Archiv vom Februar 2006

Mit Block und Bleistift ins Kino

Vor dem Film kommt die Werbung. Mir ist aufgefallen, dass die Hauptbotschaft vieler Werbefilme eine WWW-Adresse war.

Jetzt fragen Sie mich einmal, an wie viele dieser Internet-Links ich mich erinnern kann? An keine einzige.

Im Kino sitzen Leute, die sich auf einen Film freuen. Sie sind wohl kaum in der Lage, am Computer eine Internetadresse sofort einzutippen. Vielleicht haben sie einen Notizblock in der Tasche. Diesen kramen sie jetzt aber lieber nicht hervor. Im Handy könnten sie eine Notiz eingeben, doch das haben sie bereits abgeschaltet.

Das Problem ist bekannt aus Podcasts. Viele Podcaster sind zurückhaltend im Angeben von Internet-Adressen. Denn die meisten Hörer befinden sich wahrscheinlich nicht am Computer, sondern unterwegs auf der Strasse oder im Zug.

Etwas weniger problematisch sind Internet-Adressen wohl im Fernsehen. Es ist anzunehmen, dass ein Notizblock oder der Computer in der Wohnung leicht greifbar sind.

Die Situation erinert mich an die Zeit, als wir als Kino-Werbungs-Kontrolleure unterwegs waren. Unsere Aufgabe war es, die Reihenfolge der Werbefilme aufzuschreiben und der Werbefirma zu melden. Nach der Werbung durften wir sitzen bleiben. So kamen wir zu vielen Gratiseintritten. Damals sassen wir tatsächlich mit Notizblock und Bleistift im Kinosessel. Dafür wurden wir auch oft schräg angeschaut.

Zürcher Märchen: Zauberhafter «Vitus»

vitus teaser big

Fredi M. Murers «Vitus» hat mir gefallen. Bruno Ganz habe ich zum ersten Mal in einem Film Züritüütsch reden hören (oder Seebacher-Tüütsch – er kommt aus demselben Quartier, in dem ich aufgewachsen bin).

Vertraute Orte sieht man im Film: Vitus, alias Dr. Wolf, mietet sich eine Loft im «Puls 5» mit Blick auf den Technopark. Die Familie wohnt in Neu-Oerlikon. Und das Bauernhaus, in dem der Grossvater lebt, meine ich erkannt zu haben, steht in Rümlang. Der Bach, über den der Grossvater seinen Hut wirft, könnte sogar der Katzenbach sein. Und der Flugplatz: War es Buochs?

Bemerkenswert auch, welche Rolle das Internet spielt im Film.

Quicksilver und anderer Tastenzauber

Quicksilver ist das Mac-Programm, das Programme blitzschnell startet und noch viel mehr kann.

In den vergangenen Tagen habe ich einige Plugins (sie werden auf Mac OS X Panther benötigt) installiert und nach und nach weitere Funktionen entdeckt (Benutzer von OS X Panther haben alle Funktionen schon integriert).

  • E-Mail senden: Quicksilver aufrufen («Ctrl»-Taste). Einen Punkt tippen, darauf ist man im Texteingabemodus. Nachricht schreiben. Mit der «Enter»-Taste wird die Funktion «E-Mail To» aktiviert. Im dritten Fenster einen Namen oder eine E-Mail-Adresse aus dem Adressbuch suchen. «Enter» und die E-Mail wird gesendet.
  • FTP-Verbindung starten: Quicksilver aufrufen. «cy» eintippen für «Cyberduck». Pfeiltaste nach rechts drücken. Jetzt das gewünschte, vorkonfigurierte FTP-Konto wählen. «Enter» und fertig.
  • Telefonnummer wählen (als Alternative zu diesem Tipp via bamboozled): Quicksilver aufrufen. Anfangsbuchstaben des Vor- und Nachnamens eintippen. Pfeiltaste nach rechts und gewünschte Nummer wählen. Tabulatortaste. Im zweiten Feld «di» für «Dial with Speaker» tippen. «Enter». Telefonhörer an die Lautsprecher halten.
  • Del.icio.us-Bookmarks durchsuchen: Quicksilver aufrufen. Nach Stichwort die eigenen Lesezeichen bei del.icio.us durchsuchen. Quicksilver findet übrigens immer alle Treffer, die die eingegebenen Buchstaben in dieser Reihenfolge irgendwo, aber nicht zwingend aneinanderhängend, enthalten.

Auch praktisch: Text direkt einem Dokument hinzufügen. Siehe: 43 Folders, «Quicksilver: Append to a text file from anywhere».

Einige Abkürzungen via Tastenkombination habe ich mir auch mit Firefox verinnerlicht.

