Archiv vom November 2008

Das Formenvokabular der Fotografie

you see

In der Arbeit «What you see» beschreibt Luciano Rigolini eine «visuelle Grammatik» (Nachwort zum Buch, Fotostiftung Schweiz). Ich habe die Bilder im Buch und in der Ausstellung angeschaut und es ist, als lernte ich eine Sprache – das Formenvokabular der Fotografie.

Die auffälligsten Elemente der fotografischen Formensprache möchte ich hier beschreiben, so wie ich sie wahrnehme. Es sind grafische Gestaltungsmuster, die in Rigolinis Arbeit äusserst konsequent angewendet werden.

  • Rundungen. Alles, was geschwungen, gebogen oder kreisrund ist. Kugeln oder runde Flecken, die Kopfform oder eine Strassenbiegung. Meist sind nur Halb- oder Viertelkreise zu sehen. Rundungen gibt es in technischen Materialien oder natürlichen Gegenständen.
  • Schrägen. Oft beschreiben die Linien ein <- oder >-Zeichen. Machmal gehen viele Formen mit unterschiedlich schrägen Linien durcheinander. Manchmal gehen sie diagonal durch das ganze Bild.
  • Raster/Gitter. Ein regelmässiges Netz überspannt das ganze Bild oder Teile. Unterschiedlich dicht, erlaubt es mehr oder weniger Durchblick auf das dahinter liegende Objekt. Oder die Rasterform bestimmt selbst das gesamte Bildes.
  • Rahmen. Parallel zum Bildrand verlaufende Linien, die wie zwei Winkel das Bild von beiden Seiten einrahmen; manchmal enger manchmal nur zu Teilen.
  • Turm/Stange. Senkrecht in den Himmel ragende Linie, oft mittig ausgerichtet oder leicht daneben.
  • Häuschenschema. Ich nenne sie mal so: die Form mit dem zum Himmel strebenden Dachgiebel und an der Vorderfläche Fenster und eine Türe.

Und jetzt noch gewissermassen zur Syntax, wie die Elemente angewendet und zusammengesetzt werden (vieles davon oben schon angesprochen):

  • Teile. Alle Elemente werden meist nicht ganz gezeigt, sondern teilweise. Die Menge hängt ab vom optischen Gleichgewicht im Bild. Viele verschiedene Teile fügen sich aneinander oder halten sich mit Entfernung die Waage.
  • Überlagerung. Das Nahe verdeckt das Ferne. Elemente haben Lücken und lassen etwas hervor scheinen. Ein Bild wird aus Vorder- und Hintergrund zusammengegossen.

Um mich mit diesen Formen weiter vertraut zu machen, habe ich einen Ausdruck meines Blatts «20 Kompositionen» gemacht. Es hilft, die Formen nachzuzeichnen, ein Rigolini-Bild so noch genauer zu analysieren oder auch ein eigenes Bild auf die Formensprache zu überprüfen.

Irgendwie passend und ermutigend, die Fotografie poetisch als Sprache einzusetzen, fand ich im Magnum Blog in einem Zitat von David Alan Harvey:

Photography is now clearly a language. As with any language, knowing how to spell and write a gramatically correct “sentence” is , of course, necessary. But, more importantly, today’s emerging photographers now must be “visual wordsmiths” with either a clear didactic or an esoteric imperitive. Be a poet, not a technical “writer”.

So verändert sich mein Sehen und vielleicht auch mein Ausdruck in meinen Fotos. Die Botschaft wird dann immer deutlicher.

Neuer Foto-Output: Eine Pause tut gut

Letzte Woche und dieses Wochenende haben sich bei mir wieder Fotos angesammelt.

