Archiv vom Oktober 2004

Meine Bookmarks bei del.icio.us

Ich habe damit angefangen, einige meiner Bookmarks bei del.icio.us einzutragen.

Bei del.icio.us legen Web-User ihre Lieblingslinks ab und tauschen sie untereinander aus. Das macht den Dienst zu einem Social Networking System.

Interessant finde ich, dass ich sehen kann, welche meiner Links auch von anderen Usern gebookmarkt wurden. Die Linkliste von Usern mit ähnlichen Interessengebieten kann ich in meiner «Inbox» abonnieren. Die Lesezeichen kann ich nach «Tags» (Kategorien) aufrufen. So finde ich leicht neue Links zu einem meiner Lieblingsthemen. Bookmarks von anderen Usern kann ich mit einem Klick in meine Sammlung kopieren. Alle Linklisten (nach User oder nach Tags) können auch als RSS-Feed abonniert werden.

Einen neuen Link trage ich einfach über ein bereitgestelltes Bookmarklet ein. Wie in Weblogs ist die Auflistung der geposteten Bookmarks in umgekehrter chronologischer Reihenfolge. Auf der del.icio.us-Startseite werden die letzten Einträge aller User angezeigt, unter «popular» die am häufigsten abgespeicherten Links.Ich habe mich gefragt, ob es eine Art Export-Funktion der gesammelten Bookmarks gibt. Denn man kann ja nie wissen, wie lange so ein Service im Netz überlebt. Schliesslich stirbt del.icio.us-Schöpfer Joshua Schachters anderes Kind geourl.org schon lange vor sich hin.

Eine Export-Möglichkeit für Mac OS X-User gibt es dank der Freeware del.icio.us2safari. Damit lassen sich die Bookmarks in den Apple-Browser übertragen.

Ein schicker kleiner del.icio.us-Client für Mac OS X ist Cocoal.icio.us. Damit lassen sich Links eintragen, suchen und anzeigen.

Mir gefällt del.icio.us. Ich werde weiterhin Bookmarks dort ablegen und gerne dann und wann in den Sammlungen von anderen Usern nach Interessantem suchen.

Schreiben filmen

Als ich als Nachrichtenredaktor bei einer TV-Station arbeitete, filmte einmal eine Studentin der Universität Bern wie ich schreibe. Sie tat dies für eine Studie, die das Entstehen von journalistischen Texten untersuchen sollte. Wie texten Profis in der Praxis? Wie entsteht ein journalistischer Text?

Die Forscherin stellte eine Videokamera auf ein Stativ und filmte so den Bildschirm ab. Einfacher geht so etwas mit Programmen, die den Bildschirm und alle Aktivitäten als Film auf die Festplatte aufnehmen.

Und das will ich hier einmal demonstrieren. Zum Einsatz kommt die Mac OS X Shareware Screen Movie Recorder. Der damit aufgezeichnete Bildschirmfilm zeigt das Entstehen des Titels dieses Beitrags.

Film ansehen: Schreiben filmen (QuickTime, 517 KB, 27 Sekunden)

Die Berner «Forschungsstelle für Berufliches Schreiben FBS» führte zwischen 1997 und 1999 Fallstudien auf 17 Schweizer Nachrichtenredaktionen durch und untersuchte, «wie sich die Arbeitssituation, die individuellen Strategien der Kommunikatoren und der Schreibprozess auswirken auf den fertigen Text».

Resultate dieser Forschung sind in das Buch «Schreiben ohne Reibungsverlust: Schreibcoaching für Profis» von Daniel Perrin eingeflossen. Als Beispiel für eine Progressionsanalyse wird gezeigt, wie der Titel einer Zeitungsnachricht entsteht. Dokumentiert sind neun Schritte zur fertigen Überschrift zu einem Tages-Anzeiger-Bericht über die Untersuchungen zum Absturtz einer Swissair-MD-11 (1998).

Einfluss der Weblogs auf den Journalismus

Journalisten und Blogger sind keine Konkurenz, schreibt Jeff Jarvis in der «Netzeitung» und gibt der Weblog vs. Journalismus-Debatte einen versöhnlichen Dreh (via plasticthinking).

