Archiv vom August 2008
Buch: «Mein Weg zur Fotografie» von Hans Finsler
Im Podcast PhotoNetCast #10 – It’s all about Books geben die Gastgeber Buchempfehlungen ab. Ich möchte zu dieser Gelegenheit auch einen Tipp abgeben für ein kleines, rares und wertvolles Fotografiebuch:

Hans Finsler. Mein Weg zur Fotografie (Link auf Google Buchsuche)
Hans Finsler stellt drei Fragen und gibt anhand von 30 Aufnahmen Antworten zur Fotografie. Die Fragen sind:
- Was ist Fotografie?
- Welches sind die Gesetze der Dinge, die ich aufnehme?
- Gibt es in der Fotografie eine Wertung der Dinge?
Typisch sind die Aufnahmen von Eiern. Sie dienen erst einmal einfach zur Darstellung von Positiv und Negativ (Weiss und Schwarz) als eine der Eigenschaften der Fotografie. Andere Eigenschaften die veranschaulicht werden sind «fixierte Bewegung», «Richtungslosigkeit», «Ausschnitt aus Raum und Zeit», «Überschneidung», «Schärfe und Unschärfe», «Kontrast» und «Erkennbarkeit». Ein Blick auf die Beispielfotos zu diesen Eigenschaften lässt erkennen, mit welchen Mitteln wir im Medium Fotografie arbeiten. Die Erkenntnisse sind so simpel wie «Die Beeinflussung der Kontraste gehört zum Wesen der Fotografie».
Wenn es in den hinteren Teilen des Buchs um die «Dinge» geht, wird klar, dass die Fotografie viele Möglichkeiten hat, die Wirklichkeit zu verändern.
Das schmale Buch ist für mich wertvoll, weil es in äusserst knapper Form eine Sammlung von zeitlosen Merksätzen zur Fotografie enthält. Es treibt mich an, die Möglichkeiten der Fotografie bewusst auszuloten, auf Materialien, Ausschnitt und Komposition Wert zu legen.
Hans Finsler wurde 1891 geboren. Er ist Schweizer und studierte in Deutschland Architektur. 1932 kam er nach Zürich und baute eine Fotoklasse an der Kunstgewerbeschule auf. Das Buch «Mein Weg zur Fotografie» erschien erstmals 1971, ich besitze eine Neuauflage von 1991 aus dem Pendo-Verlag. Das Buch ist offenbar vergriffen. Ich habe es im Shop des Museum für Gestaltung gefunden. Das Buch ist zweisprachig mit deutschem und englischem Text (My Way to Photography
).
Das Haus, in dem ich wohne
Bald ziehen wir um in ein Reihenhaus mit Garten. Auf dem Dachstock werde ich mein Zimmer bekommen. Durch ein Fenster werde ich einen Blick bis zu den Bergen haben.
Die Vorfreude auf das neue Zuhause nährt auch meine Fotoideen. Ich stelle mir vor, dass ich die neue Umgebung gerne mit der Kamera erkunden werde. Inspiration habe ich in ein paar Quellen schon gefunden:
- Josef Sudeck. Der Tschechische Meister fotografierte viele Stillleben an seinem Fenster und im Garten seines Prager Ateliers.
- Sergey Bratkov. In seiner frühen Arbeit
There Is No Paradise
zeigt er den Garten seiner Eltern. Es ist ein wilder und privater Ort. Zu sehen sind Menschen, Szenen, Landschaft und Gegenstände. - Gallery auf Flickr. Hier habe ich ein paar Fotos gesammelt, die in eine ähnliche Richtung gehen. Stillleben im Fenster, Garten, Innenräume.
Im vorherigen Eintrag habe ich von Brooks Jensens Ansicht über das Universelle in Schwarzweissbildern geschrieben. Sudeks und Bratkovs Gärten sind nicht ihre spezifischen Gärten, sondern sie stehen für die Idee des Gartens jedes Menschen, weiter gedacht vielleicht sogar für den Garten Eden.
