verfälschungen von historischen Dokumenten
Gestern in der Ausstellung mit Fotografien von Theo Frey in der Fotostiftung Schweiz in Winterthur ist es mir an zwei Beispielen aufgefallen: Bilder, die man sowohl als Fotoabzug wie auch in einem Abdruck in einer Zeitschrift sieht, sind in zwei spiegelverkehrten Versionen dargestellt.
Ein Beispiel ist das Bild eines Kindes, das sich ans Bein des Vaters klammert. Das andere zeigt Bomben auf den Zürcher Eisenbahnviadukt.
Sofort regten sich in mir viele Fragen, denn das Spiegeln von Bildern erachte ich persönlich für einen «foto-ethisch» nicht zulässigen Eingriff. Ich meine, das Spiegeln verfälscht die künstlerische Qualität eines Bildes, bzw. die Komposition. Der Ausdruck von Menschen wird komplett verfälscht. Und natürlich werden historische Tatsachen im Bild verdreht.
Weil ich verstehen wollte, wie den spiegelverkehrten Bildern zu Stande kamen, fragte ich in einer E-Mail bei der Fotostiftung Schweiz nach. Meine zentralen Fragen:
- Haben in den beiden Fällen die Zeitschriften das Bild gespiegelt?
- War diese Praxis damals verbreitet? (Ich stelle mir vor, sie ist es heute auch noch.)
- Wie stellt sich der Fotograf zu dieser Praxis?
Die Antwort schrieb mir heute Dr. Peter Pfrunder, Direktor des Fotostiftung Schweiz.
Ihre Beobachtung ist absolut zutreffend: auf einigen Zeitschriften, die wir in den Vitrinen zeigen, wurden die Fotografien spiegelverkehrt abgedruckt. Das war in den Dreissiger- und Vierzigerjahren nichts Aussergewöhnliches: Vor allem für das Titelbild nahmen sich die Bildredaktoren die Freiheit heraus, Fotografien so zu präsentieren, dass sie in die Reportage bzw. Leserichtung hineinziehen (Ausrichtung des Titelbildes nach rechts) – selbst dann, wenn dadurch krasse Verfälschungen von überprüfbaren Situationen entstanden (wie im Bild des bombardierten Eisenbahnviadukts).
(…) Im Fall von Theo Frey ist mir nicht bekannt, dass er sich dagegen gewehrt hätte. Dasselbe gilt übrigens für die zum Teil recht massive Beschneidung von Fotografien, damit diese ins Layout passten. Theo Frey, der sehr häufig im quadratischen 6×6-Format fotografierte, musste diesbezüglich ebenfalls starke «Entstellungen» in Kauf nehmen, indem die Bilder auf Hoch- oder Querformate zurechtgestutzt wurden.
(…) In unserer Theo Frey-Ausstellung haben wir bei Neuabzügen selbstverständlich die ursprüngliche, richtige Version der Fotografie respektiert. (…)
Und zur Praxis heute:
Heute mögen Verkehrungen in Einzelfällen – in der Regel in Absprache mit dem Autor – noch vorkommen, aber im allgemeinen ist der Respekt vor dem Autor
bzw. seinem Bild doch gewachsen.
Das finde ich eine super freundliche und ausführliche Antwort, die mir hilft, die damaligen Verhältnisse zu verstehen.
Und ich darf also meine Meinung weiterhin mit Überzeugung vertreten, dass das Spiegeln eines Bildes eine schlechte Mode aus vergangenen Zeiten ist.
Das Thema mit dem Beschneiden von quadratischen Bildern schätze ich als weniger dramatisch ein.
Schnee ist nicht weiss
Eine der grundlegenden Fotoregeln lautet: Im Schnee überbelichten, damit das Weiss wirklich weiss wird.
Doch dass Schnee auf Fotos nicht blendend weiss sein muss, zeigt das Titelbild vom «Das Magazin» 06/2008.

Hier wird weisse Schrift auf Schnee gesetzt und sie hebt sich noch gut lesbar vom Untergrund ab. «Der weisse Tod» wird grafisch zum mittleren Grau.
Ich fand das bemerkenswert.
Bildlegenden – Ich sehe etwas, was du nicht siehst
In Zeitungen und Zeitschriften kommen Bilder meist nicht ohne Worte aus. Vom Bild geht der Blick häufig auf die Bildlegende – eine der meistgelesenen Textsorten im Journalismus.
Um zu verstehen, was die Bedeutung der Bildlegende ist, hat mir seit der Journalismusausbildung das vielerlei interpretierbare Sprichwort «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte» geholfen. Weil gerade ein Bild viel und für jeden Betrachter etwas anderes sagt, braucht es den Text, der die Bedeutung einschränkt und auf den Sinn der journalistischen Geschichte lenkt.
So erfüllt die Bildlegende die Funktion als Mittler zwischen Bild und Artikel mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen.
Eine andere Redewendung beschreibt die Situation von Bild und Text auch gut: «Ich sehe etwas, was du nicht siehst». Wie im Kinderspiel greift die Bildlegende ein Merkmal des Bildes heraus, das für die Geschichte wichtig ist.
Gefunden habe ich diese Interpretation der Bildlegende Kursausschreibung der MAZ Journalistenschule zu dieser Textsorte.