Dass Inhalte aus Weblogs News für traditionelle Medien sind, bewies die Geschichte mit dem rätselhaften Falt in Präsident Bushs Jacket.

Mir scheint, Zeitungen übernehmen auch Formen aus den Weblogs. Mir fiel heute im «Tages-Anzeiger» der folgende Artikel auf:

Blockquotes im «Tagi»

Längere Zitate werden nicht in den Text verflochten sondern als eigenständige Blöcke mit Einzug wiedergegeben. Etwa wie in Weblogs mit Hilfe des HTML-Tags blockquote. So etwas hat man traditionellerweise selten gesehen.

Nicht bloss Meinung – mehr noch Argumente

Deutschsprachige Blogger sollten mehr ihre politische Meinung sagen, findet Nico Lumma. «Versteckt Euch nicht hinter Zitate, sagt Eure Meinungen zu den Themen der Zeit!» Es geht um die Mitgestaltung unserer Demokratien. In Weblogs haben wir ausgezeichnete Mittel, unsere Meinung in Freiheit zu äussern. Wir nehmen damit aktiv an Wahl- oder Abstimmungskampf teil (siehe auch bei Tim Bruysten).

Ich finde: Mehr noch als an Meinung mangelt es an Argumenten. Meinung kann man da und dort doch immer wieder lesen. Zudem drängt uns via Medien auch die Cervelatprominenz seine Meinung auf. Strassenumfragen fangen die Meinung von Menschen wie du und ich ein. Was aber sollen uns diese unkontrollierten Meinungsäusserungen nützen?

Für die eigene Meinungsbildung braucht es Argumente. Doch die sind leider nicht so leicht zu formulieren. Sie erfordern Hintergrundwissen, Detailkenntnisse. Wir – wohl die meisten Teilnehmer an unseren modernen Demokratien – sind aber zumeist nicht in der Lage, Argumente zu liefern. Weil das Argumentieren zu den höheren publizistischen Künsten gehört, sind wirklich hilfreiche Meinungstexte selten. Wer sollte diese schreiben? In den Verlagen wird gespart. Politiker profilieren sich öfter durch Polemik.

Für Blogger ist es umso schwieriger, gute Meinungstexte zu schreiben. Der Anspruch ist sehr hoch. Wenn wir es jedoch versuchen, zu unserer Meinung jeweils ein Argument zu nennen, leisten wir schon einen wesentlichen Beitrag zur Meinungsbildung anderer.

Auf die Bildgestaltung kommt es an

Ich habe einmal einen Fotokurs gegeben. Darin war dieses Arbeitsblatt:

Auf die Bildgestaltung kommt es an

Wenn wir fotografieren, schauen wir durch den Sucher unserer Kamera. Was wir sehen, ist unser Bild. Dieses Bild wollen wir sorgfälltig gestalten!

Bitte schneiden Sie das untenstehende Rechteck der gestrichelten Linie entlang aus. Was Sie bekommen, ist ein Fenster. Durch dieses können Sie wie durch den Sucher der Kamera schauen.

Sucher

Ausdrucken und ausschneiden.

Das ganze Fenster ist unser Bild. Schauen Sie durch, bis in jede Ecke hinein. Alles was Sie sehen, kommt aufs Bild.

Das Fenster heisst «Sucher».

Durch die Kamera «suchen» wir unser Bild.

Im Sucher der Kamera hat es oft in der Mitte einen Kreis oder ein Rechteck. Es dient zur Scharfeinstellung (Fokusierung). Diese Markierung in der Mitte des Suchers verleitet uns dazu, dass wir das ganze Fenster nicht mehr anschauen. Wir «zielen» dann auf unser Objekt, wir nehmen es aufs Korn.

Das Objekt ist dann auf dem Bild genau in der Mitte. Das Bild ist aber nicht gestaltet.

Das war dann lustig, wie alle mit dem Blatt vor dem Kopf im Raum umher «suchten».

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass das eine gute Übung ist. Ich würde sie bei einer anderen Gelegenheit wiederholen.