Archiv vom Januar 2008

Wer kennt die Geschichte dieses Fotos?

In so vielen alten Fotoalben und Schuhschachteln schlummern vergessene Prachtsfotos. Wer die Personen darauf sind und wie die Bilder entstanden sind, bleiben meist ein Geheimnis.

Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit, aus einem alten Familienalbum einige Fotos an mich zu nehmen. Ich habe sie damals als Collage in einem Rahmen zusammengestellt. Nun habe ich die Bilder eingescannt und auf Flickr hochgeladen. Aufnahmeort und -Datum und auch die abgebildeten Personen sind mir unbekannt.

Ich habe versucht mir vorzustellen, wie das Bild mit Mann und Frau auf einer hohen Mauer sitzend wohl entstanden sei.

  • Wer sind die abgebildeten Personen? Wer war der Fotograf? Kannte er das Paar? Hat er sie gebeten, diese Position einzunehmen? Oder ist das Bild im Vorbeigehen entstanden?
  • War es ein geübter Fotograf? Ist die so reduzierte Bildgestaltung einfach Zufall oder Konzept? Mit welcher Motivation hat er das Paar ins Bild gesetzt? Sind alle vier Bilder von demselben Fotografen aufgenommen?
  • Bedenkt man die damaligen technischen Möglichkeiten: Welche Kamera benutzte er? Wie lange war wohl die Belichtungszeit? Wurde ein Stativ benutzt? Konnte der Fotograf es sich erlauben, mehrere Aufnahmen zu machen, oder war es ein einziges Bild?

Auch wenn diese Fragen unbeantwortet bleiben – die Kraft dieser Bilder fasziniert mich. Und ich schaue sie mir gerne an um von ihnen zu lernen.

Bildlegenden – Ich sehe etwas, was du nicht siehst

In Zeitungen und Zeitschriften kommen Bilder meist nicht ohne Worte aus. Vom Bild geht der Blick häufig auf die Bildlegende – eine der meistgelesenen Textsorten im Journalismus.

Um zu verstehen, was die Bedeutung der Bildlegende ist, hat mir seit der Journalismusausbildung das vielerlei interpretierbare Sprichwort «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte» geholfen. Weil gerade ein Bild viel und für jeden Betrachter etwas anderes sagt, braucht es den Text, der die Bedeutung einschränkt und auf den Sinn der journalistischen Geschichte lenkt.

So erfüllt die Bildlegende die Funktion als Mittler zwischen Bild und Artikel mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen.

Eine andere Redewendung beschreibt die Situation von Bild und Text auch gut: «Ich sehe etwas, was du nicht siehst». Wie im Kinderspiel greift die Bildlegende ein Merkmal des Bildes heraus, das für die Geschichte wichtig ist.

Gefunden habe ich diese Interpretation der Bildlegende Kursausschreibung der MAZ Journalistenschule zu dieser Textsorte.

Lochkamera-Bausatz: Wunderbare Fotos aus der schwarzen Box

Am letzten Samstag habe ich im Arslonga eine zusammensteckbare Lochkamera gekauft. Der Bausatz «Pinhole Camera» von 4M wird unter dem Label «Kidz Labs» verkauft und verspricht ein inspiring optical science kit for both kids and adults (Text auf der Schachtel) zu sein.

Ein Spielzeug auch für mich, dachte ich, und kaufte mir diese schwarze Plastik-Lochkamera. (Bilder von der Kamera gibt es auf Flickr.)

Am Sonntag und am Montag, in der Mittagspause bei Sonne am Zürcher Platzspitz, habe ich meinen ersten Film mit der Pinhole durchgelassen.

Platzspitz (Pinhole)

Der Bausatz ist einfach zusammenzusetzen. Zu erst schneidet man aus der mitgelieferten Alufolie ein Stück aus, das man mit dem auch enthaltenen doppelseitigen Klebeband an die Innenseite der vorderen Abdeckung klebt. Die Beschreibung erklärt dann, wie mit einer Nadel ein Loch in die Folie zu machen ist. Schwierigkeit hier: das Loch sollte in der Mitte und möglichst klein sein. Mir gelang der erste Versuch noch nicht so recht. Zum Glück liegen in der Schachtel genügend Folie und Kleber für mehrere Versuche (oder auch Experimente). Die weiteren Teile sind leicht zusammengesetzt. Für den «Verschluss» muss eine Feder eingesetzt werden. Sie bewegt dann einen Schieber vor das Loch in die Kamera. Mit dem «Auslöser» drückt man den Schieber dann herunter. Im Innern ist alles vorgefertigt, die drei Hauptbauteile und die Spulen müssen nur zusammengefügt werden. Die hintere Abdeckung wir auf beiden Seiten mit Klammern festgemacht. Alles passt und wirkt lichtdicht. Eine sehr komfortable Lochkamera.

