Archiv vom April 2008
Mein Film-Workflow
Gestern habe ich wieder einmal einen Schwarzweissfilm vom Entwickeln abgeholt (meine Bilder zum Lochkamera-Tag). Dabei habe ich mich daran erinnert, dass ich hier doch die Arbeitsschritte vom Fotofilm zum Bild im Web beschreiben wollte.
Hier also die Stationen in meinem Film-Workflow:
- Filmkauf. Schon beim Kauf fängt das Film-Erlebnis an. Es kommt vor, dass ich in einem Fotogeschäft einfach nehme, was gerade da ist. Oder ich kaufe im «Eschenmoser» (heute Fust) ein, weil dort die Auswahl noch recht gross ist. Am liebsten habe ich für Schwarzweiss die Filme Ilford FP4 (ISO 125) oder HP5 (ISO 400). Als besonders geeignet für die Lochkamera hat sich der Ilford XP2 herausgestellt, weil der Film sehr gutmütig mit der Belichtung ist und im Farbprozess eines 1-Stunden-Labors entwickelt werden kann. Für Farbaufnahmen nehme ich gerne Fujifilm-Material (auch praktisch via Online-Shop zu beziehen). Bei Farbfilmen habe ich erst kürzlich angefangen, Positiv-Filme (Dia) zu nehmen. Grund: mein Scanner ist nicht so gut mit Farbnegativfilm (siehe weiter unten).
- Film entwickeln. Die belichteten Filme gebe ich ins Labor. Ich lasse sie nur entwickeln und in Streifen schneiden (am besten fürs Scannen nachher: 6er-Streufen für 35mm-Film und 2er-Streifen für 120er-Film im Format 6×6). Die meisten Filme bringe ich zum «Eschenmoser» (Schwarzweiss und Farbe). Dieser lässt sie bei Procine in Wädenswil entwickeln. Nach 3 oder 4 Tagen kann ich die Filme abholen. Wenn ich es schneller haben will, gehe ich in ein 1-Stunden-Labor (Schwarzweiss mit Ilford XP2 und Farbnegativfilme). Meist ist das dann bei Foto Ganz im ShopVille.
Schwarzweissfilme selber in der Dose zu entwickeln, das wäre wieder einmal toll. Momentan mach ich es aber nicht. Vielleicht gehe ich dann doch einmal ins Labor in unserer Genossenschaft, wer weiss. - Scannen. Zuhause kommt jetzt mein Scanner «Epson Perfection 4490 Photo» zum Zug. Dieses Modell ist bei Weitem nicht das Tollste, aber es scannt 35mm und 120er-Film mit der integrierten Durchlichteinheit im Deckel. Ich scanne mit den Filmhaltern von Epson und mit der Software von Epson. Hier wäre mit besserem Zubehör oder anderer Programme sicher viel herauszuholen. Schwarzweissfilm scanne ich in RGB. Gute Farben erhalte ich beim Scannen von Diafilm. Mit Farbnegativfilm hat die Software Mühe. Ein Trick wäre, Negative positiv zu scannen und die Umkehrung auf dem Computer zu machen. In jedem Fall sind gute Resultate nicht leicht zu erreichen. Auflösung und Endgrösse wähle ich grosszügig. Ich mach einen Vorschau-Scann, wähle die Bilder aus und stelle für jedes Helligkeit und Kontrast ein. Ich scanne relativ flau, so dass ich sowohl in den dunklen wie in den hellen Stellen viel Zeichnung habe. Gescannt wird dann im Mehrfachmodus in ein Verzeichnis pro Filmrolle.
Besondere Herausforderung sind Staub und Flecken auf dem Film beim Scannen. Deshalb arbeite ich mit Fotohandschuhen und Blasbalg. - Digital bearbeiten. Jetzt sind die Fotos digital und lassen sich im Bildprogramm bearbeiten. Zuschneiden und Verkleinern auf 1600 Pixel Breite sind die ersten Schritte. Dann kommt die Tonwertkorrektur und bei Schwarzweiss das Anwenden eines Schwarzweissfilters für neutrales Grau, immer noch in RGB. Mit dem Stempelwerkzeug entferne ich Staub. Ein bisschen Unscharfmaskieren und speichern (in höchster JPEG-Qualität).
