Ich bin mehr der Monochrom-Typ
Einen einzigen Farbfilm habe ich im Guernsey-Urlaub belichtet. Und doch zeige ich diese Fotos schliesslich in Schwarzweiss. Sie passen so in meine Serie, diese wird konsistenter. «So gesehen» heisst für mich schwarzweiss.
Warum Schwarzweissfotos? kann man sich da wieder einmal fragen. Für mich ist nach wie vor klar: Schwarzweissfilm ist mein bevorzugtes fotografisches Medium.
Da ich also mehr der monochrome Typ bin, kann ich der Idee einer Leica M Monochrom grundsätzlich einiges abgewinnen. Aber eben, ich fotografiere ja noch bis mindestens 2015 auf Film.
Der Wind, der Wind: das unerwartete Hindernis beim Fotografieren
Vor einer Woche bin ich aus meinem Urlaub auf Guernsey zurückgekehrt. In der Zwischenzeit habe ich einige der Filme entwickelt und die Bilder auf Flickr geladen. Einige weitere werden noch folgen.
Obwohl ich schon Wochen vor der Abreise die Wettervorhersagen studierte, beachtete ich die Angabe über die Windstärke kaum. Auf Wolken und Schauer war ich vorbereitet. Der stürmische Wind war eine Überraschung.
Ich schützte mich mit Mütze und Kapuze gegen die kräftigen Böen und wurde selber beinahe umgeblasen. Umsomehr war die Kamera dem Wind ausgesetzt. Um in diesem Wetter doch zu Fotos zu kommen, musste ich einen Weg finden, um gegen das unerwartete Hindernis anzukämpfen.
Beim Bild oben stellte ich mich an die Küste – voll exponiert und ohne natürlichen Windschutz. Ich befestigte die Kamera auf dem Stativ. Doch dieses drohte vom Wind umgeblasen zu werden. Ich hängte die Tasche in das Dreibein um für mehr Gewicht und bessere Verankerung zu sorgen. Ich entfernte die Traggurte um die Angriffsfläche zu verringern. Doch der Wind schüttelte weiter an der Kamera.
In der Kamera hatte ich einen ISO50-Film eingelegt, der also tendenziell längere Belichtungszeiten erfordert. Und die Gefahr, dass das Bild Verwackelungsunschärfe zeigt, ist entsprechend auch grösser. Um bei diesem Wind Verwackelung hoffentlich einigermassen zu vermeiden, wollte ich mit 1/60 fotografieren. Um aber auch bei dieser Belichtungszeit überhaupt ein ruhiges Bild zu bekommen, musste der Wind nachlassen.
Mit dem Finger am Drahtauslöser wartete ich geduldig auf einen windstillen Moment. Mit meinem ganzen Körper spürte ich jede einzelne Böe, es war als könnte ich mit der Zeit ein Muster erkennen, wie die Windstösse kommen und vergehen. Mit der Zeit machte ich die Pausen aus, und eine solche nutzte ich um blitzschnell auszulösen.
In anderen Situationen benutzte ich nicht das Stativ, sondern ich verwurzelte mich selbst mit sicherem Stand im Boden und hielt die Kamera in der Hand eng an meinen Körper gepresst. Wieder spürte ich den Böen nach und wartete auf eine Windpause. Schliesslich machte es wohl keinen Unterschied, ob ich das Stativ benutzte oder nicht. Meine Taktik gegen den Wind schien zu wirken. Keines der Fotos leidet an starker Verwackelungsunschärfe, so dass es unbrauchbar wäre – nach meiner Beurteilung jedenfalls.
Experimente mit Fotos und Ton
Erste Testaufnahme mit dem Zoom H1 am Zürichsee.
Im Feld zu den Fotos gleichzeitig Ton aufzeichnen – eine weitere multimediale Spielart für meine Fotografie? Ja, denn Audio eröffnet neue Erzähl- und Präsentationsformen und verleiht den Fotos eine neue Wirkung. Ich bin bereit für Experimente.
Vor vielen Jahren entdeckte ich das SMIL-Format und erstellte zwei Slideshows. In einem XML-File werden die Abfolgen von Bild, Ton und Text definiert. Das Format hat aber scheinbar keine grosse Verbreitung gefunden. Ausser dem Realplayer kenne ich keine anderen Player, die die Slideshows abspielen können.
Im Onlinejournalismus spielt Audio seit längerem eine wichtige Rolle, und narrative Slideshows aus Standfotos und Audio werden oft sogar den Videos vorgezogen.