  • Suchmaschine wechseln: Ins Suchfeld springen mit «Befehl»-K. Suchwort eingeben. Mit «Befehl» und den Pfeiltasten nach oben und nach unten die gewünschte Suchmaschinen wählen.
  • Zwischen Tabs wechseln: «Alt»-«Befehl»-Pfeiltasten rechts und links um von einem Tab ins nächste zu springen. Wenn das Tab den Fokus hat, kann mit «Befehl»-Pfeiltasten seine Position verschoben werden.
  • Gleiche Seite in neuem Tab öffnen: Ins Adressfeld springen mit «Befehl»-L. «Alt»-«Enter» tippen.

Geholfen haben die Firefox-Tastaturkürzel bei firefox.bric.de.

Die Angst vor dem Sündigen auf Zürichs Bänken

«Das ist ein Erlebnis fürs Tagebuch», meint Al Imfeld, als der Doppelgelenk-Trolleybus am Hegibachplatz wendet, so dass man von den vorderen Plätzen aus dem Fenster schauen und das hintere Ende einschwenken sehen kann. Oder fürs Weblog, denke ich.

Auf den Züri-Streifzügen der VBZ sitzen die Zuhörer im langen Doppelgelenk-Trolleybus, der in Zürich auf Probefahrt ist. Al Imfeld, Priester, ehemaliger Afrika-Korrespondent, Journalist und Schriftsteller, erzählt Geschichten. Sie handeln vom Langstrassenquartier und von Schlieren – den Gebieten, durch die die Buslinie 31 führt.

Al Imfeld nimmt Anekdoten aus der Kirchengeschichte, aus Afrika und aus dem Milieu. Die Mischung ist zuweilen eine Zumutung. Die Deutungen Imfelds erheben den Blick weit über Tragödien, Besitz und Politik hinaus.

Den Zürcher Politikern hält Imfeld vor, wie Zwingli dauernd von der Angst besessen zu sein, die Leute könnten sündigen. Der Zürcher Reformator wollte deshalb keine Bänke in der Stadt. Nicht viel anders machte es die Regierung heute. Eine andere Blockade sieht Al Imfeld im «ewigen Pessimismus».

Ein Gedankenanstoss auf einer Fahrt im Bus – am Tag der historischen Regierungs- und Parlamentswahlen in Zürich.

Die nächsten zwei Sonntage gibt es noch weitere Streifzüge.

40 Tage «Getting Things Done»

Meine Organisation mit «Getting Things Done» musste sich in einem arbeitsreichen Januar im Alltag bewähren. Da meine Sicht auf GTD auf meinen Wiki-Seiten schon auf einiges Interesse gestossen ist, will ich hier weitere Erfahrungen zusammenfassen.

Aus zwei Minuten zehn gemacht

Laut GTD sollten Dinge, die in zwei Minuten erledigt sind, sofort gemacht werden. David Allen räumt jedoch ein, dass die zwei Minuten auch ausgedeht werden dürfen. Ich fand heraus, dass ich in hektischen Zeiten mit vielen aufeinanderfolgenden Arbeiten auch Dinge gleich erledigte, die fünf bis zeh Minuten dauerten. Das funktionierte. Ich habe so eines nach dem anderen abschliessen können. Ich konnte mich oben auf der Welle halten, und als der Sturm vorüber war machte ich mit den Dingen auf meinen Listen weiter.

Je nach Energie die Dinge tun

David Allen rät im Vier-Kriterien-Modell zur Auswahl der zu erledigenden Dinge, sich nach der verfügbaren Energie zu richten. Auch wenn die Formkurve nach unten zeigt, gibt es auf den Listen Arbeiten zum Auswählen. Auch wenn ich den Zug verpasse, ist das nicht verlorene Zeit. Weil GTD nicht «Zeitmanagement» ist. GTD macht es möglich, in jeder Situation eine passende Arbeit zu wählen.

Wichtig im Büro, vernachlässigt zu Hause

Im Büro führe ich die Listen ziemlich regelmässig. Sie sind für meine Arbeit eine wichtige Stütze geworden. Auch das Konzept der «natürlichen Projektplanung» hilft mir, mehr Klarheit in Sitzungen und Abläufe zu bringen.
Für die privaten Angelegenheiten habe ich mich nicht sehr auf GTD gestützt.

Listen am PC, Notizen überall

(Antwort auf leus Kommentar) Tatsächlich führe ich die GTD-Listen in elektronischer Form auf dem Computer. Unterwegs, an Meetings oder am Telefon schreibe ich Notizen auf Papier. Das Material lege ich dann in die Projekt-Mäppchen. Die Listen auf Papier wären mir, glaube ich, in der Handhabung zu wenig flexibel.