Archiv vom März 2008
Mit bescheidenen Mitteln: Jeder die Fotos, die möglich sind
Wir alle tun, was wir können – und mit den Mitteln, die wir haben. Was uns zur Verfügung steht, beeinflusst wohl auch die Fotos, die wir machen.
Es gibt einerseits Fotografien, die faszinieren, weil sie mit Mitteln entstanden sind, die den meisten von uns nicht zugänglich sind. Andererseits haben in der Geschichte der Fotografie viele Künstler Ruhm erlangt mit Fotos aus ihrer nächsten Umgebung.
Ich stelle auch an mir selber fest, dass meine Fotos entsprechend meinen Möglichkeiten herauskommen. Beschränkungen begegnen mir zum Beispiel in den folgenden Bereichen:
- Raum. Vielleicht fotografiert jemand nur seine Küche, den eigenen Garten oder die Strasse im Quartier. Der Raum, in dem ich mich bewege, lässt sich meinen Mitteln entsprechend ausdehnen. Für mich ist es meist die Stadt Zürich. Andere können um die Welt reisen. Entsprechend sind die Fotos.
- Zeit. Kannst du dir vier Wochen Urlaub für eine Fotoreise nehmen? Ich nicht. Zwar habe ich immer eine Kamera bei mir. Die Zeit, in der ich fotografiere, muss ich mir frei machen – in der Woche sind es vielleicht drei bis fünf Stunden. Entsprechend der Zeit entstehen eine beschränkte Anzahl Bilder.
- Ausrüstung. Eine gebrauchte Filmkamera für 20 Franken ist schneller gekauft als eine digitale Profiausrüstung. Das ist ein Grund, warum ich mit meiner heutigen Ausrüstung nicht das ganz grosse Shooting bestreiten kann. Meine Kameras bestimmen meinen Stil, und meine Auswahl ist momentan beschränkt.
- Bildbearbeitung. Alter und Ausstattung des Computers können die Gestaltungsmöglichkeiten in der Nachbearbeitung beschränken. Oder die Mittel fehlen für ausgefallene Verarbeitungsprozesse oder Techniken. Ich habe einen Scanner, doch auch hier liesse sich mit besserer Ausstattung mehr herausholen.
Offensichtlich spielt bei allen diesen Themen das Geld eine Rolle. Darüber soll man aber ja nicht klagen. ;-)
Ich finde es faszinierend, wenn Menschen ihre Ideen und Vorstellungen umsetzen können mit den Mitteln, die sie gerade zur Verfügung haben. Und momentan orientiert sich mein Geschmack eher nach unten. In welche Richtung ich meine Möglichkeiten erweitern kann, das muss sich erst noch zeigen.
Spiegelverkehrte Bilder: Krasse Verfälschungen von historischen Dokumenten
Gestern in der Ausstellung mit Fotografien von Theo Frey in der Fotostiftung Schweiz in Winterthur ist es mir an zwei Beispielen aufgefallen: Bilder, die man sowohl als Fotoabzug wie auch in einem Abdruck in einer Zeitschrift sieht, sind in zwei spiegelverkehrten Versionen dargestellt.
Ein Beispiel ist das Bild eines Kindes, das sich ans Bein des Vaters klammert. Das andere zeigt Bomben auf den Zürcher Eisenbahnviadukt.
Sofort regten sich in mir viele Fragen, denn das Spiegeln von Bildern erachte ich persönlich für einen «foto-ethisch» nicht zulässigen Eingriff. Ich meine, das Spiegeln verfälscht die künstlerische Qualität eines Bildes, bzw. die Komposition. Der Ausdruck von Menschen wird komplett verfälscht. Und natürlich werden historische Tatsachen im Bild verdreht.
Weil ich verstehen wollte, wie den spiegelverkehrten Bildern zu Stande kamen, fragte ich in einer E-Mail bei der Fotostiftung Schweiz nach. Meine zentralen Fragen:
- Haben in den beiden Fällen die Zeitschriften das Bild gespiegelt?
- War diese Praxis damals verbreitet? (Ich stelle mir vor, sie ist es heute auch noch.)
- Wie stellt sich der Fotograf zu dieser Praxis?
Die Antwort schrieb mir heute Dr. Peter Pfrunder, Direktor des Fotostiftung Schweiz.
Ihre Beobachtung ist absolut zutreffend: auf einigen Zeitschriften, die wir in den Vitrinen zeigen, wurden die Fotografien spiegelverkehrt abgedruckt. Das war in den Dreissiger- und Vierzigerjahren nichts Aussergewöhnliches: Vor allem für das Titelbild nahmen sich die Bildredaktoren die Freiheit heraus, Fotografien so zu präsentieren, dass sie in die Reportage bzw. Leserichtung hineinziehen (Ausrichtung des Titelbildes nach rechts) – selbst dann, wenn dadurch krasse Verfälschungen von überprüfbaren Situationen entstanden (wie im Bild des bombardierten Eisenbahnviadukts).