Natürliche Umgebungsgeräusche oder Interviews mit Menschen machen eine Fotoreportage lebendiger. Mich interessiert ausserdem, wie Landschaftsfotografie wirkt, wenn dazu Ton hörbar ist.
“Field Recordings” in der Natur ist ein Spezialgebiet so weit wie die Fotografie und ich werde mich sicher nicht sehr darin vertiefen können. Ich bin auf einige Blogs gestossen, die zeigen, was möglich ist. Zum Beispiel dieser Post von Noise Jockey oder hier von Michael Gallagher und das Blog Sounds like Noise. Viele Aufnahmen werden auch auf Soundcloud geladen.
Ich glaube, dass ich mit meinem Zoom H1-Hand-Audiorecorder die besseren Multimedia-Resultate bekomme, als mit einer der trendigen HD-Video-Digicams. Zwar würde eine solche Bewegtbild liefern, beim Ton aber sicher schlechter abschneiden.
So statte ich meine Kamera also demnächst öfters mit einem pelzigen Mikrofon aus. Und das sieht dann etwa so aus:
Weshalb ich ein zweites Mal nach Guernsey reise
Meine Motivation für meine letztjährige Reise nach Guernsey war das Meer. Und so ist es auch dieses Jahr, wenn ich im April wieder auf die Kanalinsel fliege.
Meer, Felsen, Küste – von den Szenerien Guernseys habe ich noch nicht genug gesehen. Der nordöstliche sowie der südwestliche Teil will ich noch entdecken.
Ich versinke vollkommen in Aufnahmen vom Meer. Idealerweise ein Horizont. Ohne Störung. Kein Stein.
Auch Wiesen oder einzelne Felsen möchte ich ablichten – minimalistisch, monumental.
Zum Beispiel will ich die Houmet Paradis besuchen. Das ist eine unbewohnte, grasbewachsene Insel vor der Ostküste Guernseys. Ein zweites Beispiel ist die Strasse auf dem Felsgrat von La Coupéee auf der Insel Sark.
Mit den Fotos geht es mir jedoch nicht in erster Linie darum, den spezifischen Schauplatz als solchen abzubilden. Ich möchte viel mehr anstreben, dass die Fotos mehr zeigen als die Oberfläche. Etwa meine Interpretation von Natur und der Stellung des Menschen darin (Du in dieser Welt). Oder das Bild des Meeres als gewaltige Naturkraft, die Sinnbild ist für Stärke und Sinnlichkeit. Oder ein Bild dafür zu suchen, wie es im Dao beschrieben wird:
Alle Ströme fliessen zum Meer,
weil es tiefer liegt als sie.
Die Niedrigkeit verleiht ihm seine Macht.
Deshalb der ferne Horizont, die Flut, einzelne Felsen und dazwischen immer mal ein Werk des Menschen.
Und so sehe ich meinen zweiten Besuch als natürliche Fortsetzung des ersten. Dieses Mal möchte ich mich einfach noch mehr einlassen auf Felsen, den Horizont und die Landschaft im Vordergrund. Und wie schon angedeutet, möchte ich mit nur einer Kamera reisen.
Fotobuch von Designern gestalten lassen mit PikPerfect – Update: Invite Code «SoGesehen»
Update (09.03.2012): PikPerfekt öffnet sich für weitere Beta-Tester. Die ersten 20 Personen, die sich mit dem Invite-Code «SoGesehen» anmelden, sind dabei. Anmelden auf www.pikperfect.com.
Bei meinen bisherigen Versuchen mit eigenen Fotobüchern waren Erfolge und Enttäuschungen dabei. Die häufigsten Schwierigkeiten sind die Abfolge und Platzierung der Bilder. Der neue Fotobuchservice PikPerfect bietet hier eine Lösung an: das Buch wird von professionellen Designern gestaltet.
PikPerfect konnte ich als Betatester ausprobieren (Beta-Einladung kann beantragt werden). Mich hat die Möglichkeit interessiert, ein zweites Augenpaar an meinem Buch mitarbeiten zu lassen. Ich war gespannt, wie ein unabhängiger Betrachter eine Auswahl von meinen Fotos präsentieren würde. Ich überliess es dem Designer, seine Interpretation des Materials in der Buchgestaltung umzusetzen. Ich erwartete Vorschläge für Spielformen, auf die ich alleine nicht gekommen wäre.
