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35mm-Film in 126er-Kamera
Eine kleine Umspularbeit im Wechselsack — ein großes Ereignis für meine Kamerasammlung: ich habe einen 35mm-Kleinbildfilm in der 126er-Film-Kamera CLIK-O MAT belichtet.
Idee und Anleitung habe ich von Jason Muspratts 35mm in 126 (inkl. Youtube-Video) übernommen. Den Lichteinfall auf jedem Foto in der Mitte könnte ich mit besserem Abkleben beim nächsten Mal sicher noch verhindern.
Der CLIK-O MAT ist eine Einfachst-Knippse aus den 70er-Jahren. Lange überlegte ich mir, eine Original-126-Film-Kassette in ihr zu belichten von der offenbar noch einzigen erhältlichen Marke Solaris.
Der Weg mit einer alten 126er-Film-Kassette aus dem Brockenhaus und obiger Anleitung im Web lag mir dann aber näher.
Dass ich mich an dieses Experiment machte, hat auch damit zu tun, dass ich mir einen Wechselsack kaufte. Dieser erlaubt es mir, auch ohne Dunkelkammer mit Film zu manipulieren. Und führt mich auch meinem Ziel näher, meine Schwarzweissfilme selber zu entwickeln. … Schon bald ist das so weit.
Unermüdliches Sehen
Anfang August ging ich auf einen zweitägigen Ausflug auf den Gotthardpass. Jetzt, da alle meine Fotos, die ich dort aufgenommen habe, entwickelt, bearbeitet und auf Flickr erschienen sind, möchte ich drei persönliche Beobachtungen dazu festhalten.
- Auf seltene Art selbstvergessen absichtslos und zugleich unermüdlich wanderte ich auf dem Gotthardpass herum. Völlig planlos gelangte ich so an schöne Plätze, die mir immer gute Fotomöglichkeiten boten. Ich empfand das als heilsam und nahm es als Geschenk an.
- Betrachte ich die Motive, die mich interessieren, so sehe ich nach wie vor eine starke Beeinflussung durch das Werk «What you see» von Luciano Rigolini. Staumauer, Strommasten, Häuschen, Zäune.
- Mit der geliehenen Hasselblad 500C/M konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Das liegt nicht allein am Lichteinfall. Zwar wäre ich wohl schon bereit, mich auf die langsamere Art des Fotografierens, die sie fordert, einzustellen. Ihr Gewicht und ihre Grösse sind mir jedoch meist doch zu umständlich. Auch müsste ich mir noch mehr Zeit geben, um den Umgang mit ihr einzuüben: Schärfe genau setzen, Schärfentiefe gekonnt einsetzen, perfekte Kompositionen einstellen. Dafür habe ich offenbar zur Zeit nicht die Muse. Ende September werde ich die Hassi zurückgeben.
Stattdessen fasziniert mich einmal mehr die Lo-Fi-Qualität meiner Lochkamera-Bilder.
Warum fasziniert mich die Lo-Fi-Fotografie?
Mit vielen meiner Bilder – und kürzlich speziell mit diesem Bild – verbinde ich das Gefühl einer grossen Faszination für Fotos mit sichtbaren Makeln. Ich habe schon verschiedene Male darüber geschrieben und fasse die Einträge unter dem Schlagwort «Lo-Fi» zusammen.
Jetzt wollte ich für mich heraus finden, was diese Faszination für mich ausmacht. Ich habe dazu eine Mindmap angelegt:
Das mag wirr erscheinen, deshalb hier hoffentlich klarere Aussagen zu den Hauptpunkten:
- Ich arbeite gerne mit einfachsten Kameras. Ich erlebe dabei die fotografischen Grundgesetze: Licht in den schwarzen Kasten eintreten und auf den Film fallen lassen. Dort geschieht die unvermeidliche chemische Reaktion. Alle möglichen Einflüsse hinterlassen auf dem Bild ihre Spuren (Beispiel).
