Archiv vom Dezember 2007
Mein Fotojahr 2007
Die Idee liegt auf der Hand: Ende Jahr zurückschauen auf das, was mich im 2007 bewegt hat, und auf die Fotos, die ich gemacht habe.
Wohl mancher macht seinen persönlichen Jahresrückblick und bloggt darüber. Den Anstoss für einen fotografischen Jahresrückblick hat mir Jeff Curto im Podcast Photocast Network Focus Ring 11 gegeben.
Highlights in meinem Fotojahr 2007
- Januar: Scannerkauf. Ich übertrage viele Schwarzweiss-Negative aus meinen frühen Fotojahren in die digitale Form und gebe ihnen ein neues Leben auf Flickr. Ich bin jetzt auch ausgerüstet, um (wieder) auf Film zu fotografieren und auch mal mit einer Streichholzschachtel-Lochkamera Bilder zu machen.

- Februar: Reportage in der Schafmilchkäserei. Ich besuche die Käserei und fotografiere die Käseproduktion. Meine Ricoh GR Digital im Reportageeinsatz – ich bin mit dem Resultat zufrieden.

- Juni: Vredeborch Stafetta-duo. Für 20 Franken kaufe ich die kompakte Mittelformatkamera am Fotoflohmarkt in Weinfelden. Sie verändert mein Fotografieren. Ich liebe das quadratische Format, die sanften Unschärfen, die Vignettierung – Holga-Stil aber nicht Spielzeugkamera.
Stadion Letzigrund. An einer Führung kurz vor der Fertigstellung des Bauwerks fotografiere ich mit der Stafetta-duo die Tribüne mit und ohne Stühle.

- August: St. Petersinsel/Biel. Inspiriert von Andy Heftis Bild reise ich auf die St. Petersinsel. Ich fotografiere die Schiffswartehalle, das Pavillon auf der Halbinsel und Architektur in der Stadt.

- September: Ferien im Prättigau. Versuche in Landschaftsfotografie mit der Stafetta-duo. Dazu hauptsächlich Schwarzweissbilder im quadratischen Format mit der Digitalkamera.

- Oktober: Buch «Vom Glück der Stille» von Peter Steiner. In seinen Fotos finde ich mich wieder. Spätestens ab jetzt mache ich fast nur noch quadratische Schwarzweissbilder. Wiederkehrende Elemente: horizontale Linien, Natur, Architektur, Himmel. Ich sammle diese Bilder im Set «Transcendental».
Sulzerareal Winterthur. Mit der Winterthurer Flickr-Gruppe auf Fototour. Mir gelingen Aufnahmen – analog und digital – die in meinem Fotojahr einen wichtigen Platz einnehmen.

- November: Sogesehen.ch. Ich richte mir ein Fotoportfolio unter eigener Domain ein.
- Dezember: Säntis. Weitere Landschaftsaufnahmen – quadratisch und schwarzweiss, dieses Mal mit der Franka Solida II.