Eingelegt wird ein 35mm-Kleinbildfilm. Das Einfädeln ist ein bisschen mühsam, da die Spule locker sitzt und erst mit dem Schliessen der Rückwand fest sitzt. Damit der Film flach liegt, ist es wichtig, mit dem Rückspulknopf den Film zu spannen. Beim ersten Versuch ist mir dabei der Film von der Spule gerutscht und die Lasche wurde in die Dose hineingezogen. Schliesslich stellte sich dies als Glücksfall heraus. Denn jetzt musste ich einen anderen Film nehmen und bei mir lag noch ein Ilford XP2 herum. Der Schwarzweissfilm mit ISO400 lässt sich im Farbprozess und daher im 1-Stundenservice entwickeln. Ausserdem ist er sehr gutmütig bei Über- und Unterbelichtung. Das ist für Lochkameraexperimente eine sehr gute Voraussetzung.

Ich war also bereit zum Fotografieren mit meiner schicken schwarzen Box. Am Sonntag machte ich ein paar Aufnahmen rund um das Haus.

(Pinhole)

Bei dieser Aufnahme habe ich die Kamera auf ein Stativ gestellt. Nein, die Pinhole hat keine Stativgewinde, aber die Stellfläche an meinem Stativkopf ist genügend gross, um neben der Schraube die Kamera aufzulegen und festzuhalten. Belichtet habe ich rund 3 Sekunden. Ich habe keine grossen Berechnungen angestellt. Ich ging davon aus, dass ich mit ISO400 bei bedecktem Himmel etwa im gleichen Bereich liegen würde wie bei meinen früheren Pinhole-Experimenten mit einer Streichholzschachtel bei Sonne und mit ISO200-Film.

Am Montag in der Mittagspause schien dann die Sonne. Die Fotos sind ausgezeichnet beleuchtet und der Film in der Kamera hat in diesem Licht viele Details aufzeichnen können. Die Bilder werden erstaunlich scharf, wenn die Kamera auf einem festen Untergrund festgehalten wird.

Platzspitz (Pinhole)

Bei dieser Aufnahme habe ich die Kamera mit dem Rückteil auf eine Mauer gelegt und senkrecht nach oben fotografiert.

Für mich liefert die Kamera wertvolle Bilder – in einer wunderbar unperfekten Bildsprache, die aber genug zeigt, um doch eine Szene beschreiben zu können. Ich würde die Lochkamera gerne auf einer Reise einsetzen, denn sie ist leicht und robust, und sie funktioniert, wie es scheint, verlässlich.

Die Lochgrösse scheint mir gut zu sein. An der Folie ändere ich also vorerst nichts. Wahrscheinlich teste ich die Lochkamera bald einmal auch mit einem Farbfilm. Und vielleicht erstelle ich eine Maske für ein quadratisches Bildformat. Denn für weiteres Modding lässt die Kamera Raum.

Übrigens: Zu dieser Art von langen Berichten hat mich die Lektüre in moominseans Blog angeregt.

Siehe auch: Seite Lochkamera in meinem Wiki.

Mein neustes Foto-Accessoir: ein Blasbalg

Hama Blasbalg DUST-EX

Auch das gehört zum Zubehör eines Hobbyfotografen: Ein Blasbalg. Er dient zum Reinigen der Kamera (auch zur Sensorreinigung von Spiegelreflexkameras empfohlen) und zum Wegblasen von Staub auf Negativen vor dem Scannen.

So, und nun ans Scannen, hoffentlich mit weniger Staubentfernung am Computer in der Nachbearbeitung.

Blog, Portfolio, Flickr – alles unter dem Namen «So gesehen.»