- Ins Web stellen. In der Grösse von 1600 Pixel stelle ich die meisten meiner Bilder auf Flickr. Für manche Seiten verkleinere ich sie weiter. Im Bildprogramm gebe ich den Fotos Schlagwörter, manchmal bearbeite ich auch weitere EXIF-Angaben wie Datum und Uhrzeit, Kamera und Copyright.
- Prints machen. Ich habe erst wenige Versuche mit Abzügen von meinen gescannten Bildern gemacht. Von den 1600-Pixel-Versionen habe ich schon einmal gute Prints in der Grösse von 20×20 cm (ab 6×6-Mittelformatfilm) machen lassen.
So, das ganze dauert natürlich eine Weile. Viel aufwändiger als der digitale Prozess scheint mir dieser Workflow aber kaum.
Die Qualität reicht mir für meine Zwecke aus. Sollte ich einmal ein Bild in besserer Qualität brauchen, habe ich ja immer den Originalfilm, aus dem sich bessere Scans oder auch direkt analoge Vergrösserungen herstellen liessen.
Wenn jemand zu diesen Angaben Ergänzungen machen will oder Fragen hat, dann freue ich mich über Kommentare oder E-Mails.
Stativ für Kompaktkameras: Slik Sprint
Der Man with a Movie Camera trägt seine Kamera auf einem schweren Stativ durch die Strassen. Der Mann mit Kompaktkamera – das wäre ich – hat ein leichtes Stativ, das er auch in seine Tasche stecken kann.
Mein Stativ Slik «Sprint» habe ich vom Foto Bären in Zürich. Es hat mir gefallen, weil es einfach das ist, was es sein soll: ein Stativ zum leicht Mitnehmen.

Das «Sprint» kommt ohne Schnicknack aus, und das entspricht mir. Die Beine lassen sich in vier Elemente ausziehen. In seiner vollen Grösse kommt das Stativ bei mir fast auf Augenhöhe (max. Höhe gemäss technischer Beschreibung: 160 cm). Die Mittelsäule lässt sich auch umdrehen. Der kleine Kugelkopf hält die Kamera zuverlässig. Empfohlen ist das Stativ für Kameras bis 1,4 Kilogramm. Für alle meine Kompaktkameras (digital oder Mittelformat) bietet das Dreibein genügend Stütze.
In der Praxis habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Stand meist auch gut ist, wenn die Beine nicht ganz bis zum Anschlag nach aussen gespreizt sind. Das «Sprint» erweist sich als schnell und flexibel im Auf- und Umstellen, je nach Platzverhältnis und Aufnahmesituation. Ein etwas schiefer Stand kann mit dem Kugelkopf leicht ausgeglichen werden.
Ich war ja schon eine Weile auf der Suche nach einem neuen Stativ. Schliesslich habe ich weder das China-Stativ noch eines der beiden grossen Marken genommen. Ich finde, die japanische Stativschmiede Slik hat mit dem «Sprint» ein solides Stativ in schöner Pro-Optik am Markt, das auch recht günstig ist. Ich bin mit dem dem «Sprint» gut bedient, auch wenn es nicht alle Einstellungen erlaubt. Dafür hat es denselben Vorteil, den meine Kameras haben: es ist kompakt.
Link:
Slik Sprint bei THK Photo Products
Am Sonntag 27. April 2008 ist Welt-Lochkamera-Tag [Update]
Heute in einer Woche ist «Weltweiter Tag der Lochkamera-Fotografie». Mitmachen kann jeder: Teilnehmer können ein Foto einreichen, das sie an diesem Tag mit irgend einer Lochkamera gemacht haben.
Ich werde sicher mit meiner Lochkamera Bilder machen. Der Zirkus Knie wird auf dem Zürcher Sechseläutenplatz sein und vermutlich werde ich dort versuchen, mit der Pinhole-Kamera etwas Zirkus-Stimmung einzufangen.
Ich bin jetzt schon gespannt auf die (Schweizer) Beteiligung und die Resultate …
[Update, 27. April 2008]
Hier sind die Bilder aller Schweizer Teilnehmer am Worldwide Pinhole Photographie Day 2008.
Und hier ist mein eingereichtes Bild:
Alle meine Lochkamera-Fotos von heute.
Meinen Film habe ich gleich im Stundenservice entwickeln lassen und konnte so am Abend die Bilder scannen.