Internet-Briefing: Keine Angst vor dem Kunden
Ich bin am Anlass «User Generated Content» – Keine Angst vor dem Kunden von Internet-Briefing.ch bei der NZZ an der Falkenstrasse. Ich werde jetzt dann – so gut es geht – live bloggen.
Die Themen und Redner
- Online-Kommentare – mehr als Leserbriefe 2.0. Peter Hogenkamp, Geschäftsführer Blogwerk
- Facts 2.0: Experimente mit News und Lesern. Christoph Lüscher, Geschäftsführer PartnerWinner von TA-Media und Projektleiter von Facts 2.0
- Umgang mit Leserkommentaren. Urs Holderegger, Nachrichtenchef NZZ
- User Generated Content – Wenn Kunden plötzlich meine Produkte beurteilen. Roland Zeller, Geschäftsführer von travel.ch
Reto Hartinger eröffnet Anlass: Webseiten sind heute einfach zu bauen. Was nicht einfach gebaut werden kann, ist das, was die Benutzer beisteuern.
Los legt Roland Zeller.
Die alte Reisewelt
- Diverse Experten filterten Angebot.
Die neue Reisewelt
- Kunde kann selbst auf diversen Websites Informationen finden und Hotels buchen. Doch stimmen die Bewertungen, die im Internet zu finden sind? (Siehe Bericht im Internet-Briefing Blog.)
Kundenkommentare haben wesentlichen Einfluss auf Kaufentscheidung. (Der Bereich «Reisen» ist auch hoch bewertet in der Untersuchung zum «Vertrauen 2.0» vom GDI.)
Was gibt es schon an Besucher-Reviews im Internet als Partner?
- tripadvisor.com – bestehendes Portal, englischsprachig
- holidaycheck.de – eher Konkurrent als Partner
Eigenentwicklung travel.ch: Eigene Bewertungen, eigener Content, eigenes Notensystem.
Hotelgäste schreiben Kommentare zu ihren Aufenthalten. Oft wird an Details rumgemäkelt.
Über 40% Rücklauf: Hotelbesucher erhalten E-Mail mit Link zum Bewerten. Nur sie können Kommentar schreiben.
Besucherbewertungen beeinflussen die Anzeige der Suchresultate. Die Früheren «Tipps» von den Betreibern wurden damit ersetzt.
Künftig sollen auch Fluggesellschaften und Gruppenreisen bewertet werden können.
Neues Portal ab Frühling 2008: travelfeedback.com mit Maps, Fotos, Bewertungen u.s.w.
Jetzt spricht Peter Hogenkamp über «Leserbriefe 2.0».
Blogwerk ist ein Netzwerk mit 20 Autoren, die fürs Bloggen Geld kriegen. 5. Blog im Werk kommt bald: fraulich.com.
Blogwerk wächst. Es funktioniert, es wird kommentiert: Rund 3 Kommentare auf einen Beitrag im Durchschnitt.
Foren: Seit Anfang des Internets. Alle können schreiben, aber niemand tut’s.
Blogs: Nur einer (oder eine Gruppe) schreibt, alle können kommentieren. Und Kommentare werden genutzt, auch zum Gratulieren zum Geburtstag.
Geringstmögliche Hürde zum Kommentieren. Das Kommentarfeld ist standardisiert und «kulturell» verständlich.
Blogger kommentieren untereinander anders als Nicht-Blogger. Peter erklärt Trackbacks.
Heute lesen immer mehr Leute Blogs, die selber kein Blog haben. Kommentare verändern sich deshalb.
Kommentare sind wichtig für die schnelle Verbreitung von Geschichten im Internet.
Top 6 Kommentarkiller
- Registrationszwang
- Real-Name-Zwang
- Kommentare löschen
- Kommentare nicht beantworten. Nicht zwingend jeden. Aber das Gespräch führen.
- Korrekturen im Beitrag nicht vornehmen.
- Kommentare falsch beantworten: scharf reagieren, sich lustig machen.
Sind Kommentare nun «Leserbriefe 2.0»?
- Nicht alle Themen ziehen Kommentare an.
- Kommentare müssen gefördert werden.
- Viel und viel sinnvolles in den Kommentaren (Kommentare aufgreifen und daraus neuer Eintrag machen)
- Kommentatoren sind mächtig.
- «Schere im Kopf». Beim Bloggen schon an die möglichen Kommentaren denken. Oft auch anstrengend, sich den Kommentaren auszusetzen.
Blogwerk bereitet ein Jahrbuch vor.
Problem der Darstellung von Kommentare: Möglicherweise sind auch zu viele Kommentare ein Kommentarkiller.
Jetzt kommt Urs Holderegger. Es geht um Leserkommentare auf NZZ.ch. Seit Juli 2007 neues NZZ-Online-Portal.
NZZ wollte nicht mehr nur Einweg-Kommunikation. Allerdings: keine Anonymität, also nur mit dem Real-Name kommentieren. NZZ will auch den eigenen Brand schützen. Vermieden werden sollte auch Ping-Pong zwischen einzelnen Kommentatoren.
Redaktion kann in einem Moderationstool im CMS Kommentare ablehnen oder zulassen. Seit 6. Juli 2007 10 000 Kommentare angenommen, 35000 Kommentare abgelehnt. Ablehnung weil keine Substanz oder Verletzend oder viele Schreibfehler. «Im Zweifelsfall restriktiv» – aus Rücksicht auf die Leserschaft.
