Archiv vom November 2009
Golden Half: Spielerisches Halbformat
Hier im Blog habe ich am 30. Januar 2009 in «Fotopaare: Wenn Einzelbilder Schwächen haben» bereits mit Bewunderung auf Doppelbilder aus Halbformat-Kameras hingewiesen. Jetzt besitze ich selber die japanische Toycamera Golden Half und kann auch solche Bilder machen.
Die Golden Half ist sehr klein und aus Plastik, trotzdem ist sie solide gefertigt und gut zu handhaben. Das «Half» im Namen bezieht sich auf das Halbformat: Die Kamera belichtet Negative, die halb so gross sind wie normale Negative auf einem 35mm-Kleinbild-Film. So haben auf einem 24er-Film 48 Bilder Platz. Sieht man gerade durch den Sucher, gestaltet man ein Bild im Hochformat. Für ein Querformat-Foto muss man die Kamera drehen.
Manche Fotolabor-Services verarbeiten den Filmstreifen standardmässig im normalen Kleinbildformat und so kommen immer zwei nebeneinanderliegende Fotos zusammen auf ein Bild (es gibt offenbar auch andere, die jedes Foto einzeln erfassen). Und tatsächlich erhielt ich meine Fotos vom ersten Film als kleine Doppelbilder (in Anlehnung an zweiteilige Altarbilder oft auch als Ditychon (Wikipedia-Link) bezeichnet).
Mit der Absicht, die typischen Doppelbilder zu machen, nahm ich mir vor, von jedem Motiv zwei Bilder zu belichten. Oder in der Nähe liegende oder inhaltlich ähnliche Motive zu finden. Eine ganz neue Herausforderung für das Sehen war das.
Wenn die Zweier-Folge einmal nicht mehr stimmt, kommen die Doppelbilder vom Labor natürlich in falschen Paarungen. Das ist aber kein Problem, wenn der Heimscanner zum Einsatz kommt: da kann beliebig gescannt werden. Pech hat man allerdings, wenn das Labor den Filmstreifen genau zwischen zwei zusammengehörenden Fotos schneidet.
Erweitert werden die Möglichkeiten, wenn drei oder mehr Einzelfotos zusammen als ein Bild gescannt werden. So entstehen abenteuerliche Panoramaansichten mit mehr oder weniger gewolltem Ungenauigkeitsfaktor (Beispiel: Auto in drei Bildern).
Mein Versuch eines Dreier-Panoramas führte mich dann zur Erkenntnis: Panoramas von rechts nach links fotografieren.

Hier ist das Bild nicht zusammenhängend, da ich von links nach rechts fotografierte. Denn so wie in der Golden Half der Film eingelegt und transportiert wird, kommt das erste Bild einer Sequenz ganz rechts zu liegen und die weiteren Bilder schliessen links an.
Diese Eigenschaft der Kamera muss ich auch berücksichtigen, wenn ich einem Doppelbild eine narrative Abfolge zeigen wollte. Da wir Bildergeschichten ja gewöhnlich von links nach rechts lesen, müsste ich das letzte Bild als erstes fotografieren.
Die Ausstattung der Kamera ist simpel: Ein Fixfokus-Objektiv, feste Belichtungszeit (1/100), zwei Blendenstufen für sonniges und bewölktes Wetter, eine Blitzeinstellung und ein Blitzschuh und ein Stativgewinde.
Mit oder ohne Geschichte, als Einzel- oder Mehrfachfotos – die Golden Half ist eine schicke kleine Kamera, mit der es leicht fällt, unbeschwert zu fotografieren. Die Resultate meines ersten Film bereiten mir jedenfalls Freude.
Links:
Herbstferienprojekt war eine Wald-Serie
In meinen Herbstferien im Oktober habe ich Wald fotografiert. Gerade passend erschien am 2. Oktober im «Magazin» die Titelgeschichte von Max Küng Der Herbstzeitlose. Die Geschichte von einem der auszog, um die Bäume lieben zu lernen.
Und in einem Buch über Zen las ich das Zitat:
Eine alte Föhre predigt Weisheit, und
Ein wilder Vogel schreit die Wahrheit aus.
Ich fotografierte im Prättigau und am Üetliberg Bäume und Wald.
Dabei herausgekommen ist die Serie «Im Wald».
Als Ferienprojekt soweit abgeschlossen. Das Thema eigentlich ein Klassiker. Deshalb wächst die Serie wahrscheinlich in Zukunft noch weiter.

