Immer wieder diese Leerzeichen

Praktisch in jedem Text, der mir vorgelegt wird, finde ich sie: Leerzeichen zwischen Wörtern, die zusammengeschrieben werden müssten.

Die Website Deppenleerzeichen.de hat diesem Fehler ein Denkmal gesetzt.

Ein Beispiel ist Opel Partner. Korrekt müssten die beiden Wörter zusammengeschrieben werden. Denn orthographisch ist der Opelpartner dasselbe wie der Lebenspartner oder der Tanzpartner. Zur besseren Lesbarkeit darf zwischen den einzelnen Bestandteilen ein Bindestrich gesetzt werden.

Doch wie ist das mit zusammengesetzten Wörtern mit Firmen- oder Produktenamen? Muss «Opel» nicht für sich alleine stehen, damit die Marke besser erkannt wird?

Die Rechtschreibung sagt nein. Deutlich macht das Ania Dornheim in ihrem Weblog Schreiben im Beruf. Sie zitiert eine Frage aus dem Sprachberatungs-Forum zur Schreibweise von Produktenamen und gibt als Antwort:

Tatsächlich müssen wir sogar Windows-XP-Datenblätter schreiben.

Produktenamen oder Fachausdrücke aus dem Englischen werfen besonders häufig Fragen auf. Matthias Schlecker fasst in seinem Weblog The Exit die Regeln zusammen, die er von der Bertelsmann-Sprachberatung erfahren hat: «Deutsche Rechtschreibung und englische Fachbegriffe». Darin wird festgehalten:

  • Zusammengesetzte Substantive werden in der Regel gross- und zusammengeschrieben.
  • Bindestrich zur Verdeutlichung des Schriftbilds sind erlaubt; alle substantivischen Bestandteile der Verbindung werden großgeschrieben.
  • Liegt eine mehrteilige Verbindung vor, die verschachtelt ist, gilt allein Bindestrichschreibung.

Ein Leerzeichen ist jedoch möglich in Best Practice, weil ein Adjektiv und ein Substantiv zusammentreffen. Bindestrich wäre hier falsch.

Trotz der hier zusammengetragenen Informationen bleiben häufig Unsicherheiten. Deshalb ist es gut zu wissen, dass es Sprachprofis mit Weblogs, Newslettern oder Foren gibt, die immer neue Tipps parat haben. Ania Dornheim ist eine von ihnen und Susanne Ackstaller mit dem «TextTipp!» eine andere. Und Robert Stark zähle ich hier auch dazu.

Geschrieben von Stefan Bucher am 20. November 2005 in Texten. Tags: , , , . 3.346 Mal angesehen.

Kommentare

  • [...] Wie auch Stefan gestern monierte, sind nicht alle Bewohner des deutschsprachigen Raums von der Leerzeichen-Inflation begeistert… [...]

  • Robert Stark sagt:

    Merci, Stefan. Man darf sich nicht an diese Schreibweisen gewöhnen. Ich habe ja gar nichts gegen englische Lehnwörter im Deutschen; wer übers Internet schreibt, benutzt sie ja täglich. Aber man sollte nicht englische Rechtschreiberegeln auf deutsche Wörter anwenden. In ein ähnliches Kapitel wie die Leerzeichen-Manie gehören die falschen Apostrophs und die falschen Plural-Formen. (Auf der Deppenleerzeichen.de-Site hat es unter “Links” ein paar nette Links zu diesem Thema.) Und einen Verein zur Rettung des Genitivs sollte man auch noch gründen, solange man diese schöne Form noch nicht vergessen hat.

  • nchenga sagt:

    Bin gespannt was die Sprachprofis *mit Blog* kommentieren.

    Sprache lebt und verändert sich… Gerade auch im Blog.

  • Auch ich sage: “Danke, Stefan!”.

    Vereine zur Rettung des Genitivs gibt’s tatsächlich schon. Zum Beispiel die “Gesellschaft zum Erhalt des Genitivs, Neuwied. Regionalgruppe 75″. Diese Gesellschaft arbeitet aber wohl im Verborgenen, denn sie taucht im Internet nur als Unterzeichner der “Resolution
    zur Wiederherstellung der Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung” auf.
    http://www.deutsche-sprachwelt.de/archiv/unterzeichner.shtml
    Die deutsche Sprache ist schon eine ernste Sache :-). Gut, dass es auch kleine Splittergruppen gibt, die sich um den Genitiv kümmern, zum Beispiel:
    http://hometown.aol.de/dennismario500/ClubRDG.html

  • reidan sagt:

    Mit dem Deppen Leer Zeichen bekunde ich häufig auch Mühe, Was ich zu den Erhaltungsbemühungen des Genitivs denke, haben wir 2000 in dieser Proseminararbeit (PDF) deutlich gemacht.

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    Weblog von Stefan Bucher seit 2003. Ich fotografiere leidenschaftlich seit meiner Jugend – in den letzten fünf Jahren wieder meist auf Film. Ich teile gerne meine Erfahrungen und berichte über meine Projekte. Mein Zuhause ist in Zürich, Schweiz.