Alle Redaktoren, je nach Dienst, moderieren Kommentare. Gratwanderung. Absicht, die Meinungsvielfalt in den Kommentare widerzuspiegeln.
Unterschied zum Print (Leserbriefe): Holderegger findet, die klassischen Leserbriefe seien substanzieller, länger und sorgfältiger geschrieben als online. Online dafür anderes Publikum, viele Kommentatoren aus dem Ausland zu internationalen Themen.
Noch keine Zahlen, die eine stärkere Leserbindung belegen würden. Vorteil: Redaktion reagiert auf Leserkommentare zum Teil mit neuen Artikeln. Nachteil: hoher zeitlicher Aufwand für die Redaktion.
Registrierung soll eingeführt werden (siehe Kommentarkiller oben).
Siehe auch:
Reto Hartinger im Binternet-Briefing Blog zu Kommentaren bei NZZ-Online.
Nach der Pause kommt jetzt Christoph Lüscher von Facts 2.0.
«Frühstück 1.0»: Beschränkte Zahl von Zeitungen.
«Frühstück 2.0»: Die gleichen Zeitungen online lesen. Überblick ist nicht mehr leicht zu behalten.
Facts 2.0 will den Überblick vereinfachen. Mischung von News aus Online-Medien, Blogs und eigene Artikel.
«Der Nachrichtenradar». Wie auch in Print: man entdeckt Geschichten.
«Metamedium». Meinung und Hintergrund.
Community und Interaktivität ist zentral. Jede Aktion der Nutzer beeinflusst die Bewertung der Nachrichten (allerdings nicht transparent). Ziel ist eine ernsthafte Diskussion. Deshalb Anmeldung und Bestätigung. Starke Betreuung der Community durch aktive Teilnahme der Administratoren. Endprodukt soll nicht nur für eingeweihte lesbar sein.
61’000 Besucher im November 2007. Offenbar wird Facts 2.0 als Medium genutzt. Knapp 300 Quellen. Ein Eintrag mit 66 Kommentaren mit substanzieller Diskussion. Geschätzt werden die langen Hintergrundberichte.
Funktion, dass jeder einen Artikel schreiben könnte, wird kaum genutzt. Überhaupt werden «Web 2.0»-Anwendung wenig genutzt und sind noch recht unbekannt.
Erkenntnisse:
- Selber Engagement zeigen und an der Cummunity teilnehmen
- Auf Nutzer eingehen, offen und ehrlich sein
- «Ein Bisschen Community» gibt es nicht – es sind Menschen betroffen
- Gleichgewicht zwischen Nutzeraktivitäten und redaktionellen Ansprüchen finden
- Erstaunlich, dass nicht mehr Leute kommen, zum Beispiel von einer Sekte, und ihre Meinung schreiben
«Auf der Suche nach Masse haben die Verlage den Mainstream-Medien alle (Meinungs-)Ecken und (Hintergrund-)Kanten geschliffen.» Der Versuch «Facts 2.0» wurde honoriert, weit über das eigentliche Projekt hinaus.
Die Diskussion kommt nicht vom Thema «Facts 2.0» weg. Christoph Lüscher spricht wichtige Fragen zum Medienmarkt der Zukunft an. Aber das grössere Thema – «Keine Angst vor dem Kunden» – geht irgendwie unter.
Ist der Begriff «Blog» negativ besetzt?
In einem Gespräch fand ich heraus, dass ein Kollege mit dem Begriff «Blog» negative Erfahrungen verbindet. Die meisten meiner Versuche, Blogs zu erklären, vermochten an dieser Einstellung nichts zu ändern. Nur einige wenige Argumente – dies gestand er ein – waren für ihn annehmbar und brachten ihn zum Nachdenken. Es waren die Argumente, die von seinen praktischen Bedürfnissen ausgingen.
Stimmt es, dass der Begriff «Blog» bei vielen Leuten negative Reaktionen auslöst?
Seit vielen Jahren werden in den Medien Blogs häufig als belanglose Tagebücher, als das Werk von asozialen Pyjama-Publizisten oder als Mittel zu Gewaltaufrufen dargestellt. Dieses Bild wird durch immer neue Beispiele genährt. Niveauloses findet sich leicht.
Oder die Frustration wächst, wenn ein Suchmaschinenresultat auf ein Blog verweist, auf dem ein Schreiber aber nur verkehrtes und blödes über ein Thema schreibt. Das ist verlorene Zeit und die Suche muss von vorn beginnen.
Mit welchen Argumenten lassen sich die Nutzen von Blogs verständlich machen?
Ansetzen lässt sich bei den praktischen Bedürfnissen.
- Es ist eine Tatsache, dass die Leute sich mitteilen wollen: Eine Person stellt ihr Hobby vor, eine Firma ihre Angebote, ein Team seine Ergebnisse. Sie alle suchen nach einem Weg, um ihre Inhalte einfach zu publizieren.
- Ein Blog ist ein Werkzeug um einfach Webseiten zu erstellen. Auf diesen Seiten lassen sich auch Word-Dokumente und Präsentationen ablegen oder Bilder und Filme zeigen.
- So ist ein Blog ein leicht zugänglicher Ort um diese Informationen schliesslich abzurufen, wenn sie gebraucht werden.