- Ich spiele gerne mit der Ungenauigkeit. Gleichzeitig ist es ein Ziel, das vorhandene Licht so genau wie möglich einzuschätzen. Es ist ein gutes Gefühl, Licht und Kamera auch in schwierigen Situation gemeistert zu haben (Beispiel).
- Ich beschreibe einen Gegenstand gerne in groben Linien. Dafür reicht auch ein Bild aus, das unscharf ist (Beispiel).
- Durch den Bildrahmen der Kamera blicke ich auf einen Gegenstand. In diesem Moment gibt es nur dieses Sichtfeld. Wie in der Kamera selbst wird verschluckt, was ausserhalb des Rahmens liegt. Dieses Ausschnitte Wählen ist für mich kreativer Ausdruck (Beispiel). Zugegeben: Gilt nicht für die Lo-Fi-Fotografie allein.
- Bilder, die unscharf sind oder Fehler haben, fordern von mir als Betrachter keine messerscharfe Analyse. Beim Betrachten nehme ich das Bild auf. Die Magie des Mediums wirkt an mir selbst.
- Es ist ein Statement der Bescheidenheit, wenn ich alte Kameras benutze. Dass mit diesen Kameras früher schon viel mehr Bilder gemacht wurden, als ich alleine machen kann, verbindet mich mit einer grösseren Gemeinschaft von Fotografen.
Dies alles kann ich mit Freude erleben, was die Fotografie für mich zur wertvollen Freizeitbeschäftigung macht.
Östlicher Ästhetikbegriff: Zu was ich mich hingezogen fühle
Dieses Artikelpaar «Ein schönes Bild» von Andreas Hurni zur Ästhetik ist nicht ohne Wirkung auf mich geblieben.
Besonders der zweite Artikel über Wabi-Sabi hat mich angesprochen. Wabi-Sabi ist ein Begriff aus der japanischen vom Zen-Buddhismus geprägten Kultur des Schönen. Er steht für die östliche Ästhetik in vielen Kunstformen und auch noch in manchen Bereichen des Alltags.
In der Beschreibung von Wabi-Sabi habe ich Eigenschaften wiederentdeckt, die mich in vielen Bildern auf Flickr faszinieren. Vor allem im Werk von japanischen Fotografen (Beispiel Mami Koni (Clarice)) sehe ich Bilder, die genau das sind, was Andreas Hurni als Merkmal von Wabi-Sabi beschreibt:
Wabi-Sabi lädt den Betrachter dazu ein, die Schönheit des Unauffälligen und leicht zu Übersehenden wahrzunehmen. (…) Es ist eine hochentwickelte Kultur des Unperfekten, Unbeständigen und Unvollständigen (…).
Gearbeitet wird mit der Natur, die Materialien sind organisch und die Gegenstände werden nicht verändert.
Der Künstler lässt sich ein auf die Natur und ist nicht belastet mit Gedanken an das fertige Werk.
(…) Die Seele des Künstlers ist gesetzt, ausgeglichen und in einem meditativen Zustand der Ruhe, denn das Werk wird jeden Unruhezustand oder Stress verraten.
Der Artikel spricht mich in vielen Punkten an:
- Das Unperfekte. In einem Kommentar auf Flick las ich einmal «perfection is boring». Auch fasziniert die «Low-Fi»-Fotografie mit Billigkameras und auf Film hauptsächlich durch das Unperfekte.
- Die Natur. Vermehrt fotografiere ich in der Natur oder natürliche Materialien. Ausdruck für den Beginn dieser Entwicklung ist der Blog-Beitrag «Es ist Kahle-Äste-Zeit». Und mit Sicherheit spielt mein Garten eine zentrale Rolle in der Auseinandersetzung mit der Natur.
- Meditation. Meine Samstagnachmittag-Fotospaziergänge sind oft tiefe Erlebnisse der Ruhe. Ich sehne mich danach, stresslos an einem Ort die Dinge auf mich wirken zu lassen und von ihnen Bilder zu machen.
