Archiv vom Juni 2008
«Die Aufnahmen zeigen Lichteinfall»
Meinem letzten Film lag diese Karte des Fotolabors bei:
Auf der Karte sind die typischen Probleme mit Filmfotografie aufgeführt. Tipps sollen helfen, diese Fehler künftig zu vermeiden.
Da, wo das Kreuz gemacht wurde, heisst es im Text: «Die Aufnahmen sind verschleiert und zeigen Lichteinfall. Haben Sie Ihre Kamera geöffnet oder war die Patrone beschädigt?»
Es könnte auch eine Kamera sein, die nicht lichtdicht schliesst. Und genau dieser Effekt ist eine willkommene Eigenschaft von Billigkameras – auf englisch als Toy Cameras
bezeichnet.
In der Flickr-Gruppe Lightleaks gibt es die hellen Flecken zu sehen, die durch Lichteinfall auf den Film enstanden sind. Manchmal zerstören sie ein Bild, oft schmücken sie es.
Auch Farbveränderungen wegen abgelaufenem Film (Expired Film) und Doppelbelichtungen (Multiple Exposure) sind Effekte, die sich Filmliebhaber gelegentlich zu Nutze machen.
Der «Fotospezialist» würde bei solchen Aufnahmen zur Karte greifen und ein Kreuz machen.
Welche Kamera für welche Bilder? Mit vier Kameras im Autofriedhof
Ich habe noch gar nicht von meinem Fotoerlebnis vom letzten Wochenende berichtet. Ich musste auch nicht, denn Roger M. Levy hat auf kultpavillon schon über unsere «virtuelle Begegnung in Kaufdorf» gebloggt.
Ich habe den Historischen Autofriedhof im bernischen Kaufdorf besucht. Die Kulisse ist einmalig. Viele Hobbyfotografen verbingen ihre Samstagnachmittage dort. Diesen Sommer bietet sich dazu die einmalige Gelegenheit während der Nationalen Kunstausstellung.
Wie von Roger erwähnt, war ich mit vier Kameras vor Ort (übrigens ein Vorteil, dass ich Kompaktkameras benutze). Wenn ich mit mehreren Kameras unterwegs bin, geht es am Schauplatz dann jeweils darum zu entscheiden, welche Kamera ich für welche Bilder einsetze.
Meine erste Runde machte ich mit der Polaroid-Kamera. Das quadratische Bildformat und der begrenzte Bildausschnitt (ich kann nicht sagen, welcher Brennweite umgerechnet auf Kleinbildformat das Objektiv entspricht) führten meinen Blick. Ich suchte Bilder, die diese Kamera einfangen könnte. Es sollten grosse Flächen mit klaren Linien als Begrenzung sein. Zu viele und zu nahe Details würden wohl schlecht erkennbar sein auf den meist blassen Sofortbildern.
Als zweite Kamera setzte ich meine 6×6-Mitelformatkamera mit Farbnegativfilm geladen ein. Sie würde wahrscheinlich mehr Farben wiedergeben. Und eine entferntere Aufnahmeposition erlauben. Mit dem ebenfalls quadratischen Bildformat suchte ich wiederum ähnliche Kompositionen wie mit der Polaroid. (Die Bilder habe ich noch nicht gesehen, Film ist noch im Labor.)
Ganz andere Bilder machten dann die Kleinbildkamera mit Schwarzweissfilm und die Digitalkamera. Die bessere Optik erlaubt einerseits Nachaufnahmen mit vielen Datails und andererseits weitere Bildausschnitte mit einbezogener Umgebung. Im rechteckigen Bildformat lassen sich andere Kompositionen unterbringen als im Quadrat. Und die genaue Belichtungsmessung ergibt auch in schwierigen Lichtverhältnissen brauchbare Resultate.
Gehe ich heute durch meine digitalen Bilder auf der Festplatte, sind es vielleicht wenige Detailaufnahmen, die für mich nun den Unterschied machen. Ich glaube zwar sogar, dass keine von ihnen ins Set bei Flickr kommen wird.
Je nach Eigenschaften von Optik, Aufnahmematerial und Technik eignen sich Kameras für unterschiedliche Fotos. Mir gefällt die Herausforderung, solche Bilder zu finden, die auf die Stärken und Schwächen der Kameras Rücksicht nehmen. Oder umgekehrt, die Kamera einzusetzen, die für die beabsichtigte Gestaltung die treffendsten Eigenschaften hat.
Das erinnert mich an die Aussage Brooks Jensens im Lenswork Podcast LW0437 (MP3). Er zählt auf, welche Kameras er in seiner Karriere benutzte und folgert, dass Fotografen mit der Ausrüstung arbeiten, die die Bilder macht, die sie sich vorstellen. Das sei ein ständiger Wechsel im Verlauf einer fotografischen Karriere.
So bin ich wohl auch ein fotografischer Slider, der zwischen Kameras wechselt für die Bilder, die ich machen will.
Update: Der Autofriedhof Kaufdorf muss definitiv geräumt werden. Tagesanzeiger, 09.09.2009: «Es ist ein Scheissgefühl. Genau.»
Warum bewegen sich die Sachen nicht auf den Fotos?
Heute lasse ich es bei dieser Frage meiner Tochter. Was soll man denn da als Antwort geben?
Der Schlüssel zur Porträtfotografie: Augenblicken Zeit lassen
In der GAF-Klasse geht es jetzt um Porträtfotografie. Am Samstag haben wir dazu zwei Übungen gemacht, die mir die Augen öffneten und aufzeigten, wie Porträts funktionieren könnten.