Was es über Blogs zu sagen gibt, endet hier natürlich noch lange nicht. Aber vielleicht können diese Argumente einmal ein Fundament legen, auf dem man sich einig ist, dass es ums Schreiben und Lesen im Web geht.
Siehe auch:
WeblogFAQ – Was ist ein Weblog?
Richtige Fotos von Handykameras
(Dieser Beitrag kann als Fortsetzung des vorherigen verstanden werden.)
Ebenfalls in der Maiausgabe schreibt die Zeitschrift «anthrazit» von Mobiltelefonen mit Kamera.
Im erklärenden Text gibt sich der Redaktor aber sehr zurückhaltend. Eigentlich eine noble Haltung: Man will die Ottonormalnutzer, an die sich die Zeitschrift richtet, nicht mit dem maximal Machbaren überfordern. Hier aber redet man den Kamerahandybesitzern fast schon kategorisch aus, von den Bildern echte Fotoabzüge auf Papier machen zu lassen.
Auf Papier lassen sich die Fotos [von Kamerahandys] aber nicht bringen. (…) Die Auflösung vieler Handykameras ist zu klein, als dass die Bilder auf Papier glänzen könnten. (…) Wer Bilder auf Papier bringen möchte, benötigt eine Kamera mit midestens 1 Megapixel Auflösung.
«anthrazit» fährt fort und erklärt, 1 Megapixel entspräche der XGA-Auflösung von 1152 x 864 Pixeln. Aus Bildern mit dieser Auflösung liessen sich Fotos von maximal 9 x 7 Zentimeter ausgeben. Das ist, wie ich finde, sehr pesimistisch.
640 x 480 Pixel (VGA) reichen aus für ein Foto im Format 11 x 15 Zentimer. Das ist das kleinste erhältliche Format bei den meisten Labors. Eine Grafik von colormailer.ch bestätigt dies, ebenso wie meine Erfahrung. Zugegeben – das ist wirklich unterste Stufe der Machbarkeit.
Auf derselben Seite der «anthrazit», auf der steht, es gäbe «noch nicht allzu viele Kamerahandys, die eine Auflösung von mehr als 1 Megapixel anbieten», werden allerdings vier Mobiltelefone mit 3 Megapixeln und mehr beschrieben. Und im gesponsorten Teil wirbt Motorola für ein 2-Megapixel-Handy mit dem Satz: «Die Kamera in neuen Mobiltelefonen leistet so viel wie früher nur hochgezüchtete Digitalkameras».
In diesem Umfeld wirkt es etwas mutlos, Fotoabzüge von Handykamera-Bildern als praktisch unmöglich abzuschreiben. Ich würde raten: Lasst richtige Fotos von der Handykamera machen!
Unbenutzbare Bänke [Update]
Bei Regen werden auch die gedeckten Sitzbänke der neuen Bushaltestelle beim Bahnhof Altstetten nass.
Das Regenwasser sammelt sich auf dem Teil der Sitzbank, der nicht überdeckt ist. Von dort läuft das Wasser über die ganze Bank. Auch unter dem Dach lässt es sich nicht im Trockenen sitzen.
Das ist bedauerlich. Denn sonst macht sich, finde ich, das langgezogene Dach und der neugestaltete Platz gut. Erst vor wenigen Wochen ist der neue Altstetterplatz eingeweiht worden. Der Artikel im Quartierblatt ist mir damals aufgefallen, weil er viele negative Meinungen wiedergab. Ich bekam den Eindruck, dass über alles Neue zuerst einmal lautstark genörgelt wird. Genauso wie es bei der Bahnhofstrassebeleuchtung war.
Nun äussere auch ich einen Mangel. Er ist mir heute aufgefallen, weil ich mich gerne gesetzt hätte. Doch leider sind die Bänke so bei Regen unbenutzbar.
[Update, 28.04.2006] Heute schreibt mir per E-Mail das Architektur-Büro, das für die Bänke verantwortlich ist, das Problem sei erkannt. «Wir werden eine Lösung finden!» Das freut mich.
Ein schönes Beispiel, wie Meinungen von Konsumenten in Blogs die Produktentwicklung beeinflussen können. :-)
Samstags-Gummi-Journalismus
Im «Magazin» vom letzten Samstag schreibt der Journalist Guido Mingels über 15 Jahre Internet. Er stellt Fragen zur Bedeutung auch von Weblogs und kommt zum Schluss, dass das Internet unser Leben höchstens ein bisschen verändert hat.
Peter Hogenkamp und Robert Stark haben dem Journalisten geschrieben und sind nun eingeladen worden, einen Leserbrief zu schreiben.
Damit auch andere ihre Meinung einbringen können, haben sie eine Wiki-Seite eingerichtet: http://nutzbar.jot.com.
Dort habe ich auch einen Kommentar hinterlassen:
Blogs sind damit zwar eine – willkommene – Ergänzung zu den traditionellen Massenmedien, aber sie können kein Ersatz für sie sein.Ein Satz wie dieser ist ja gar nicht so daneben. Ich kann ihm eigentlich zustimmen. Allerdings verneint er einfach etwas, was man nie erwarten würden. Damit wird er schwach und harmlos.
Mir scheint das typisch für den Samstags-Magazin-Journalismus. Es wird ein Thema aufgegriffen, das durchaus kontrovers ist. Es werden offensichtliche, oberflächliche und banale Aussagen zusammengesammelt und in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit aneinander gereiht. Man kann zu jeden Thema alles und nichts sagen.