Mir fällt auf, dass ich mich stark zu dieser östlichen Ästhetik (und wohl auch der Philosophie) hingezogen fühle. Und die Werte der westlichen Ästhetik für mich zurzeit mehr in den Hintergrund treten. Andreas Hurni macht es uns einfach, die verschiedenen Anschauungen zu vergleichen mit einer Tabelle von entgegengesetzten Begriffen.
Wabi-Sabi ist diametral entgegengesetzt zu unseren westlichen Vorstellungen, ein Kontrast, der seine Wurzeln in grundlegenden philosophischen Unterschieden hat.
Am auffälligsten finde ich, dass mir früher Symmetrie gefiel und heute Asymmetrie.
Andreas Hurnis Artikel sind fundiert und anschaulich geschrieben. Und sie regen unglaublich an zum Nachdenken über die Wahrnehmung des Schönen.
Links:
Flickr-Gruppe the wabi-sabi aesthetic.
Wikipedia Wabi-Sabi.
«Die Aufnahmen zeigen Lichteinfall»
Meinem letzten Film lag diese Karte des Fotolabors bei:
Auf der Karte sind die typischen Probleme mit Filmfotografie aufgeführt. Tipps sollen helfen, diese Fehler künftig zu vermeiden.
Da, wo das Kreuz gemacht wurde, heisst es im Text: «Die Aufnahmen sind verschleiert und zeigen Lichteinfall. Haben Sie Ihre Kamera geöffnet oder war die Patrone beschädigt?»
Es könnte auch eine Kamera sein, die nicht lichtdicht schliesst. Und genau dieser Effekt ist eine willkommene Eigenschaft von Billigkameras – auf englisch als Toy Cameras
bezeichnet.
In der Flickr-Gruppe Lightleaks gibt es die hellen Flecken zu sehen, die durch Lichteinfall auf den Film enstanden sind. Manchmal zerstören sie ein Bild, oft schmücken sie es.
Auch Farbveränderungen wegen abgelaufenem Film (Expired Film) und Doppelbelichtungen (Multiple Exposure) sind Effekte, die sich Filmliebhaber gelegentlich zu Nutze machen.
Der «Fotospezialist» würde bei solchen Aufnahmen zur Karte greifen und ein Kreuz machen.
Lieblings-Flickr-Gruppen: Wie es euch gefällt
Kürzlich hat Doris zu mir gesagt, sie fände es noch nicht so einfach, auf Flickr die Fotos zu finden, die ihr gefallen. Ich meinte darauf, der Schlüssel dazu seien wohl die «Gruppen».
Ich möchte deshalb hier einmal meine Lieblingsgruppen auf Flickr vorstellen, in denen ich Fotos finde, die mir gefallen und mich inspirieren.
- Quite Useless – Hier versammeln sich Fotografen, die von Stanislav eingeladen wurden, ihre Fotos der Gruppe beizusteuern. Zu sehen sind Bilder von oft sehr eigenwilligem künstlerischem Ausdruck. Stanislav gibt auch das «Quite Useless Magazine» heraus.
- 6×6 magic – Der ganze Zauber des quadratischen Mittelformat-Films. Die Palette reicht von Hasselblad bis Holga.
- B&W SQUARE GROUP – Hier wird das quadratische Format noch auf Schwarzweiss reduziert, dafür gibt es auch Digitalfotografie zu sehen.
- Film is not dead it just smells funny – Die Gruppe, aus der Fotos für das gleichnamige Blog auf
www.smellsfunny.netneu www.thiaps.com ausgewählt werden. - Lo-Fi Landscapes – «Lo-Fi» bedeutet, dass auch hier meist Toycameras im Spiel sind. Ein wunderbarer Blick auf Landschaften in der Natur oder Stadt.
- Vintage Agfa – 120 format – Ist ein Beispiel für eine Gruppe nach Kameratyp. Es ist inspirierend zu sehen, was andere mit einer Kamera, wie ich selber eine habe, zu Stande bringen.
- khôra – Eine kleine Gruppe, die den farblosen Minimalismus pflegt.
