Archiv vom August 2009

Unermüdliches Sehen

hut (diptych)

Anfang August ging ich auf einen zweitägigen Ausflug auf den Gotthardpass. Jetzt, da alle meine Fotos, die ich dort aufgenommen habe, entwickelt, bearbeitet und auf Flickr erschienen sind, möchte ich drei persönliche Beobachtungen dazu festhalten.

  • Auf seltene Art selbstvergessen absichtslos und zugleich unermüdlich wanderte ich auf dem Gotthardpass herum. Völlig planlos gelangte ich so an schöne Plätze, die mir immer gute Fotomöglichkeiten boten. Ich empfand das als heilsam und nahm es als Geschenk an.
  • Betrachte ich die Motive, die mich interessieren, so sehe ich nach wie vor eine starke Beeinflussung durch das Werk «What you see» von Luciano Rigolini. Staumauer, Strommasten, Häuschen, Zäune.
  • Mit der geliehenen Hasselblad 500C/M konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Das liegt nicht allein am Lichteinfall. Zwar wäre ich wohl schon bereit, mich auf die langsamere Art des Fotografierens, die sie fordert, einzustellen. Ihr Gewicht und ihre Grösse sind mir jedoch meist doch zu umständlich. Auch müsste ich mir noch mehr Zeit geben, um den Umgang mit ihr einzuüben: Schärfe genau setzen, Schärfentiefe gekonnt einsetzen, perfekte Kompositionen einstellen. Dafür habe ich offenbar zur Zeit nicht die Muse. Ende September werde ich die Hassi zurückgeben.
    Stattdessen fasziniert mich einmal mehr die Lo-Fi-Qualität meiner Lochkamera-Bilder.

Beobachtungen auf dem Filmset

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, eine Film-Crew zwei Tage lang zu begleiten – auf dem Recce und am Drehtag. Dabei habe ich viele Beobachtungen gemacht, wie beim Film gearbeitet wird. Hier ein paar meiner Eindrücke:

  • Auf dem Recce arbeitet der Director of Photography mit einer Canon 5D Mark II und macht Aufnahmen, die am Drehtag dann als Referenzbilder für die Kameraeinstellungen dienen.
  • Es wird fast immer nach Elementen gesucht, die unscharf im Vordergrund stehen, um so dem Bild Tiefenwirkung zu verleihen. Wenn sich kein Gegenstand in der Umgebung findet, wird extra etwas vor der Kamera platziert, sogar ein einzelnes Haar kann dienlich sein, um Unschärfe herzuzaubern.
  • Der Kameraassistent misst die Entfernung fürs Scharfstellen mit einem Laser-Distanzmesser (Marke HILTI) oder gar einem Messband. Auf den Autofocus verlässt man sich nicht.
  • Es wird viel mit Filtern gearbeitet – zur Steuerung der Lichtintensität sowie -Farbe. Ob oder wie ein Weissabgleich gemacht wird, konnte ich nicht beobachten.
  • Die Bewegung als Gestaltungselement wird oft auf mehrere Arten gleichzeitig eingesetzt: Kameraschwenke oder -fahrten, Aktion der Hauptperson im Bild, zusätzliche Bewegungen durch Aktionen von Statisten im Vorder- oder Hintergrund.
  • Bänder und Akkus wechseln und frischen Nachschub bereit halten ist auch beim Film eine ständige Sorge.

Dieser Filmdreh war für mich eine lehrreiche Erfahrung und hat Spass gemacht.

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Was ist das hier?

Weblog von Stefan Bucher seit 2003. Ich fotografiere leidenschaftlich seit meiner Jugend – in den letzten fünf Jahren wieder meist auf Film. Ich teile gerne meine Erfahrungen und berichte über meine Projekte. Mein Zuhause ist in Zürich, Schweiz.