Archiv vom März 2009
Warum fasziniert mich die Lo-Fi-Fotografie?
Mit vielen meiner Bilder – und kürzlich speziell mit diesem Bild – verbinde ich das Gefühl einer grossen Faszination für Fotos mit sichtbaren Makeln. Ich habe schon verschiedene Male darüber geschrieben und fasse die Einträge unter dem Schlagwort «Lo-Fi» zusammen.
Jetzt wollte ich für mich heraus finden, was diese Faszination für mich ausmacht. Ich habe dazu eine Mindmap angelegt:
Das mag wirr erscheinen, deshalb hier hoffentlich klarere Aussagen zu den Hauptpunkten:
- Ich arbeite gerne mit einfachsten Kameras. Ich erlebe dabei die fotografischen Grundgesetze: Licht in den schwarzen Kasten eintreten und auf den Film fallen lassen. Dort geschieht die unvermeidliche chemische Reaktion. Alle möglichen Einflüsse hinterlassen auf dem Bild ihre Spuren (Beispiel).
- Ich spiele gerne mit der Ungenauigkeit. Gleichzeitig ist es ein Ziel, das vorhandene Licht so genau wie möglich einzuschätzen. Es ist ein gutes Gefühl, Licht und Kamera auch in schwierigen Situation gemeistert zu haben (Beispiel).
- Ich beschreibe einen Gegenstand gerne in groben Linien. Dafür reicht auch ein Bild aus, das unscharf ist (Beispiel).
- Durch den Bildrahmen der Kamera blicke ich auf einen Gegenstand. In diesem Moment gibt es nur dieses Sichtfeld. Wie in der Kamera selbst wird verschluckt, was ausserhalb des Rahmens liegt. Dieses Ausschnitte Wählen ist für mich kreativer Ausdruck (Beispiel). Zugegeben: Gilt nicht für die Lo-Fi-Fotografie allein.
- Bilder, die unscharf sind oder Fehler haben, fordern von mir als Betrachter keine messerscharfe Analyse. Beim Betrachten nehme ich das Bild auf. Die Magie des Mediums wirkt an mir selbst.
- Es ist ein Statement der Bescheidenheit, wenn ich alte Kameras benutze. Dass mit diesen Kameras früher schon viel mehr Bilder gemacht wurden, als ich alleine machen kann, verbindet mich mit einer grösseren Gemeinschaft von Fotografen.
Dies alles kann ich mit Freude erleben, was die Fotografie für mich zur wertvollen Freizeitbeschäftigung macht.
GAF-Ausstellung «Hardbrücke» 17.–25. April 2009
Bald ist es soweit: Vom 17.-25. April findet die Ausstellung meiner GAF-Klasse zum Thema «Hardbrücke» statt.
Das Bild auf der Einladungskarte ist das letzte Bild auf meinem dritten Film, den ich für das Projekt belichtet hatte. Es ist ein Bild, wie ich es mir von Anfang an vorgestellt hatte.
In der Vorbereitung für unsere Arbeit für das Ausstellungs-Projekt, bekamen wir den Tipp, Inspirations-Bilder von anderen Fotografen auszuwählen, an denen wir uns für unsere Fotos orientieren könnten. Diese Idee war für mich sehr hilfreich. Inspiration fand ich bei Luciano Rigolini – wie aus der Lektüre dieses Blogs ja schon bekannt sein dürfte.
![]() Inspiration. Luciano Rigolini, «What you see». |
Der Effekt hier, aus dem fahrenden Auto heraus zu fotografieren, gefiel mir. Und mit dem Resultat bin ich zufrieden, nicht nur weil der Effekt funktioniert hat, sondern auch weil die Stimmung zu meinen übrigen Aufnahmen passt.
Wie im Konzept beschreiben, belichtete ich drei Filme für das Projekt. Vom ersten Film kamen drei Bilder in die engere Auswahl, vom zweiten Film zwei Bilder und vom dritten Film nur noch dieses eine Bild. Das ist interessant, denn es zeigt doch, dass ich bei meinen ersten Erkundungen mit der Kamera schon mit dem richtigen Gefühl an die Sache heran ging.
Ich zeige schliesslich sechs Bilder in der Ausstellung. Für mich ist dabei eine Arbeit mit konzeptionell klarem Zusammenhalt entstanden. Und ich freue mich, die Bilder einem Publikum zeigen zu können.
Ein Gedanke beschäftigt mich jetzt, nämlich, dass das Resultat einfach eine Momentaufnahme meiner Sichtweise und Möglichkeiten für die Umsetzung des Themas ist. In einem Monat – oder wohl heute schon – sehen meine Hardbrücke-Fotos vermutlich ganz anders aus. Das Werk scheint mir deshalb kaum definitiv.
Die Reise geht also weiter.
Facebook-Event-Seite zur Ausstellung
Solange der Schnee noch bleiben will …

… hier eines meiner jüngsten Bilder, das gerade durch den starken Kontrast seine Wirkung erzielt.
Und demnächst sollte hier die Einladung zur Ausstellung unserer GAF-Klasse folgen. Später möchte ich dann auch noch die eine oder andere Erfahrung mit dem Projekt mitteilen.
Bis dahin verabschiedet sich der Winter hoffentlich.