Es hört sich eigenartig an: in der ersten Übung steht das Model für 15 Minuten still. Der Fotograf stellt einmal das Bild ein – die Kamera auf dem Stativ – und schaut dann nicht mehr durch den Sucher. Sein Blick richtet sich ganz auf das Model, gesprochen wird während der ganzen Zeit nichts. Der Fotograf beobachtet sein Model, liest Gesichtsregungen und wartet auf den richtigen Moment. Er benutzt am besten einen Fernauslöser.
In der verstreichenden Zeit macht das Model das Bild, weil die Person in ihrer ganz eigenen Art zur Wirkung kommt. Eine Magie, die in der Fotografie wahrscheinlich sichtbar sein wird.
In der zweiten Übung lernten wir, eine Bildvorstellung genau zu formulieren und mit der Kamera einstellen.
Die Kombination der Schritte aus diesen Übungen ergibt eine klare Vorstellung von einem Porträt-Shooting. Und das könnte so ablaufen:
- Der Fotograf sucht sich die Umgebung für sein Bild.
- Mit passender Ausrüstung und Material richtet er das Bild ein und legt den Ausschnitt fest.
- Das Model stellt sich ins Bild.
- Der Fotograf achtet nur noch auf den richtigen Augenblick und löst aus, so oft bis der Ausdruck stimmt.
Jetzt gilt es, diese Schritte in einem eigenen Projekt durchzuspielen. Und das bleibt eine Herausforderung, auch wenn die Erfahrungen aus den Übungen mir doch schon ein sehr viel sichereres Gefühl geben, als ich es zuvor hatte.
Die Übungen sind dem Buch Train Your Gaze von Roswell Angier entnommen.
Gedruckte Fotografie: Es gibt kein gut oder schlecht
Schaut man durch Fotobücher, sieht man bei den gedruckten Bildern alles: von Hochglanzdruck bis Fotokopiererqualität.
Gar nicht selten sind grober Raster, raues Papier, versoffenes Schwarz, ausgefranstes Weiss. Oft schlecht daher kommen Bilder, wenn sie sich über einen tiefen Falz hinweg ausbreiten. Oder sehr kleine Abbildungen.
So zum Beispiel auch im Buch «Eine andere Art zu erzählen», das ich mir kürzlich gekauft habe und sehr empfehlen kann. Im Druck ist viel Zeichnung in den Fotografien verloren gegangen. Die Bilder erzählen ihre Geschichte jedoch auch so.
Alle diese Darstellungsformen im Print widersprechen dem doch oft propagierten Optimierungsstreben bei Megapixeln, Tintenstrahl- und Pigmentgrösse, microfeinen Papieroberflächen und Riesenvergrösserungen.
Mich erstaunt es einfach: in der künstlerischen Darstellung ist alles möglich. Es gibt kein gut oder schlecht. Der Buchmarkt druckt scheinbar alles. Etwas anderes scheint wichtiger zu sein als die maximal mögliche Technologie.
Ich finde diese Beobachtung auf jeden Fall inspirierend für eigene Ideen, wie ich Bilder präsentieren könnte.
Lieblings-Flickr-Gruppen: Wie es euch gefällt
Kürzlich hat Doris zu mir gesagt, sie fände es noch nicht so einfach, auf Flickr die Fotos zu finden, die ihr gefallen. Ich meinte darauf, der Schlüssel dazu seien wohl die «Gruppen».
Ich möchte deshalb hier einmal meine Lieblingsgruppen auf Flickr vorstellen, in denen ich Fotos finde, die mir gefallen und mich inspirieren.
- Quite Useless – Hier versammeln sich Fotografen, die von Stanislav eingeladen wurden, ihre Fotos der Gruppe beizusteuern. Zu sehen sind Bilder von oft sehr eigenwilligem künstlerischem Ausdruck. Stanislav gibt auch das «Quite Useless Magazine» heraus.
- 6×6 magic – Der ganze Zauber des quadratischen Mittelformat-Films. Die Palette reicht von Hasselblad bis Holga.
- B&W SQUARE GROUP – Hier wird das quadratische Format noch auf Schwarzweiss reduziert, dafür gibt es auch Digitalfotografie zu sehen.
- Film is not dead it just smells funny – Die Gruppe, aus der Fotos für das gleichnamige Blog auf
www.smellsfunny.netneu www.thiaps.com ausgewählt werden. - Lo-Fi Landscapes – «Lo-Fi» bedeutet, dass auch hier meist Toycameras im Spiel sind. Ein wunderbarer Blick auf Landschaften in der Natur oder Stadt.
- Vintage Agfa – 120 format – Ist ein Beispiel für eine Gruppe nach Kameratyp. Es ist inspirierend zu sehen, was andere mit einer Kamera, wie ich selber eine habe, zu Stande bringen.
- khôra – Eine kleine Gruppe, die den farblosen Minimalismus pflegt.
- Urban Fragments (No People) – Eine der vielen «Stadt»-Gruppen. Für mich eine der liebsten für meine Strassen- und Steinbilder.
Meine Lieblingsgruppen verfolge ich übrigens in einem Feed-Reader (Was ist das?). Wenn ich eintauchen will in einen Bilderstrom, schaue ich mir die Bilder in den Gruppen an und komme dabei vielleicht selber auf neue Ideen.
Ich möchte es hier einmal mit einer Einladung zum Kommentieren probieren: Was sind deine Lieblings-Flickr-Gruppen? Verrate uns deine Inspirationsquellen!