Ich freue mich über die Resultate.
Link:
www.pinholeday.org
Polaroids eines Sonntagmorgens
Es war ein frühlingshafter Sonntagmorgen. Ein paar Schritte im Freien mit der Tochter und der «Polaroid 2000 Land Camera». Nur kurz rund ums Haus. Den Blick durch den Sucher auf die bekannte Umgebung gerichtet, mit der Sofortbildkamera klare Linien suchen und beobachten, wie sich die Farben entwickeln.
Die Polaroid-Kamera hatte ich am Samstag auf dem Flohmarkt gefunden. Ich habe zugeschlagen, weil ich Lust hatte, doch auch einmal am grossen Polaroid-Erlebnis teilzuhaben.
Seit Polaroid im Februar 2008 angekündigt hatte, dass die Herstellung von Sofortbildfilmen eingestellt wird, schien das spezielle Format vermehrt auf sich aufmerksam zu machen. In der Buchhandlung kam mir dann auch Walker Evans «Polaroids»-Buch in die Hand. Fesselnde Bilder. «Sie sind klar, jedoch nie simpel. Sie sind einfach, und doch berühren sie tief», wie es in der Buchbeschreibung heisst.
Nachdem ich das Bild er Kamera auf Flickr gezeigt hatte, war ich vom ersten Kommentar erst etwas entmutigt. Filme zu einem vernünftigen Preis zu finden, dürfte schwierig werden. Die Migros zum Beispiel hat die 600er-Filme offenbar nicht mehr im Angebot. Ein Pack für den ersten Test habe ich dann im Interdiscout gekauft.
Die Polaroid 2000 wurde für SX-70-Filme gebaut. Aus dem Artikel «A Polaroid Primer: Integral Films» wusste ich, dass SX-70-Kameras für 600er-Filme modifiziert werden können. Denn die neueren 600er-Filme sind rund 4 Mal empfindlicher als die Original-Filme.
Ein weiterer Hinweis kam wieder via Flickr-Kommentar: Gemäss dieser Beschreibung kann der Belichtungsmesser korrigiert werden, was wohl der einfachste und dauerhafteste Eingriff ist. Diese Modifikation nahm ich also in Angriff.
Wenn auch schweisstreibend, gelang mir der Eingriff. Und am Sonntagmorgen war ich und die Polaroid bereit für den Ausflug. Die Flecken auf allen Bildern kommen von Schmutz auf den Entwicklerwalzen in der Kamera. Ich konnte den Dreck natürlich nicht weg putzen solange die Filmkassette noch in der Kamera war. Mich stören die Punkte auf den Bildern eigentlich gar nicht. Die Magie von Polaroid, so finde ich, ist in den Bildern drin. Und ich bin froh um diese Erfahrung.
Siehe auch:
Save Polaroid
Gruppe «Polaroids» auf Flickr
Polaroid-a-palooza: Ten Ways to Love Polaroid Before The Film Runs Out – Photojojo.com
Ein bisschen Korrektur muss sein
Wenn die Automatik keine guten Bilder macht, dann braucht’s eine bessere Kamera. Eine Aussage nach dieser Logik hörte ich diese Woche in einem Gespräch darüber, warum Konzertfotos oft nicht leicht gelingen.
Ich gab ein paar einfache Tipps zur Konzertfotografie: ISO-Zahl nach oben, Belichtungskorrektur nach unten und keinen Blitz verwenden.
Die Reaktion darauf: «Aber ich will nichts verstellen, denn alle anderen Fotos sind ja im Normalfall gut.» Die Logik ist hier also: An der Kamera nur nichts selber einstellen. Die Automatik muss in jeder Lichtsituation gute Fotos machen können. Sonst ist die Kamera schlecht. Profis machen schliesslich auch bessere Fotos, denn sie haben bessere Kameras.
Dies ist eine wunderbare Ausgangslage für die Diskussion, ob die Kamera oder der Fotograf das Bild macht.
Ich halte der Automatik-Logik entgegen, dass es eben schon ein bisschen Handwerk braucht, um in schwierigen Lichtsituationen gute Bilder zu machen. Das macht den Fotografen aus. Und es ist natürlich auch Hobbyfotografen nicht verboten, eine Korrektur zum Guten vorzunehmen.