(…) Im Fall von Theo Frey ist mir nicht bekannt, dass er sich dagegen gewehrt hätte. Dasselbe gilt übrigens für die zum Teil recht massive Beschneidung von Fotografien, damit diese ins Layout passten. Theo Frey, der sehr häufig im quadratischen 6×6-Format fotografierte, musste diesbezüglich ebenfalls starke «Entstellungen» in Kauf nehmen, indem die Bilder auf Hoch- oder Querformate zurechtgestutzt wurden.
(…) In unserer Theo Frey-Ausstellung haben wir bei Neuabzügen selbstverständlich die ursprüngliche, richtige Version der Fotografie respektiert. (…)
Und zur Praxis heute:
Heute mögen Verkehrungen in Einzelfällen – in der Regel in Absprache mit dem Autor – noch vorkommen, aber im allgemeinen ist der Respekt vor dem Autor
bzw. seinem Bild doch gewachsen.
Das finde ich eine super freundliche und ausführliche Antwort, die mir hilft, die damaligen Verhältnisse zu verstehen.
Und ich darf also meine Meinung weiterhin mit Überzeugung vertreten, dass das Spiegeln eines Bildes eine schlechte Mode aus vergangenen Zeiten ist.
Das Thema mit dem Beschneiden von quadratischen Bildern schätze ich als weniger dramatisch ein.
Von den Herausforderungen eines Fotoprojekts
In der GAF-Klasse haben wir die Aufgabe, bis Ende April eine Fotoreportage zu machen. Das ist eine grosse Herausforderung und es stellen sich so manche Fragen, wie das Projekt angegangen und umgesetzt werden soll.
Schon bevor ich mit dem Projekt angefangen hatte, war mir klar, was für mich die grösste Schwierigkeit sein würde: Mit Konzept anstatt frei fotografieren. So wie ich bisher mit meiner Kamera unterwegs war, fotografierte ich nach Lust und Laune und suchte mir die Plätze aus, die mich gerade interessierten. So ganz anders ist es, wenn ich mir zuvor überlege, was ich fotografiere, die Bilder plane, auch Menschen mit ins Bild hineinstelle.
Nach einer Woche Reportage-Aufgabe habe ich nun meine ersten Erfahrungen gemacht. Eine Idee hatte ich gefunden und einen ersten Kontakt geknüpft. Nach ein paar Telefongesprächen und einem Besuch vor Ort bin ich mir allerdings nicht mehr sicher, ob sich die Geschichte dieses Schauplatzes in Bildern festhalten lässt.
Für mich ist es wohl am passendsten, wenn ich mir einen Schauplatz suche, den ich zu mir passenden Zeiten besuchen und dann dort frei fotografieren kann. Wohl muss ich mir auch verschiedene Runden der Annäherung erlauben, bevor ich aussagestarke Bilder machen kann.
Schliesslich denke ich, sollten 6 bis 10 Bilder für diese Aufgabe genügen. Wenn sie den Charakter eines Ortes beschreiben oder einen Zustand dokumentieren können, dann dürfte dies als Ergebnis ausreichen. Denn was ist den heute überhaupt eine Fotoreportage? Was lässt sich in zwei Monaten realisieren?
Interessant hierzu finde ich einige Aussagen in der BBC-Sendung The Genius of Photography: Right Time – Right Place
(zu sehen bei archive.org) über die klassische und die zeitgenössische Reportage-Fotografie.
Ich bin selber gespannt, welche Bilder ich Ende April zu zeigen habe …
Tonwertkorrektur einfach erklärt im mut.de-Podcast
Manchmal sind es die einfachsten Erklärungen, die am besten haften bleiben. So gegangen ist es mir mit einer Erklärung des Begriffs «Tonwertkorrektur». Klar: es geht darum, in der digitalen Bildbearbeitung ein Bild in der Helligkeit zu korrigieren und ihm ein wirklich weisses Weiss und ein sattes, dunkles Schwarz zu geben.
In der Folge «18. Trübes Tageslicht ausgleichen» (MP3) im Fotopodcast von «Markt und Technik» geht es zur Sache:
Einmal abgesehen davon, dass das «Histogramm» erklärt wird, bekommen die drei kleinen Regler für die Tonwertkorrektur mit einfachen Worten einen Sinn. Zitat aus dem PDF zur Folge:
Direkt unter dem Histogramm stehen drei Regler, drei kleine Dreiecke. Mit dem mittleren Regler ändern Sie die Gesamthelligkeit, mit den beiden äusseren den Kontrast.
So ist es, und das kann man sich leicht merken.
Den Fotopodcast von mut.de finde ich übrigens ein recht gelungener kommerzieller Podcast. Und die Macher erweitern das Format aktuell sogar – mit Interviews und Bildbesprechungen.