- Urban Fragments (No People) – Eine der vielen «Stadt»-Gruppen. Für mich eine der liebsten für meine Strassen- und Steinbilder.
Meine Lieblingsgruppen verfolge ich übrigens in einem Feed-Reader (Was ist das?). Wenn ich eintauchen will in einen Bilderstrom, schaue ich mir die Bilder in den Gruppen an und komme dabei vielleicht selber auf neue Ideen.
Ich möchte es hier einmal mit einer Einladung zum Kommentieren probieren: Was sind deine Lieblings-Flickr-Gruppen? Verrate uns deine Inspirationsquellen!
In Farben schwelgen – mit der Agfa Isoly
«Du schwelgst wieder in Farbe», schreibt Dietmar in einem Kommentar auf Flickr. Meine aktuellsten Bilder stammen vom ersten Film, den ich mit meiner neusten Kameraanschaffung, einer Agfa Isoly III, aufgenommen habe. Sie sind auf Farbfilm in der Zürcher Stadtgärtnerei entstanden.
Ich habe die Agfa Isoly im Zürcher Brockenhaus gefunden und für 14 Franken gekauft. Obwohl ich sehr viel in Schwarzweiss fotografierte, wollte ich die ersten Bilder mit der Isoly auf Farbfilm machen. Wahrscheinlich angeregt durch einige Fotos in der Flickr-Gruppe «Vintage Agfa – 120 format». Und als Motiv boten sich dazu wieder einmal Palmen- und Tropenhaus in der Stadtgärtnerei an.
Die Agfa Isoly macht Fotos im Format 4×4 Zentimeter auf 120er-Rollfilm (16 Aufnahmen pro Film). Sie hat einen grossen, hellen Sucher. Mir scheint das Sucherbild recht genau mit dem effektiven Bild auf dem Film übereinzustimmen. Die Kamera hat eine Doppelbelichtungssperre und vor dem Auslösen muss der Verschluss gespannt werden. Die Entfernungseinstellung muss geschätzt werden, die Skala am Objektiv reicht von 1 Meter bis 10 Meter plus die Unendlicheinstellung. Die Einstellungen sind mir nicht bei allen Aufnahmen gut gelungen. Auf einigen Fotos sieht man ein sehr schönes Bokeh dort wie die Schärfentiefe aufhört. Bei offener Blende (F 3.9) lassen sich mit der Kamera bestimmt sehr schöne Porträts machen.
Die Belichtung habe ich mit einem Handbelichtungsmesser gemessen. Praktisch alle Fotos sind gut belichtet. Ein Bild habe ich mit der «B»-Einstellung gemacht. Ohne Stativ ist es natürlich verwackelt. Ein Drahtauslöser lässt sich in den Auslöseknopf aus Plastik einschrauben.
Auf Flickr habe ich gelesen, dass in viele Isolys Licht eindringt und so Flecken auf dem Film entstehen. Damit hatte ich gar keine Probleme.
Die Resultate mit der Isoly sind besser als ich erwartet hätte. Gegenüber meiner Vredeborch Stafetta-duo empfinde ich die Bilder der Isoly schärfer, sie haben weniger Vignettierung (wohl wegen des kleineren Bildformats), die Belichtung und die Entfernung lassen sich genauer steuern. Die Stafetta-duo ist also wohl mehr «Toy Camera» als die Isoly. Interessant finde ich dazu doch, dass im Internet jemand meint, die Isoly sei Vorbild für die China-Plastik-Kamera «Diana» gewesen.
Ich habe im Moment das Gefühl, dass ich die Stafetta-duo für Schwarzweiss-Bilder und die Isoly eher für Farbe einsetzen werde. Aber das muss ja keine Regel sein.
Mit den Bildern des ersten Films bin ich jedenfalls zufrieden.
Meine Set «Agfa Isoly III» auf Flickr.