Nach der Automatik-Logik funktioniert jedoch wahrscheinlich der Massenmarkt. Und immer mehr Leute erhoffen sich mit immer neueren Kameras immer bessere Bilder …
Blitzsynchronisationszeit: Kein Thema mit digitaler Kompaktkamera
Am Samstag in der GAF-Klasse haben wir Übungen mit dem Licht gemacht – mit vorhandenem Licht und mit Blitzlicht. In den theoretischen Grundlagen zur Blitztechnik haben wir auch das Thema «Blitzsynchronisationszeit» angesprochen.
Die Blitzynchronisationszeit ist die kürzeste Belichtungszeit, mit der eine Kamera Blitzaufnahmen machen kann. Gewöhnlich liegt sie etwa bei 1/125 oder 1/250. Wird mit einer kürzeren Belichtungszeit geblitzt, treten bei Kameras mit Schlitzverschluss schwarze Balken im Bild auf. Der Grund: noch während der Blitz am Leuchten ist, verdeckt der sich schon schliessende Verschlussvorhang einen Teil der Bildfläche.
Im praktischen Teil war dieser Effekt dann auch tatsächlich zu sehen. Eine digitale Spiegelreflexkamera belichtete mit einem 1/600 und im Bild waren Teile schwarz.
Ich hatte jedoch mit meiner digitalen Kompaktkamera auch Blitzaufnahmen gemacht und zwar mit einer sehr kurzen Verschlusszeit von 1/2000. Das Bild war gut belichtet und hatte keine schwarzen Balken.
Die Blitzsynchronisationszeit ist für die Kompaktkamera kein Thema. In der Kompaktkamera ist kein Platz für einen mechanischen Schlitzverschluss. Die Belichtung wird elektronisch gesteuert. Der Sensor wird für die Aufnahme einfach ein- und ausgeschaltet. Ohne die mechanischen Einschränkungen sind so kürzere Belichtungszeiten auch mit Blitz möglich.
Für diese Übung habe ich übrigens mein gut 20-jähriges Blitzgerät Osram AF 281 Studio (Bild) auf meine Ricoh GR Digital gesteckt, was wegen der Grössenverhältnisse (Blitz gross, Kamera klein) ein ziemlich lustiges Bild abgab. Das Gerät arbeitet noch tadellos. Verbunden habe ich Kamera und Blitz einmal auch mit einem Synchronisationskabel. Und ich war erstaunt, wie mir das Off-Kamera-Blitzen auf einmal Spass machte.
Siehe auch:
Wie funktioniert ein Schlitzverschluss? – Digicam-Experts.de
Verschluss – olypedia.de
Schlitzverschluss – Wikipedia
Blog-Einträge, für die Besucher hier her kommen
Es scheint, als nehme die Reichweite meines Blogs wieder zu. Einen Schub bringt sicher die Erwähnung in der Zeitschrift «anthrazit», Ausgabe April 2008, zum Thema «Digitale Fotografie».
Dort wird als Link-Tipp unter dem Stichwort «Fotokurse im Web» auf diese Seite verwiesen und speziell der Artikel «Wie halte ich eine Kompaktkamera» hervorgehoben.
Ich dachte mir deshalb, ich sollte diesen und vielleicht einige andere Artikel wieder einmal an die Oberfläche holen.
Beliebteste Einträge (Auswahl)
- Wie halte ich eine Kompaktkamera
- Fotografieren mit Blitz
- Digital fotografieren: Noch mehr Tipps
- EXIF-Daten von Bildern bearbeiten mit Reveal
- PDF auf dem Mac: «Vorschau» macht’s
- Immer wieder diese Leerzeichen
- Favicon erstellen
- Re: Browser für Mac OS 9.2
Diese Liste ist teilweise nach meiner Bewertung und teilweise nach Zugriffstatistik entstanden. Mein Blog ist ja schon über vier Jahre alt, und ich erinnere mich an die eine oder andere Geschichte, die mir damals viel bedeutete oder ein grosses Echo fand.
Die Erwähnung in «anthrazit» hat mich natürlich gefreut. Wäre da nur nicht der blöde Verschreiber in meinem Namen. Ich habe nichts mit einem ehemaligen Schweizer Bundesrat mit Vornamen Christoph aus Meilen zu tun. Mein Name ist Stefan Bucher. (Siehe Bild aus «anthrazit» mit Schreibfehler.)