Zwischen Weihnacht und Neujahr war Update-, Bastel und Einrichtzeit. Sichtbare Resultate sind heute die folgenden:

  • Update von Zenphoto erlaubt in meinem Fotoportfolio Sogesehen.ch Unteralben und RSS-Feeds für einzelne Alben. Ausserdem habe ich am CSS etwas gewerkelt.
  • Dieses Blog habe ich umbenannt auf «So gesehen.» (statt «Persönlich publizieren»), also in der Linie mit dem Fotoportfolio. Ich finde, der Titel würde sich so wie so für ein Blog gut eignen. In der Verbindung mit dem Thema Fotografie finde ich den Titel jetzt besonders passend.
  • Auch auf Flickr bin ich jetzt unter dem Namen «So gesehen.» unterwegs.
  • Und ich habe mir – weil es so schön einfach und kostenlos geht – auch noch sogesehenphoto.wordpress.com eingerichtet. (Wozu musste das denn sein? Weiss noch nicht.)

Und wie es so ist, verändert sich alles dies wohl wieder – wenn die nächste Bastelzeit kommt …

Zudem habe ich mich in den letzten drei Wochen nicht gerade mit Facebook anfreunden können. Mir liegt Bloggen – in den verschiedenen Formen auf Twitter, Tumblr, in einem Fotoblog oder hier – wohl einfach mehr.

Fotokunst mit der Holga: Interview mit Fotograf Michael Wegmüller

An der Foto-Werkschau photo 07 sind mir die Fotos mit einer Holga-Kamera von Michael Wegmüller aufgefallen. Auf meikk.com zeigt der Zürcher Fotograf in seiner Fine Art Galery ausschliesslich Holga-Bilder.

Another World. Verwendet mit Genehmigung von Michael Wegmüller

Mich haben die Fotos angesprochen und weil ich wissen wollte, wie ein Fotograf über seine Holga-Bilder denkt, habe ich Michael Wegmüller für ein Interview angefragt. Die Fragen hat er per E-Mail beantwortet.

Du nutzt eine Holga für deine Fine Art Fotos. Wie bist du auf die Holga gekommen?
Dieser besondere Stil der Holgabilder ist mir schon lange aufgefallen, nur wusste ich lange nicht, wie solche Bilder entstehen. Im Frühling 07 bestellte ich mir viele Fotografie-Bücher aus den USA. Darin stand, mit welcher Kamera die Bilder umgesetzt wurden. Dank dem Internet erfuhr ich mehr und bestellte mir umgehend eine eigene Holga.

Man könnte sagen, mit einer «Spielzeugkamera» sind doch keine ernst zu nehmenden Fotos zu machen. Was entgegnest du darauf?
Es ist der Fotograf der etwas daraus macht. Auf die Holga muss man sich einlassen, sie kennen lernen und ihre Eigenheiten verstehen. Dann kann man auch mit ihr geniale und vor allem andere Bilder einfangen.

Mit der digitalen Fotografie sehen wir oft einen technischen Perfektionismus. Warum setzt du dich mit der Holga diesem entgegen?
Ich habe nichts gegen die digitale Fotografie einzuwenden. Fotografieren mit der Holga fühlt sich einfach freier an. Man braucht keinen Strom, keine schwere Tasche mit Equipment und doch kriegt man tolle Bilder hin.

Worauf ist bei der Auswahl von Motiven zu achten – welche funktionieren mit der Holga besonders gut?
Portraits funktionieren sehr gut. Sie wirken sehr charakterstark. Der Holga-Fotografie sind eigentlich keine Grenzen gesetzt, es funktioniert mit allem, selbst mit schnörkelloser Architektur. Auch ganze Hochzeiten werden mit der Holga fotografiert [siehe zum Beispiel hier, Link hinzugefügt von mir].

Welchen Markt gibt es für Holga Fine Art?
Der Markt für Holga Fine Art ist noch klein. Meiner Meinung nach muss er auch nicht massentauglich sein.

Wer hängt sich ein Holga-Bild an die Wand?
Es sind erstaunlich viele, die selbst in der Fotografie aktiv tätig sind, die sich von den Holga-Bildern magisch angezogen fühlen. Wohl weil es nichts Vergleichbares gibt.

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Für mich zeigen Michaels Antworten, dass es doch eigentlich um die «tollen Bilder» geht. Und dass der Fotograf dafür einsetzen kann, was er will. Ich selber denke oft, noch viel zu gefangen zu sein von irgend welchen Idealvorstellungen von Fotografien – der Holga-Stil ist dagegen eben ein künstlerischer Ausbruch.

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Was ist das hier?

Weblog von Stefan Bucher seit 2003. Ich fotografiere leidenschaftlich seit meiner Jugend – in den letzten fünf Jahren wieder meist auf Film. Ich teile gerne meine Erfahrungen und berichte über meine Projekte. Mein Zuhause ist in Zürich, Schweiz.