Nach dem Lesen bleibt Ratlosigkeit zurück. So ging es mir bei diesem Artikel. “So what.” Mich reizt es auch gar nicht gross, auf den Artikel zu reagieren. Guido Mingels wirbelt ein bisschen Staub auf. Was er sagt, kann mich aber kaum aufregen.
Mich erstaunt es nur, das dieser Journalismus am Samstag bei so vielen Leuten so gut ankommt.
Trotzdem finde ich die Blogbeiträge von Robert und Peter gut und richtig:
Robert Stark: Internet: die totale Abrechnung.
Peter Hogenkamp: Leben mit dem Tagi-Magi. Eine Zwischenbilanz.
Jürg Stuker: Der Preisträger der keiner war: Guido Mingels.
Weblog-Artikel von einem Blogger
In einem Kommentar im The Blog.ch.Blog habe ich mir einen Zeitungsartikel über Weblogs von einem Blogger gewünscht.
Erst später habe ich realisiert, dass es so einen vor rund zwei Wochen gab: Marc Baumann schrieb im CASH.
Der Artikel ist in der sehr persönlichen (und eher unjournalistischen) Ich-Form geschrieben. Marc Baumann beschreibt, was er als Weblog-Leser und -Verfasser genau macht und welchen Nutzen er daraus zieht.
Blogs sind für mich unerschöpfliche Ressourcen von Informationen, Meinungen, themenvertiefenden Weiterverweisen und Überblicken zum weltweiten Tagesgeschehen sowie fachspezifischen Neuigkeiten zu jedem beliebigen Thema, wie ich es sonst nirgendwo finde.
In diesem Fall macht es nichts aus, wenn viel von den USA die Rede ist, denn Baumann spricht von realen Weblogerlebnissen, die mehr mit der Techologie und seinen Möglichkeiten zu tun haben, als mit dem politischen oder medialen Umfeld.
Später im Artikel kommt der Hinweis auf die Schweizer Blogs «in Kinderschuhen». Und Einiges zu «erfolgreichen Unternehmens-Blogs».
Das obige Zitat umschreibt meiner Meinung nach sehr genau eine wesentliche Stärke von Weblogs. Es gibt noch andere. Diese bei weitem nicht belanglosen Vorzüge von Blogs müssten von Journalisten vermehrt herausgehoben werden.
[Update, 05. Juli] Beatrice erinnert an einen Artikel in der «Weltwoche» von Katharina Borchert alias lyssas-lounge.
Und mir ist der Berner Zeitungsblogger in den Sinn gekommen, der wöchentlich eine Kolumne in der «Berner Zeitung» schreibt.
Zudem ruft Roger Blogger auf, 5000 Zeichen übers Bloggen zu schreiben. Eine Idee, die ich unterstützen will.
In Deutschland haben sie Mario Sixtus, der als Blogger über Weblogs schreibt und über Social Software.
Kommunikationskritiker
Auf der Seite Rhetorik.ch Aktuell
wirft Marcus Knill einen Blick auf Beispiele aus der Kommunikationspraxis.
Im aktuellen Beitrag betrachtet er Jürg Marquards Kritikfähigkeit:
Hätte Jürg Marquard aufgrund des Auftrittes im Zischtigclub beurteilt werden müssen, ob er selbst zu einen Traumjob tauge, wäre ihm aufgrund seines Verhaltens gewiss eine Absage erteilt worden. Er wäre mit den üblichen Worten entlassen worden: Sie verstehen gewiss, dass wir Sie nicht brauchen können. Sie können leider noch nicht mit Kritik umgehen!
Im Beitrag vom 23. Juni wird die Krisenkommunikation bei der SBB-Panne
analysiert.
Seit dem Jahr 2000 sind über 500 Beiträge zusammengekommen. Interessante Quelle. Und via RSS-Feed kann man sich über neue Artikel informieren lassen.
Auf die Site gestossen bin ich via ein Bookmark, das ich vor langem abgelegt hatte, zum Thema Präsentationen.
Was ist Erfolg für einen Blogger?
In der NZZ am Sonntag ist heute ein Artikel über Weblogs mit dem Titel So wird die Welt aus den Angeln gebloggt
zu lesen.
Die Journalistin Larissa Bieler ist auf der sicheren Seite, weil sie alle die Geschichten aus den USA erzählt (Rather, Jordan, 11. September, US-Wahlen), die schon 100-mal wiederholt wurden und einen Artikel über Weblogs sicher gelingen lassen.
Aussagen, die mir nicht gefallen:
- Die Schweizer Blogger schlafen noch.
- Die grosse Masse erlangt weder Bekanntheit noch Kultstatus (als sei dies das erklärte Ziel).
- In Europa feiert die Blogosphäre erste Erfolge (was ist ein
Erfolg
?) - Die deutschsprache Blogosphäre kann von lebhaften Zuständen nur träumen.
- In Schweizer Blogs herrscht Stille im Hinblick auf die Abstimmungen vom 5. Juni.
- Die Frage, ob die Schweizer langweilig seien.
Der Artikel suggeriert, die Blogger wollten einzig die Medien oder die Politik herausfordern, Massen mobilisieren, die Welt umkehren. Gelingt ein Coup, dann sollte das ein Erfolg für die Blogger sein.