Über die Website von PikPerfect muss zunächst das gewünschte Format, die Art des Einbands und das Papier gewählt werden. Der Leineneinband ist wirklich zu empfehlen, er ist sehr fein und edel gewoben, auf dem Umschlag kann jedoch weder Bild noch Text platziert werden. Auf der Seite mit den Fotobuch-Optionen wird auch gleich der Preis berechnet. Und dabei fällt auf, dass ein wesentlicher Anteil für die Gestaltung anfällt.
Weiter geht es mit den persönlichen Vorlieben für die Buchgestaltung. In mehreren Einstellungen kann bestimmt werden, wie viele Bilder pro Seite, welche Hintergrundvarianten, Bildrahmen, Anordnung etc. gewünscht werden. Eine Option betrifft Bildtexte – es müssen an dieser Stelle aber noch keine Texte eingegeben werden, diese Gelegenheit hat man erst später im Gestaltungsprozess. Wichtig ist, dass im Textfeld spezielle Anforderungen genau beschreiben werden. Was hier mitgeteilt wird, benutzen die Designer für ihre Arbeit.
Es folgt der Bildupload, wo Benutzer zwischen Editor’s Piks und Selbst-Auswahl wählen können. Wer sich für Editor’s Piks entscheidet, kann eine unsortierte Fotosammlung hochladen, aus der die Designer Bilder für das Buch auswählen. Ich habe die passende Anzahl von 32 Bildern für mein Buch übermittelt.
Jetzt fängt die Arbeit der Designer aufgrund der gemachten Angaben und der eingereichten Bilder an. Nach 1-2 Tagen kommt per E-Mail ein Link zum ersten Buchentwurf, der in einem Präsentationsplayer angeschaut werden kann. Hier können Bemerkungen für Änderungen angebracht werden und die Bildtexte. Sind alle Kommentare erfasst, schickt man die Änderungen an die Designer zurück, und eine neue Designrunde fängt an. Ich war mit der Gestaltung meines Buches von Anfang an zufrieden. Die Paarungen und die Abfolge der Bilder sind harmonisch. Die Variationen von Bildgrössen und Verteilung ausgewogen rhythmisch.
Dieser Ablauf mit Vorschlag und Feedback funktioniert reibungslos. Mein grosser Kritikpunkt sind die Optionen für Texte und Typografie. Das angebotene Buchlayout sieht keine Textseiten vor etwa für Titelblatt oder Einleitungstext. Und auch wenn Bildtexte angegeben werden, hat der Benutzer keine Angaben, wie lange diese sein können und wie sie in der Gestaltung umgesetzt werden. Auch die Schriftart kann nicht gewählt werden. Hier kann PikPerfect meine Ansprüche nicht erfüllen, denn meiner Ansicht nach ist die Typografie ein äusserst wichtiger Best (weiterlesen …)
«Lesser Photographer» – Nur eine Kamera für einen Nachmittag

Ich nehme die Idee des A Lesser Photographer ab jetzt ernst und mache Schluss damit, mehrere Kameras mit mir herum zu tragen. Ideal wäre es, wenn die Kamera um den Hals ohne Tasche getragen werden könnte (siehe Bild). Die Vision: Weniger Last, freie Hände – langsamer und freier unterwegs.
Unter der Woche soll es die eine Kamera für das 52-Wochen-Projekt sein. Ich möchte in diesem Jahr einen Versuch damit unternehmen und habe dazu die Ricoh FF-1 auserkoren. Da ich mit Film fotografiere heisst das, dass ich nicht jede Woche ein Foto online stellen aber doch fotografieren und in einem Notizbüchlein dokumentieren werde – der Anfang in Woche 1 ist jedenfalls schon mal gemacht. Update: Hier ist das Set des 52-Wochen-Projekts.
Am Wochenende will ich jeweils eine Kamera je nach Projekt oder Laune auswählen. Auch hier mit der Absicht, leichter bepackt und konzentrierter meine fotografischen Ideen zu verfolgen. Auf einen Nachmittag mit vier Kameras möchte ich ab jetzt verzichten.
Und auch in die nächsten Ferien werde ich nur mit einer Kamera reisen. Von den vier Kameras, die ich im letzten Jahr auf Guernsey mit nahm, würden somit drei zuhause bleiben. Auch aus «A Lesser Photographer»-Sicht dürfte ich mich wohl für die schwere Fujica G690 BL entscheiden und damit hoffentlich noch viel konsequentere Schwarzweiss-Landschaftsaufnahmen nachen.
C.J. Chilvers hat das Lesser Photographer Manifesto verfasst und bloggt auf alesserphotographer.com über mehr Kreativität in der Fotografie mit weniger Ausrüstung. Viele technikorientierte Blogs und Podcast und zahllose How-to-Artikel lenken ebenfalls vom kreativen Fotografieren ab, meint Chilvers. Ebenso das Streben nach einer Profikarriere. Viel Gedankenfutter für Fotofreunde. Ich muss sagen, in den meisten Punkten teile ich Chilvers Anliegen.