Lochkamera-Bausatz: Wunderbare Fotos aus der schwarzen Box
Am letzten Samstag habe ich im Arslonga eine zusammensteckbare Lochkamera gekauft. Der Bausatz «Pinhole Camera» von 4M wird unter dem Label «Kidz Labs» verkauft und verspricht ein inspiring optical science kit for both kids and adults
(Text auf der Schachtel) zu sein.
Ein Spielzeug auch für mich, dachte ich, und kaufte mir diese schwarze Plastik-Lochkamera. (Bilder von der Kamera gibt es auf Flickr.)
Am Sonntag und am Montag, in der Mittagspause bei Sonne am Zürcher Platzspitz, habe ich meinen ersten Film mit der Pinhole durchgelassen.
Der Bausatz ist einfach zusammenzusetzen. Zu erst schneidet man aus der mitgelieferten Alufolie ein Stück aus, das man mit dem auch enthaltenen doppelseitigen Klebeband an die Innenseite der vorderen Abdeckung klebt. Die Beschreibung erklärt dann, wie mit einer Nadel ein Loch in die Folie zu machen ist. Schwierigkeit hier: das Loch sollte in der Mitte und möglichst klein sein. Mir gelang der erste Versuch noch nicht so recht. Zum Glück liegen in der Schachtel genügend Folie und Kleber für mehrere Versuche (oder auch Experimente). Die weiteren Teile sind leicht zusammengesetzt. Für den «Verschluss» muss eine Feder eingesetzt werden. Sie bewegt dann einen Schieber vor das Loch in die Kamera. Mit dem «Auslöser» drückt man den Schieber dann herunter. Im Innern ist alles vorgefertigt, die drei Hauptbauteile und die Spulen müssen nur zusammengefügt werden. Die hintere Abdeckung wir auf beiden Seiten mit Klammern festgemacht. Alles passt und wirkt lichtdicht. Eine sehr komfortable Lochkamera.
Eingelegt wird ein 35mm-Kleinbildfilm. Das Einfädeln ist ein bisschen mühsam, da die Spule locker sitzt und erst mit dem Schliessen der Rückwand fest sitzt. Damit der Film flach liegt, ist es wichtig, mit dem Rückspulknopf den Film zu spannen. Beim ersten Versuch ist mir dabei der Film von der Spule gerutscht und die Lasche wurde in die Dose hineingezogen. Schliesslich stellte sich dies als Glücksfall heraus. Denn jetzt musste ich einen anderen Film nehmen und bei mir lag noch ein Ilford XP2 herum. Der Schwarzweissfilm mit ISO400 lässt sich im Farbprozess und daher im 1-Stundenservice entwickeln. Ausserdem ist er sehr gutmütig bei Über- und Unterbelichtung. Das ist für Lochkameraexperimente eine sehr gute Voraussetzung.
Ich war also bereit zum Fotografieren mit meiner schicken schwarzen Box. Am Sonntag machte ich ein paar Aufnahmen rund um das Haus.
Bei dieser Aufnahme habe ich die Kamera auf ein Stativ gestellt. Nein, die Pinhole hat keine Stativgewinde, aber die Stellfläche an meinem Stativkopf ist genügend gross, um neben der Schraube die Kamera aufzulegen und festzuhalten. Belichtet habe ich rund 3 Sekunden. Ich habe keine grossen Berechnungen angestellt. Ich ging davon aus, dass ich mit ISO400 bei bedecktem Himmel etwa im gleichen Bereich liegen würde wie bei meinen früheren Pinhole-Experimenten mit einer Streichholzschachtel bei Sonne und mit ISO200-Film.
Am Montag in der Mittagspause schien dann die Sonne. Die Fotos sind ausgezeichnet beleuchtet und der Film in der Kamera hat in diesem Licht viele Details aufzeichnen können. Die Bilder werden erstaunlich scharf, wenn die Kamera auf einem festen Untergrund festgehalten wird.
Bei dieser Aufnahme habe ich die Kamera mit dem Rückteil auf eine Mauer gelegt und senkrecht nach oben fotografiert.