Ich sehe die Erfolge von Weblogs und Bloggern anders:
- Das Internet als Lese/Schreib-Medium ist mit den Weblogs Wirklichkeit geworden.
- Blogger organisieren Wissen auf ihre Weise. Es wird nicht von oben vorgegeben.
- Blogger knüpfen soziale Netze und finden neue Bekanntschaften.
Das ist schon etwas. Und ich selber gewinne viel daraus.
Was ist Skypecasting? [Update]
Die Ausganslage für den Artikel «Selbst ist die Radioprogramm-Chefin» in der heutigen «Sonntagszeitung» über Skypecasting war mir überhaupt nicht klar. Da heisst es:
Bislang brauchte man spezielle Software, um sich die Amateur-Radioshows [Podcasts] aus dem Netz auf den heimischen MP3-Player zu ziehen. Findige Nutzer wollen das jetzt noch einfacher machen und Podcasting mit dem beliebten Internettelefonprogramm Skype kombinieren. Das Ergebnis sind so genannte Skypecasts.
Das würde heissen, dass Podcast mit Hilfe eines «Podcatching»-Clients wie zum Beispiel iPodder weniger leicht zu beziehen sind als Skypecasts über Skype. Nun, das kann ich nicht so recht glauben. Allerdings kann ich mir auch nicht vorstellen, wie das mit Skype funktionieren sollte und was die Vorteile wären. Und ehrlich gesagt, habe ich überhaupt noch nie etwas von Skypecasting gehört.
Wenig Verständnis für die Grundannahme des Artikels hatte auch Tanja Dankner vom swisspodcast, die vom Journalisten zum Thema befragt wurde. Wie sie auf die Frage reagierte, ist im Artikel so zitiert: Ich denke, das wäre auf jeden Fall möglich.
Die ganze hilflose Antwort ist im Interview mit dem Journalisten im swisspodcast Nr. 7 zu hören.
Zwar führt Tanja für den swisspodcast via Skype Interviews und das kommt auch sehr gut rüber. Was im Artikel als Skypecasting bezeichnet wird, scheint aber auch Tanja völlig neu gewesen zu sein.
Doch dann lässt der Journalist die Katze doch noch aus dem Sack und verrät uns etwas über die Herkunft des Skypecastings. Der US-Journalist Stuart Henshall habe die Idee dazu gehabt. Und weil Skype die Schnittstellen zu seinem Programm kürzlich offen gelegt hätte, dürften bald Anwendungen auftauchen, die die Verbreitung von Podcasts über das Internettelefonienetzwerk möglich machten.
Schaut man sich Stuart Henshalls Anleitung zum Skypecasting nun aber an, geht es da einzig um die Beschreibung, wie Skype-Konferenzschaltungen auf dem PC aufgezeichnet werden können. Doch weil das nicht immer ganz so einfach ist, haben viele Podcaster ihre eigene Lösung gesucht und gefunden. Tanja und ihr Partner Gustavo zeichnen die Skype-Calls via Audio-Kabel mit einem iRiver-MP3-Player auf, wie Tanja im Interview verrät. Danach wird die MP3-Datei wohl wieder auf den Computer transferiert um dann der Podcast zusammenzustellt.
Jetzt frage ich mich also immernoch, woher der Journalist das mit der Podcast-Verbreitung via Skype hat. Vielleicht aus einem weiteren Beitrag auf Henshalls Weblog. Darin beschreibt dieser, wie bei Anruf über Skype Musik von seinem iPod zu hören ist. Das «Experiment» hat Henshall wieder abgebrochen. Und mir fällt auf, dass der entsprechende Beitrag nicht einen einzigen Kommentar bekommen hat.
[Update: präziserer Schluss] Wenn Skypecasting nun also einfach als Podcast-Interviews aufnehmen mit Skype verstanden wird, dann ist das wohl nicht diesen Hype wert, denn das ist etwas, was selbstverständlich praktisch ist und längst genutzt wird. Sollte mit Skypecasting allerdings tatsächlich eine neue Form der Verbreitung als Konkurrenz zum Podcasting über RSS-Feeds gemeint sein, dann will ich das mal sehen und hören. Wie es scheint wurde hier etwas in einen neuen Begriff hinein interpretiert, was gar nicht stattfindet.
Siehe auch:
Skypecasting?
von Janko Röttgers, Mix, Burn & R.I.P., und den dort verlinkten Artikel bei CNET VoIP calls get podcast treatment
.
Die Entstehung eines Artikels für eine Zeitung/Zeitschrift
Dies ist die Antwort auf eine Anfrage, in der ich um Informationen über die Entstehung eines Artikels für eine Zeitung/Zeitschrift
gebeten werde.
Bevor ich mit dem Schreiben anfange, gehe ich diese Punkte durch.
- Ich muss wissen, was für eine Geschichte ich erzählen werde. Und wie das für jede gute Geschichte gilt, muss ich sie in einem Satz zusammenfassen können.
- Ich muss genügend und das treffende Material vorhanden haben, um die ganze Geschichte erzählen zu können. Ich gehe meine Notizen durch und falls eine Lücke besteht, muss ich weiter recherchieren.
- Ich muss mir überlegen, welche Personen zu welchem Zeitpunkt auftreten. Wie in einer guten Geschichte gibt es Haupt- und Nebenfiguren. Ich skizziere den Aufbau des Artikels.