  • Film aus der Billig-Pano-Knipse. Ich hatte ja die letzten Wochen etwas geschummelt hier im Blog ;-). Ich schrieb, ich hätte keinen Film mehr. Tatsächlich habe ich einen Farbfilm durch meine «Jazz 101» durchgelassen. Die Resultete folgen in den kommenden Tagen auf meiner Flickrseite.
  • Digitale Urban Abstracts.
    blocks and stripes
    In der letzten Woche hatte ich auf einmal wieder Lust, auf dem Arbeitsweg und in der Mittagspause auf grafische Kombinationen zu achten. Ich habe sie in Schwarzweiss aufgenommen. Zu sehen sind sie unter dem Stichwort «Way to Work» auf Flickr.
  • Polaroids von Sihlsee.
    lake
    Diesen Samstag fuhr ich nach Einsiedeln und an den Sihlsee und machte Fotos mit der Polaroid-Kamera. Gereizt haben mich die kargen Landschaftsaufnahmen im Sofortbildformat, die ich oft auf Flickr sehe. Eine solche ist mir gelungen, finde ich. Mehr Polaroids kommen dann im Polaroids-Set.
  • Ein HDR-Bild. Und jetzt auch das noch: Ich habe ein HDR-Bild versucht. Ich stand vor diesem Hügel und stellte fest, dass meine Kamera mit diesen Licht-Schattenverhältnissen nicht zurecht kommt. Also belichtete ich eine Reihe und hatte so das Material für ein HDR-Bild. Die ersten Schritte mit der Software Photomatix waren einfach, und herausgekommen ist das da:

    Letzte Woche habe ich mit einem Arbeitskollegen über HDR gesprochen. Bei allen Vorbehalten dieser Technik gegenüber, dieser Versuch ist für mich eine interessante Erfahrung.

Dieser Foto-Output kommt nach einer Fotopause – wenigstens gefühlsmässig waren die letzten Wochen nicht besonders aktiv und kreativ. Ich habe mich zwar mit einigen Fotos aus meinem Archiv auseinandergesetzt und eigene Prints erstellt. Doch ist es, als hätte mich letzte Woche eine neue Kreativität ergriffen.

Zum Schluss ein Mitbringsel aus Einsiedeln für den Kamera-Geek:

Pilger-Kitsch-Souvenir mit Lichtbildern der Schwarzen Madonna und dem Kloster Einsiedeln in Form einer klassischen Zweiaugen-Kamera mit Bleistiftspitzer :-)

Fotos aus dem Heimdrucker

Mehr als vier Jahre ist er alt und billig war er, und doch hat mich mein Drucker Canon i250 überrascht: Ich habe zum ersten Mal Fotos auf meinem Heimdrucker ausgedruckt und die Resultate sind gut.

Es ist eine weitere Aktion meiner Beschäftigung mit den eigenen Bildern, während ich auf frische Filme warte. Ich habe eine Schachtel Fotopapier in der Grösse 10×15 Zentimeter gekauft und mich damit in ein weiteres Abenteuer gewagt. Das Ausdrucken mit dem Tintenstrahldrucker ist eine Wissenschaft für sich und als Fotoenthusiast kann man damit mindestens so viel Zeit verbringen und Material durchprobieren und Geld ausgeben wie mit Kamera- oder Lichtausrüstung.

Treu meinem Motto «bescheiden und billig» (;-)) habe ich mit den vorhandenen Mitteln einfach einen ersten Versuch gestartet. Ein Bild ab Farbfilm im quadratischen Format mit der Bildsoftware auf das Papierformat eingepasst (mit weissem Rand), die Druckereinstellung auf «Fotopapier» und das Papier eingelegt. Und siehe da: eine bemerkenswerte Qualität des Ausdrucks und ein schönes Gefühl ein eigenes Foto in der Hand zu halten. Die Papieroberfläche und -Stärke erinnert mich sogar an edles Barytpapier aus Dunkelkammerzeiten.

Im kleinen Format lassen sich die Fotografien schon auf eine ganz andere Art erleben als auf dem Computerbildschrim. Deshalb bin ich froh um diese Erfahrung mit meinen ersten Ausdrucken.

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Was ist das hier?

Weblog von Stefan Bucher seit 2003. Ich fotografiere leidenschaftlich seit meiner Jugend – in den letzten fünf Jahren wieder meist auf Film. Ich teile gerne meine Erfahrungen und berichte über meine Projekte. Mein Zuhause ist in Zürich, Schweiz.