Für mich liefert die Kamera wertvolle Bilder – in einer wunderbar unperfekten Bildsprache, die aber genug zeigt, um doch eine Szene beschreiben zu können. Ich würde die Lochkamera gerne auf einer Reise einsetzen, denn sie ist leicht und robust, und sie funktioniert, wie es scheint, verlässlich.
Die Lochgrösse scheint mir gut zu sein. An der Folie ändere ich also vorerst nichts. Wahrscheinlich teste ich die Lochkamera bald einmal auch mit einem Farbfilm. Und vielleicht erstelle ich eine Maske für ein quadratisches Bildformat. Denn für weiteres Modding lässt die Kamera Raum.
Übrigens: Zu dieser Art von langen Berichten hat mich die Lektüre in moominseans Blog angeregt.
Siehe auch: Seite Lochkamera in meinem Wiki.
Fotokunst mit der Holga: Interview mit Fotograf Michael Wegmüller
An der Foto-Werkschau photo 07
sind mir die Fotos mit einer Holga-Kamera von Michael Wegmüller aufgefallen. Auf meikk.com zeigt der Zürcher Fotograf in seiner Fine Art Galery
ausschliesslich Holga-Bilder.

Mich haben die Fotos angesprochen und weil ich wissen wollte, wie ein Fotograf über seine Holga-Bilder denkt, habe ich Michael Wegmüller für ein Interview angefragt. Die Fragen hat er per E-Mail beantwortet.
Du nutzt eine Holga für deine Fine Art Fotos. Wie bist du auf die Holga gekommen?
Dieser besondere Stil der Holgabilder ist mir schon lange aufgefallen, nur wusste ich lange nicht, wie solche Bilder entstehen. Im Frühling 07 bestellte ich mir viele Fotografie-Bücher aus den USA. Darin stand, mit welcher Kamera die Bilder umgesetzt wurden. Dank dem Internet erfuhr ich mehr und bestellte mir umgehend eine eigene Holga.
Man könnte sagen, mit einer «Spielzeugkamera» sind doch keine ernst zu nehmenden Fotos zu machen. Was entgegnest du darauf?
Es ist der Fotograf der etwas daraus macht. Auf die Holga muss man sich einlassen, sie kennen lernen und ihre Eigenheiten verstehen. Dann kann man auch mit ihr geniale und vor allem andere Bilder einfangen.
Mit der digitalen Fotografie sehen wir oft einen technischen Perfektionismus. Warum setzt du dich mit der Holga diesem entgegen?
Ich habe nichts gegen die digitale Fotografie einzuwenden. Fotografieren mit der Holga fühlt sich einfach freier an. Man braucht keinen Strom, keine schwere Tasche mit Equipment und doch kriegt man tolle Bilder hin.
Worauf ist bei der Auswahl von Motiven zu achten – welche funktionieren mit der Holga besonders gut?
Portraits funktionieren sehr gut. Sie wirken sehr charakterstark. Der Holga-Fotografie sind eigentlich keine Grenzen gesetzt, es funktioniert mit allem, selbst mit schnörkelloser Architektur. Auch ganze Hochzeiten werden mit der Holga fotografiert [siehe zum Beispiel hier, Link hinzugefügt von mir].
Welchen Markt gibt es für Holga Fine Art?
Der Markt für Holga Fine Art ist noch klein. Meiner Meinung nach muss er auch nicht massentauglich sein.
Wer hängt sich ein Holga-Bild an die Wand?
Es sind erstaunlich viele, die selbst in der Fotografie aktiv tätig sind, die sich von den Holga-Bildern magisch angezogen fühlen. Wohl weil es nichts Vergleichbares gibt.
Für mich zeigen Michaels Antworten, dass es doch eigentlich um die «tollen Bilder» geht. Und dass der Fotograf dafür einsetzen kann, was er will. Ich selber denke oft, noch viel zu gefangen zu sein von irgend welchen Idealvorstellungen von Fotografien – der Holga-Stil ist dagegen eben ein künstlerischer Ausbruch.