Jetzt fange ich zu schreiben an.
- «Der erste Satz soll ein Paukenschlag sein.» Er muss möglichst viele Leserinnen und Leser ansprechen können. Deshalb kann es auch eine allgemeine Aussage sein, die danach sofort auf die Geschichte abgelenkt wird.
- Schreiben und Überarbeiten wechseln sich ab. Ich schreibe die Geschichte Stück für Stück. Dazwischen lese und korrigiere ich jeweils den vorhergehenden Abschnitt.
- Am Ende kommt die Abrundung. Mit dem letzten Absatz muss ich versuchen, die Geschichte so abzuschliessen, dass aus dem Text keine Frage übrig bleibt.
Zum Schluss hilft mir der «Partitur-Test» von Daniel Perrin. Ich lese meine Geschichte durch und versuche sie wie ein Musikstück erklingen zu lassen. Stimmt der Einsatz der Stimmen? Kommt keine zu spät? Ist keine zu laut? Sind keine Störstimmen da?
Endlich Chefredaktor!
Die impressum-Mitgliederzeitung journalisten.ch brichtet unter dem Übertitel Neue Möglichkeiten des Web-Journalismus
über Weblogs. Vorgestellt wird Michael Genova, Betreiber von Dienstraum.com.
Der Artikel Endlich Chefredaktor!
von Sandra Olar ist umfassend und eine gute Bestandesaufnahme der Weblog-Journalismus-Debatte. Doch hat sich im Lead leider der klassische Fehler eingeschlichen: Es heisst «das Weblog» nicht «der Weblog».
2004: Jahr der Weblogs
Why 2004 was the year of the blog
, fragt BBC Technology und stellt fest, dass in diesem Jahr die Weblogs den Durchbruch geschafft und das Mediengeschehen beeinflusst haben.
Ich verkündete vor einem Jahr schon den Durchbruch der Weblogs und RSS-Feeds
. Die Redaktion der «Digital»-Seiten des «Tages-Anzeigers» rief die Leserschaft auf, ihre Tops und Flops des Jahres mitzuteilen.
Weblogs sind Ausdruck einer beinahe grenzenlosen Meinungsfreiheit. Die Beiträge von Millionen von Bloggern werden über die RSS-Technologie von spezialisierten Suchmaschinen wie Feedster.com erfasst. RSS-Feeds werden von Desktop-Programmen gelesen und zeigen eine Inhaltsübersicht von mehreren Websites an.
Das Surfen im WWW erhält durch Weblogs eine neue Dimension. Schnell und übersichtlich lassen sich Fachbeiträge austauschen, Diskussionen mitverfolgen und Freundschaften pflegen. Es wurde schon spekuliert, Weblogs und RSS-Feeds könnten die E-Mails ablösen.
So weitsichtig war ich vor einem Jahr. Der «Tagi» erwähnte mein Top 2003 nicht. In den Medien findet der Weblog-Erfolg also erst in diesem Jahr statt.
Update: Der Artikel bei BBC Technologie wurde umbenannt und heisst jetzt ‘Blog’ picked as word of the year
.
Schreiben filmen
Als ich als Nachrichtenredaktor bei einer TV-Station arbeitete, filmte einmal eine Studentin der Universität Bern wie ich schreibe. Sie tat dies für eine Studie, die das Entstehen von journalistischen Texten untersuchen sollte. Wie texten Profis in der Praxis? Wie entsteht ein journalistischer Text?
Die Forscherin stellte eine Videokamera auf ein Stativ und filmte so den Bildschirm ab. Einfacher geht so etwas mit Programmen, die den Bildschirm und alle Aktivitäten als Film auf die Festplatte aufnehmen.
Und das will ich hier einmal demonstrieren. Zum Einsatz kommt die Mac OS X Shareware Screen Movie Recorder. Der damit aufgezeichnete Bildschirmfilm zeigt das Entstehen des Titels dieses Beitrags.
Film ansehen: Schreiben filmen (QuickTime, 517 KB, 27 Sekunden)
Die Berner «Forschungsstelle für Berufliches Schreiben FBS» führte zwischen 1997 und 1999 Fallstudien auf 17 Schweizer Nachrichtenredaktionen durch und untersuchte, «wie sich die Arbeitssituation, die individuellen Strategien der Kommunikatoren und der Schreibprozess auswirken auf den fertigen Text».
Resultate dieser Forschung sind in das Buch «Schreiben ohne Reibungsverlust: Schreibcoaching für Profis» von Daniel Perrin eingeflossen. Als Beispiel für eine Progressionsanalyse wird gezeigt, wie der Titel einer Zeitungsnachricht entsteht. Dokumentiert sind neun Schritte zur fertigen Überschrift zu einem Tages-Anzeiger-Bericht über die Untersuchungen zum Absturtz einer Swissair-MD-11 (1998).
Einfluss der Weblogs auf den Journalismus
Journalisten und Blogger sind keine Konkurenz, schreibt Jeff Jarvis in der «Netzeitung» und gibt der Weblog vs. Journalismus-Debatte einen versöhnlichen Dreh (via plasticthinking).
Dass Inhalte aus Weblogs News für traditionelle Medien sind, bewies die Geschichte mit dem rätselhaften Falt in Präsident Bushs Jacket.