Der Blick ins Jahresarchiv zeigt, dass sich in den letzten 6 Monaten meine Bilder verändert haben. Fotos in Farbe sind selten geworden. Der Blick auf dieselben Motive hat sich gewandelt.
Im Jahr 2008 stehen wohl weitere Entwicklungen an: Von März bis August bin ich Teil der GAF-Klasse 12.07.zh und werde Projekte im Bereich Reportage und Porträt machen.
Und ich werde weiter zum Thema Fotografie hier im Blog schreiben.
Und vielleicht kann ich jetzt dann auch noch Martin Gommels Frage «Welches war Dein bestes Foto 2007?» beantworten …
20 Kompositionen – Notizzettel für Fotografen
Vor ein paar Wochen habe ich mir 20 Quadrate auf ein Blatt Papier gezeichnet und dann damit begonnen, jedes Quadrat mit Linien oder Punkten zu füllen. Aufgezeichnet habe ich grafische Elemente, so wie ich sie beim Fotografieren in einem Bild komponieren würde.
Aus dieser Idee ist das Blatt «20 Kompositionen» entstanden (hier als PDF-Download zum Ausdrucken):
Ich stelle mir vor, dass das Zeichen in den Quadraten für Fotografen eine unterhaltsame und inspirierende Tätigkeit sein könnte:
- Im Bus oder der Bahn während der Fahrt die visuellen Eindrücke festhalten als Notizbuch für zukünftige Bildkompositionen.
- Skizzieren und ausprobieren von Kompositionen als Vorbereitung auf ein Shooting.
- Anlegen eines Repertoirs an Bildkonzepten.
- Nachzeichnen der geigenen Bilder und so das eigene Sehen verstehen lernen.
- Nachzeichnen von Meisterfotografien und von deren Bildaufbau lernen.
Das Gestalten auf Papier verlangt einen etwas anderen Zugang zu den Formen und Flächen als nur der Blick durch den Sucher. Ich sehe das als spannende Erweiterung in der Schulung des fotografischen Blicks, besonders dann, wenn wir die Kamera einmal nicht einsetzen können.
Wenn du «20 Kompositionen» einmal selber ausprobierst, würde es mich sehr interessieren, welche Erfahrungen du gemacht hast.
Ich habe selber Freude an der Idee und werde nun ab und zu die Quadrate mit völlig freien Kompositionen ausfüllen.
China-Stativ: Soll ich kaufen oder nicht?
In der guten alten Fotoabteilung von Eschenmoser gibt es Stative der Marke FanCier zu kaufen. Angeschrieben sind sie als «Profi-Stativ». Ein Modell aus Alu mit kleinem Kogelkopf kostet 149 Franken, eines aus Karbon mit Dreiweg-Neiger kostet etwas mehr.
Ich habe im Laden mit dem günstigeren etwas hantiert und es ganz ausgezogen. Es fühlt sich robust und stabil an. Ich habe es auch mit einem Marken-Stativ verglichen und es fühlte sich nicht offensichtlich wackliger an.
Ich frage mich nun: Wäre das ein guter Kauf?
Im Internet habe ich über die Marke FanCier wenig herausgefunden. Offensichtlich handelt es sich um ein Produkt aus China. Eine Firmen- oder Produkte-Website war nicht zu finden, auch praktisch keine Benutzerberichte.
Auf photo.net hat ein Nutzer seine Erfahrungen mit einem FanCier-Stativ beschrieben, und dieser Bericht klingt gar nicht so schlecht. In einem Forum an einem anderen Ort fand ich die Aussage, Stative der Marken Gitzo oder Manfrotto seien einfach überteuert.
Mir ist klar: Qualität hat seinen Preis. Und mir geht auch folgendes Zitat von The-Digital-Picture.com nicht aus dem Kopf:
Skip this costly upgrade cycle and buy right the first time. Few regret buying a quality tripod – a quality tripod will make you want to use it more – your photography will improve because of it.
Ich überlege mir dennoch, ob ich mit dem Kauf des China-Statives nicht doch zufrieden wäre. Ich könnte damit auf jeden Fall mehr unternehmen, als mit meinem jetzigen.
Ist so ein Stativ etwas wert oder würde ich den Kauf tatsächlich nur bereuen?
Freie Gedanken zum Fotografieren der Massen
Martin Gommel stellt auf Kwerfeldein die Frage nach dem Stand der Fotografie in Zeiten von Digitalkameras und Online-Fotosharing und will Meinungen hören.
Ich habe folgende Gedanken zum Thema:
- Wer das Fotografieren für sich als Ausdruck entdeckt, der wird sich damit beschäftigen. Das war früher nicht anders als heute. Egal was der einzelne mit seinen Bildern anstellt: Die Masse an Fotos nimmt zu.
- Fotografen, die mit ihren Bildern an die Öffentlichkeit wollen, suchen sich geeignete Wege. Das ist auch nicht neu. Es gibt breite Wege wie Flickr und schmale wie Agenturen, Redaktionen oder Galerien.
- Gute Bilder werden uns durch Filter präsentiert. Heute gibt es mehr Publikationen, die filtern. Auch auf Flickr lässt sich filtern und gute Bilder können hervortreten. Agenturen, Redaktionen und Galerien sind bewährte Filter und immer noch bedeutend.
- Es wird mehr fotografiert und es wird mehr gefiltert. Der Markt segmentiert sich stärker. Es gibt für jeden Geschmack eine Zielgruppe. Flickr mit seinen vielen Gruppen zeigt das schön, finde ich.
- Schon als Hobbyfotograf findet man in einer bestimmten Zielgruppe wohl Anerkennung. Zum Erfolg führt wahrscheinlich die Leidenschaft, die Lernbereitschaft, der Wille und die Zielstrebigkeit des einzelnen. Das ist auch nicht neu.
- Die neuen Möglichkeiten sind einfach technische Fortschritte. Entscheidend bleibt wohl das Handwerk und der Ausdruck.
Ein schöner Beitrag zum Thema ist das Interview mit Thomas Hoepker auf Zeit Online, in dem der ehemalige Präsident der Foto-Agentur Magnum über die Masse im Netz, Nachwuchs und die Digitalisierung spricht.
Die Gedanken werden sich bestimmt weiter entwickeln.
«Schnell ein paar Fotos» kommt meist nicht gut
Ich höre den Satz öfters innerhalb der Firma: «Ich mache dann schnell ein paar Fotos.» So leicht ist dies gesagt und so schwierig ist es, brauchbare Resultate zu liefern.
Mit dem Web und den Digitalkameras ist alles so einfach geworden, meint man: An einem Anlass, im Workshop oder auf einem Ausflug werden Fotos gemacht, die dann ins Intranet sollten. Doch die Fotos, die zurück kommen, sind meist schlecht und kaum geeignet für die Bebilderung eines internen Berichts.
Folgende Anforderungen würde ich an Fotos fürs Intranet stellen:
- Ausgeglichene Belichtung. Bei Serien mit Aussen- und Innenaufnahmen kann es zu grossen Unterschieden in der Qualität kommen: Manche Bilder sind zu dunkel, andere zu hell. Die Schwierigkeit besteht darin, bei verschiedenen Lichtverhältnissen gut belichtete Bilder zu bekommen.
- Scharfe Abbildung. Häufig zu sehen sind Bewegungsunschärfen oder Scharfstellung auf den Hintergrund – solche Bilder sind Ablöscher.
- Eindeutiger Bildinhalt. Damit ein Bild im Web schon in der kleinen Ansicht wirkt, sollten die abgebildeten Personen, Gegenstände oder Szenen gut erkennbar sein. Im Sinne von «ein Stuhl ist ein Stuhl» sollten die Bilder keine Rätsel aufgeben. Auch sollte nichts Wesentliches abgeschnitten sein. So ist der Erinnerungswert viel grösser.
Damit gute Resultate herauskommen, braucht es schon ein paar Gedanken, einige Versuche und eine strenge Auswahl. So schnell und einfach geht das nicht immer. Und als Fotograf kann man dann beim Anstossen auch nicht selber mitmachen. Ein bisschen Entbehrung für das gute Bild muss also sein.
Ich darf dann am 6. Dezember, am Chlausabend, wieder für die Firma Fotos machen – in schwierigen Lichtverhältnissen und mit hoffentlich brauchbaren Resultaten.
