Bildlegenden – Ich sehe etwas, was du nicht siehst

In Zeitungen und Zeitschriften kommen Bilder meist nicht ohne Worte aus. Vom Bild geht der Blick häufig auf die Bildlegende – eine der meistgelesenen Textsorten im Journalismus.

Um zu verstehen, was die Bedeutung der Bildlegende ist, hat mir seit der Journalismusausbildung das vielerlei interpretierbare Sprichwort «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte» geholfen. Weil gerade ein Bild viel und für jeden Betrachter etwas anderes sagt, braucht es den Text, der die Bedeutung einschränkt und auf den Sinn der journalistischen Geschichte lenkt.

So erfüllt die Bildlegende die Funktion als Mittler zwischen Bild und Artikel mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen.

Eine andere Redewendung beschreibt die Situation von Bild und Text auch gut: «Ich sehe etwas, was du nicht siehst». Wie im Kinderspiel greift die Bildlegende ein Merkmal des Bildes heraus, das für die Geschichte wichtig ist.

Gefunden habe ich diese Interpretation der Bildlegende Kursausschreibung der MAZ Journalistenschule zu dieser Textsorte.

Geschrieben von Stefan Bucher am 24. Januar 2008 in Medien. Tags: , , , . 3.616 Mal angesehen.

Kommentare

  • Thinkabout sagt:

    Die Gedanken, was der Text unter einem Bild soll, finde ich interessant: Führt er den Betrachter oder verhindert er einen freien Blick auf das Bild?
    Während in der Kunst das Bild für sich sprechen soll, ja jeder zwangsläufig sein eigenes Bild sieht, geht es beim journalistischen Bild, dem textbegleitenden Foto um eine Illustration und Verdeutlichung. Sie ist Instrument des Verfassers / Redakteurs, und also ist es tatsächlich so, dass ein guter Bildtext die Symbiose von Text und Foto erleichtert und unterstützt.

  • Ronaldo sagt:

    Im Hinblick auf die Kunst wird ein freier Blick auf das Bild verhindert, im Hinblick auf den Journalismus hat die Bildunterschrift viele Vorteile, denke ich.

  • Interessant, dass ihr beide in euren Kommentaren die Bildunterschrift in der Kunst ansprecht. Daran habe ich bei diesem Beitrag gar nicht gedacht.
    Bilder kommunizieren. Und ich könnte mir vorstellen, wenn ein Künstler eine ganz klare Kommunikationsabsicht hat, dass er dann auch dem Bild einen Text dazu stellt. Ich denke, man sieht das auch da und dort.

    Ein anderes Thema sind dann noch die Begleittexte von Ausstellungsmachern, Kunsthistorikern oder Kulturjournalisten, die meiner Meinung nach den Blick tatsächlich behindern.

  • Hinterlasse eine Antwort

    *

    Teilen

    Was ist das hier?

    Weblog von Stefan Bucher seit 2003. Ich fotografiere leidenschaftlich seit meiner Jugend – in den letzten fünf Jahren wieder meist auf Film. Ich teile gerne meine Erfahrungen und berichte über meine Projekte. Mein Zuhause ist in Zürich, Schweiz.