Mir scheint, Zeitungen übernehmen auch Formen aus den Weblogs. Mir fiel heute im «Tages-Anzeiger» der folgende Artikel auf:
Längere Zitate werden nicht in den Text verflochten sondern als eigenständige Blöcke mit Einzug wiedergegeben. Etwa wie in Weblogs mit Hilfe des HTML-Tags blockquote. So etwas hat man traditionellerweise selten gesehen.
Nicht bloss Meinung – mehr noch Argumente
Deutschsprachige Blogger sollten mehr ihre politische Meinung sagen, findet Nico Lumma. «Versteckt Euch nicht hinter Zitate, sagt Eure Meinungen zu den Themen der Zeit!» Es geht um die Mitgestaltung unserer Demokratien. In Weblogs haben wir ausgezeichnete Mittel, unsere Meinung in Freiheit zu äussern. Wir nehmen damit aktiv an Wahl- oder Abstimmungskampf teil (siehe auch bei Tim Bruysten).
Ich finde: Mehr noch als an Meinung mangelt es an Argumenten. Meinung kann man da und dort doch immer wieder lesen. Zudem drängt uns via Medien auch die Cervelatprominenz seine Meinung auf. Strassenumfragen fangen die Meinung von Menschen wie du und ich ein. Was aber sollen uns diese unkontrollierten Meinungsäusserungen nützen?
Für die eigene Meinungsbildung braucht es Argumente. Doch die sind leider nicht so leicht zu formulieren. Sie erfordern Hintergrundwissen, Detailkenntnisse. Wir – wohl die meisten Teilnehmer an unseren modernen Demokratien – sind aber zumeist nicht in der Lage, Argumente zu liefern. Weil das Argumentieren zu den höheren publizistischen Künsten gehört, sind wirklich hilfreiche Meinungstexte selten. Wer sollte diese schreiben? In den Verlagen wird gespart. Politiker profilieren sich öfter durch Polemik.
Für Blogger ist es umso schwieriger, gute Meinungstexte zu schreiben. Der Anspruch ist sehr hoch. Wenn wir es jedoch versuchen, zu unserer Meinung jeweils ein Argument zu nennen, leisten wir schon einen wesentlichen Beitrag zur Meinungsbildung anderer.
Petrus ist ein Raver
Ich kann es nicht beweisen, aber ich würde darauf wetten, dass der Spruch «Petrus ist ein Raver» heute auf diversen Radio- und TV-Sendern in den Berichten zur Zürcher Street Parade zu hören war.
Top 2003: Durchbruch der Weblogs und RSS-Feeds
Die «Digital»-Redaktion bittet die Leserschaft, ihre Tops und Flops des Jahres 2003 mitzuteilen. Hier mein Beitrag:
Durchbruch der Weblogs und RSS-Feeds
Weblogs – die individuellen Internettagebücher – haben in diesem Jahr den Durchbruch geschafft. Weblogs haben die bisherigen persönlichen Homepages abgelöst und auch im kommerziellen Bereich Fuss gefasst. In ihnen setzt sich ein neues Verständnis von Webdesign durch – schlichte Gestaltung und dynamische Inhalte.Weblogs sind Ausdruck einer beinahe grenzenlosen Meinungsfreiheit. Die Beiträge von Millionen von Bloggern werden über die RSS-Technologie von spezialisierten Suchmaschinen wie Feedster.com erfasst. RSS-Feeds werden von Desktop-Programmen gelesen und zeigen eine Inhaltsübersicht von mehreren Websites an.
Das Surfen im WWW erhält durch Weblogs eine neue Dimension. Schnell und übersichtlich lassen sich Fachbeiträge austauschen, Diskussionen mitverfolgen und Freundschaften pflegen. Es wurde schon spekuliert, Weblogs und RSS-Feeds könnten die E-Mails ablösen.
Weblog-Services wie blogger.com, twoday.net oder 20six.de haben das Bloggen populär und erschwinglich gemacht. Für Web-Bastler bieten die weitverbreiteten Hostingangebote mit PHP und MySQL die idealen Voraussetzungen für ein eigenes Weblog.
Die lebendigen Websites stellen eine mächtige Alternative zu den etablierten Homepages dar. Die Verbreitung der Weblogs wird sich weiter fortsetzen.
Mein Flop 2003: Die MMS-Bearbeitung auf orange.ch, weil der Service schlicht nicht funktioniert.
«Internet» als Quelle für Journalisten
Der Journi recherchiert zum Thema Haschisch rauchen. In die Suchmaschine gibt er «Cannabis» ein. Das Resultat: 1,7 Millionen Treffer.
Den Leserinnen und Lesern teilt er (im «Magazin» vom Samstag) mit:
… Studien kann man im Internet auf vielen der 1,7 Millionen Seiten zum Suchbegriff «Cannabis» nachlesen.
Was soll uns diese Information sagen? Bedeuten viele Suchmaschinen-Treffer etwa zwingend hohe Relevanz? Und wie sucht der Journalist überhaupt?
Mit dieser Suchabfrage findet niemand brauchbare Informationen. Lesen Sie mein Tutorial: Suchmaschinen benutzen. Verwenden Sie als Suchabfrage mehrere Wörter. Grenzen Sie die Suchbegriffe ein. Zum Beispiel: Cannabis Gesundheit Studien.