Auch mein Garten, mein Flur oder meine Möbel könnten zur Ausstattung von allgemeingültigen Bildern über die Häuslichkeit werden. Und vielleicht kann ich mir ja jetzt dann zehn Jahre oder mehr Zeit nehmen für dieses Projekt …
Aber zuerst heisst es jetzt noch Räumen und Zügeln.
[Update] Zu diesem neuen Langzeitprojekt habe ich auf Flickr ein Set eingerichtet.
Warum Schwarzweissfotos?
Wirken Schwarzweissfotografien antiquiert? Ist Farbfotografie einfach logisch, weil das menschliche Auge Farbe sieht?
In Kommentaren auf meine Fotos auf Flickr habe ich es ein paarmal gehört: Farbfotos kommen offenbar besser an als Schwarzweiss. Und auch in der GAF-Klasse diskutierten wir Schwarzweiss vs. Farbe.
In den vergangenen Wochen sind mir verschiedene Aussagen zur Schwarzweissfotografie begegnet. Und ich habe mir meine eigenen Gedanken dazu gemacht, warum ich Schwarzweiss gerne mag.
- Peter Sennhauser fragt auf fokussiert.com «Warum Schwarz/Weiss?». In seiner Antwort reserviert er Schwarzweiss für besonders gestaltete Fotos:
Erst wenn ein Bild ganz ausdrücklich nur mit Tonwerten gestaltet wird, wenn es um Flächen und Linien in Schattierungen geht und die Farbe nichts beiträgt, sondern behindern würde, soll der Fotograf sie ausblenden.
Die Farbe ist also ein Gestaltungselement neben Linien, Formen und Strukturen. Sie sollte bewusst ins Bild gesetzt werden. Hier sehe ich die grosse Herausforderung, Farbe gekonnt einzusetzen in Form von Hintergrund/Vordergrund, Tönung und Lichteffekten. Gelingt dies nicht, blende ich die Farbe lieber aus – was den anderen grafischen Elementen mehr Gewicht gibt und ihre Wirkung verstärkt.
- Das «Pink Tie-Problem» hat vor einiger Zeit Jeff Curto in einer Ausgabe des Podcasts Focus Ring angesprochen: Wenn die rosarote Kravatte in einem Bild alle Aufmerksamkeit auf sich zieht und von der gesamten Gestaltung oder der dargestellten Handlung ablenkt, dann ist die Farbe ein Problem.
- Brooks Jensen gibt seine Antwort im Lenswork Podcast LW0448 (MP3). Er findet, dass Farbfotos einen spezifischen Gegenstand abbilden (oder zum Beispiel auch einen Menschen), Schwarzweissbilder jedoch eine universelle Idee des Gegenstands (oder zum Beispiel die Menschheit).
Vielleicht eine etwas abgehobene Sichtweise. Sie weist umgekehrt auch darauf hin, dass Farbe gerade für dokumentarische Bilder eine wichtige Bedeutung haben könnte. - Ein Zitat von Hans Finsler zeigt für mich, dass Fotografie die objektive Welt verändert abbildet. Auch in Farbe ist es nicht die wirkliche Welt.
Das fotografische Bild ist bildhaft, das heisst übertragen, beispielhaft, gewollt.
So gesehen macht es also keinen Unterschied, ob wir die Farbe weglassen oder sie aufnehmen.
- Martin Storz zitiert im The Public Eye Blog Henri Cartier-Bresson:
Emotion finde ich nur im Schwarzweiß.
Hier wird eine weitere Qualität von Schwarzweissfotografieen angesprochen. Ganz subjektiv kann ich dieser Aussage zustimmen. Ich merke es oft beim Browsen durch meine abonnierten Flickr-Feeds: von den Schwarzweiss-Bildern geht etwas aus, das mich fasziniert – vielleicht sind es die Emotionen.
Ich finde deshalb: Schwarzweissbilder sind keineswegs veraltet. Sie sind eine der Ausdrucksmöglichkeiten im Medium der Fotografie. Die Herausforderung bleibt, Schwarzweissbilder zu gestalten, die so einfach funktionieren. Ich habe jetzt schon ein paar Fotoideen, für die ich auf Farben verzichten will.