Ich will im Jahr 2012 bewusster als «lesser Photographer» unterwegs sein. Hoffentlich tut’s mir und meinen Fotos gut.
PS: Wenn wir schon bei der Idee von Weniger sind: weniger iPhone, weniger Social-Media-Gedöns, weniger Nabelschau, weniger Stuff würde sicher auch gut tun.
Mein Fotojahr 2011
Hier ist er, mein traditioneller Jahresrückblick, gespickt mit Links zurück auf Blogposts, Fotos und Ereignisse aus dem Jahr 2011.
- Januar: Ich ziehe meine ersten Runden mit der Fujica G690 BL. Noch lenkt mich die Handhabung von der konzentrierten Bildgestaltung ab.
- Februar: Ich fotografiere Bäume und Wohnblocks. In den Winterferien entsteht eine Serie mit Schneeaufnahmen.

- März: Ich lasse mir von Fujifilm die X100 demonstrieren. Heute würde mich die X10 mehr interessieren.
- April: Auf einer Wanderung durch den späten Schnee mache ich Landschaftsaufnahmen mit der Fujica. Am Welt-Lochkamera-Tag fotografiere ich mit der Schtreichholzschachtel.

- Mai: Meine selbstgebastelte Grossformat-Lochkamera ist fertig. Im Blog von EyeEm bekomme ich ein Feature für meine iPhonefotografie.
- Juni: Ich entwickle erstmals einen Film in Caffenol. Ich arbeite an der Serie «Nacht im Quartier» weiter.
- Juli: Zeit für Familienurlaub mit nur wenig Fotos.
- August: Ich reise ans Meer nach Guernsey und mache Landschaftsaufnahmen. Mit den Resultaten bin ich zufrieden. Die G690 BL ist mir jetzt ganz vertraut. Im Brockenhause kaufe ich eine Polaroid 320 Automatic Land Camera für Packfilm, angesteckt vom «Packtastic»-Virus vom Film Photography Podcasts.

- September: Meine Fotoserie «Albanien 1994» wird in einem albanischen Onlinemagazin veröffentlicht. Auf dem Fotoflohmarkt in Lichtensteig kaufe ich eine Ricoh FF-1-Kompaktkamera. Ich finde ausserdem günstige Packfilme für die Polaroid.
- Oktober: Ich fotografiere mit der neuen Ricoh und der neuen Polaroid. Und ich lade die Bilder vom Walensee mit der G690 vom September auf Flickr.

- November: Eine Serie im Hänsiried und ein Bild von meinem Tascheninhalt. Und eine Wanderung im Appenzellerland.
- Dezember: Ich lege wieder einmal einen 135-Film in eine 126er-Kamera ein und mache Fotos mit sichtbarer Filmperforation. Und ich fange den Zürich in der Nacht auf Schwarzweissfilm ein.

Es war ein abwechslungsreiches Jahr mit ein paar Neuanschaffungen und einem klaren Höhepunkt. Das Thema Landschaftsfotografie dominiert. Ich möchte mit diesem Material weiter arbeiten. Und im kommenden Jahr auch neue Zusammenstellungen ausprobieren.
Im Jahr 2011 habe ich auch weiterhin mit dem iPhone fotografiert. Ich war ein Betatester der App SuperRetro. Ich habe auf Instagram (Profil via ink361.com) und auf EyeEm meine Fotos hochgeladen. Ausserdem dient mir mein Blog auf Tumblr vermehrt als Fotoblog, auf dem ich die Fotos von Flickr poste.
Wie es im 2012 weitergeht? Vielleicht mit einem Vorstoss in den Bereich der Menschenfotografie? Vielleicht noch mehr Grossformat? Vielleicht ein 52-Wochen-Projekt? Vielleicht ein Zine? Eine Ausstellung der Arbeit «Nacht im Quartier»? Ich will mich auf nichts festlegen und es nehmen, wie es kommt. Ich denke, die gute Absicht ist entscheidender als zu fixe Neujahrsvorsätze.
An dieser Stelle wünsche ich den Leserinnen und Lesern ein frohes Neues Jahr. Danke fürs Interesse und bis bald.
Siehe auch:
- Fotos auf Flickr in 2011 (286 Uploads)
- Archiv Weblog 2011 (16 Artikel)




